Prozess gegen früheren Richter: Besichtigung der Zellen

Eschwege. Ein Ortstermin im Gericht steht nicht alle Tage auf dem Programm. Deshalb standen die Beteiligten am Montag um 10 Uhr auch zunächst etwas ratlos im Foyer des Eschweger Amtsgerichts und harrten der Dinge.

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Es handelte sich um die 5. Strafkammer des Landgerichts Kassel, in einem Kleinbus angereist mit dem Vorsitzenden Richter, zwei beisitzenden Richtern und zwei Schöffen sowie dem Protokollführer.

Letzterer sorgte mit Hilfe einer Justizwachtmeisterin erst einmal dafür, dass der formell erforderliche Aushang erfolgte, damit die Öffentlichkeit wusste, was ansteht. Es war der zehnte Verhandlungstag gegen den ehemaligen Richter auf Probe R., dem Rechtsbeugung vorgeworfen wird (die HNA berichtete). Er soll mit einem des Exhibitionismus angeklagten Mann während einer Unterbrechung der Verhandlung gegen ihn in den Keller des Gerichts gegangen sein und ihm quasi zur Abschreckung eine Gewahrsamszelle gezeigt haben.

Besagter Aushang hing dann gestern im Windfang des Haupteingangs, weil der Ortstermin quasi im halben Gebäude stattfand. Direktor Dr. Wachter unterbrach eigens seine Sitzung im Saal 1, damit die Herrschaften sich ansehen konnten, durch welche Türen der Ex-Richter den Saal mit dem Angeklagten nicht verlassen hatte. Das sind die Türen zum Raucher- und zum Beratungszimmer. Er ist seinerzeit mit dem Angeklagten durch die normale Saaltür raus zur Wachtmeisterei gegangen. Dort wurde ein Wachtmeister mit dem Schlüssel für die Zelle abgeholt.

Von dort ging es gestern wie bei einer Sightseeingtour in den Keller hinab. Als Fremdenführer durch die Katakomben fungierte Geschäftsführer Knud Angerhausen höchstpersönlich. Auf einen Blick in die Tiefgarage wurde verzichtet, über ein anderes Treppenhaus zwischen Alt- und Neubau führte der Weg wieder nach oben. Neben den genannten Personen der 5. Kammer waren auch die Oberstaatsanwältin, der Angeklagte und sein Verteidiger beim Gang durch die Flure dabei.

Nach einer Viertelstunde war der Tross wieder am Ausgang angelangt und der Vorsitzende Richter gab das Ende des zehnten Verhandlungstages zu Protokoll. Weiter geht es in Kassel am 16. Februar um 9 Uhr.

Die Verhandlung mit der vermeintlichen Rechtsbeugung und Aussageerpressung hat im August 2009 in Saal 1 des Eschweger Amtsgerichts stattgefunden. Der Richter auf Probe ist inzwischen entlassen, auch ein Freispruch kann ihn allenfalls persönlich rehabilitieren, aber nicht wieder in den Justizdienst bringen.

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