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Stolperstein-Biografien für Herleshausen und Nesselröden online abrufbar

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Der Arbeitskreis Stolpersteine ist nach wie vor auf Hilfe angewiesen: Beispielsweise werden Informationen zu historischen Fotos gesucht, die zu den Biografien passen. Dieses Foto stammt aus den 1950er-Jahren. Vor dem hinteren Wagen ist der Lanz-Bulldog von Familie Ermisch erkannt worden. Infos bitte an Helmut Schmidt unter 0 56 54/1010.
Der Arbeitskreis Stolpersteine ist nach wie vor auf Hilfe angewiesen: Beispielsweise werden Informationen zu historischen © Privat/nh

Über den Stolperstein-Guide sind nun auch die Biografien der Menschen hinter den Stolpersteinen in Herleshausen und Nesselröden abrufbar. Wir erklären die Nutzung.

Herleshausen – Stolpersteine erinnern im nachbarschaftlichen Umfeld an Menschen, die vom NS-Gewaltregime gedemütigt, entrechtet, verfolgt, vertrieben und schlussendlich ermordet wurden. Insgesamt 125 solche Stolpersteine sind in den vergangenen zehn Jahren in Herleshausen und Nesselröden verlegt worden – wohl kaum eine Gemeinde im Kreis lebt eine derart intensive Erinnerungskultur. Mit dem digitalen Angebot „Stolpersteine-Guide“ wird das Engagement der Herleshäuser Arbeitsgruppe Stolpersteine nun auf ein neues Level gehoben: Im Internet sowie per App sind die Geschichten hinter den Stolpersteinen für jedermann überall abrufbar.

Wie kommt man an die Daten?

Für die Web-Version am einfachsten über die Adresse stolpersteine-guide.de. In der Eingangsmaske gibt man links oben den Ortsnamen „Herleshausen“ ein – und schon fokussiert sich die rechts eingeblendete Deutschlandkarte auf den Ort mit einem dichten „Knäuel“ von Steinen im Ortskern. „Scrollen Sie diesen Plan per Maus auf die gewünschte Größe, dann entwirren sich die dargestellten Stein-Symbole und es werden die einzelnen Verlegestellen sichtbar“, erklärt Helmut Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises Stolpersteine in Herleshausen. Die gleichnamige App für das Smartphone steht entweder über den App-Store (iPhone) oder den Google Play-Store (Android) zum Download bereit.

„Stolpersteine-Guide“ entwickelte sich aus Hochschulprojekt

Die Entwicklung der App „Stolpersteine-Guide“ nahm ihren Anfang als Hochschulprojekt der Fachhochschule Trier in Kooperation mit der Trierer Stolpersteininitiative AG Frieden. Der „Stolpersteine-Guide“ ist unter der Betreuung von Dozent Marcus Haberkorn zusammen mit den Studenten Alexander Prümm, Peter Nürnberger und Kim-Julian Becker entstanden. Es handelt sich dabei um eine Plattform, über die Inhalte zu Stolpersteinen bereitgestellt werden. Das Projekt wird aus Mitteln des sächsischen Landesdigitalisierungsprogramms für Wissenschaft und Kultur sowie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Als wachsende Plattform ist der „Stolpersteine-Guide“ offen für alle Initiativen wie die aus Herleshausen, welche die Erinnerung an die NS-Verbrechen auch mit modernen Mitteln wachhalten möchten. (esp)

Welche Biografien sind bereits hinterlegt?

Es empfiehlt sich, zunächst im Bereich „Anger“ und „Lauchröder Straße“ zu suchen. Dort findet man an der Ecke Lauchröder Straße/Querstraße die Müller-Familie. „Klickt man die vier Steine von oben links nach unten rechts der Reihe nach an, so wird man dabei nicht nur die Lage der Steine und die dazu gehörenden Biografien finden, sondern auch einen „Medien-Bereich“, den man anklicken kann, um die hinterlegten Fotos vergrößert anschauen zu können“, sagt Helmut Schmidt.

Wann werden weitere Geschichten folgen?

Als „Prototypen“ finden sich derzeit in der Lauchröder Straße 2, Am Anger 1 und 3 sowie in der Bahnhofstraße 11 ausführlichere Biografien zu den dort zuletzt verlegten Stolpersteinen. „Bei allen anderen haben wir uns vorerst darauf beschränkt, die Opfer und ihre Schicksale mit „Visitenkarten“ vorzustellen und dazu – soweit vorhanden – auch einige Bilder mit einzufügen“, weiß Helmut Schmidt. Die übrigen 110 Biografien müssen erst noch formuliert und dann sukzessive eingefügt werden.

Wie wird mit den Stolpersteinen in Nesselröden verfahren?

Für „Nesselröden“ hat sich der Arbeitskreis Stolpersteine dazu entschlossen, einen eigenen Ort im Guide anzulegen. Schließlich gab es dort auch eine selbstständige jüdische Gemeinde, die – nach Recherchen von Hans Isenberg – ursprünglich sogar größer war, als die Synagogengemeinde in Herleshausen. Derzeit fehlt noch die Zugriffsberechtigung; liegt diese vor, werden die vorbereiteten Daten analog zu Herleshausen eingestellt. (Emily Hartmann)

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