Online-Workshop

Strategien gegen Stammtischparolen: Lernen, wie man Haltung zeigt

Gegenprotest: Szene vom Samstag, als „Querdenker“ in Kassel auf die Straße wollten. Die verbotene Versammlung sollte Teil eines weltweiten Demonstrationstags sein.
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„Demokratiegespräche Nordhessen“

Wie soll man Stammtischparolen gegenübertreten? Ein Trainer für transkulturelles Lernen stellt seine Strategien in einem Online-Seminar vor.

Werra-Meißner – Stammtischparolen wie „Die da oben machen doch eh, was sie wollen“, „Die Leute, die herkommen, nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ oder „Das sind doch alles nur Wirtschaftsflüchtlinge“ haben wahrscheinlich die meisten schon mal gehört. Wie soll man solchen Meinungen gegenübertreten? Um solchen Aussagen etwas entgegenzusetzen, stellte Christoph Pinkert, Trainer für transkulturelles Lernen und konstruktive Konfliktbearbeitung, Strategien vor.

Gemeinsam mit den fünf nordhessischen Fachstellen für Demokratieförderung, darunter auch die des Werra-Meißner-Kreises, hatte Pinkert am Dienstagabend zu einem Onlineworkshop in der Reihe „Demokratiegespräche Nordhessen“ eingeladen.

Die Teilnehmer des Workshops wollten erfahren, wie man gegen Stammtischparolen ankommt und dabei Haltung zeigt. Pinkert sagt „Handlungen, die wir lernen können, um politischer Meinungsbildung etwas entgegenzubringen, haben eine viel größere Wirkung als das noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war.“ Mittlerweile sei der Stammtisch sichtbar, man brauche ihn nicht mehr suchen, er sei in der Öffentlichkeit wie beispielsweise bei Demonstrationen zu hören oder auf Plakaten wie „Wir sind das Volk, wir lassen uns nicht länger belügen“ zu lesen.

Um solchen Meinungen etwas entgegenzusetzen, müsse man sich zunächst für das Warum entscheiden: ob zur Selbstgerechtigkeit und um die eigene Überlegenheit zur Schau zu stellen oder um an der Wissens- und Haltungstransformation zu arbeiten. „Nichts zu sagen ist immer Zustimmung“ so Pinkert, und deshalb rät er zu folgende Strategien und Argumenten.

Zum einen soll man Ruhe bewahren und erfragen, wie der Gegenüber zu dieser Meinung kommt oder woher er sein Wissen bezieht. Durch das Nachfragen verunsichert man den Gesprächspartner. Oft werden Argumente beschrieben, in denen Menschen als „Andere“ konstruiert und von einem „Wir“ unterschieden werden. Diesen Prozess kann man durchbrechen, indem man Verallgemeinerungen auflöst.

Als Nächstes sollte man Akzeptanz zeigen, wie beispielsweise „Wenn ich solche Medien konsumieren würde, würde ich wahrscheinlich auch so denken“, um im Anschluss daran die eigene Haltung und Meinung aufzuzeigen. Hierbei sei es wichtig, dass man sich nicht auf einen Argumentationsaustausch einlässt.

Stattdessen sollte vom Gegenüber Zustimmung gesucht werden, um dadurch etwas von der eigenen Meinung mitgeben zu können. Hierbei kann beispielsweise gefragt werden, ob es etwas von der eigenen Meinung gibt, wo der andere mitgehen kann. Meinungen etwas entgegenzusetzen koste Kraft, so Pinkert.

Seine Strategien anzuwenden, brauche Übung, wie auch die Teilnehmer bei einem Rollenspiel in Kleingruppen feststellten. Im Resümee der Übung merkten die meisten an, dass es nicht so einfach sei, gegen Meinung anzukommen, aber durch das Nachfragen die Gegenüber verunsichert werden konnten. Aus dem Workshop nahmen die Teilnehmer „hilfreiche Tipps“, „Bestärkung“, „Inspiration“ und „Lust auf mehr“ mit. (Patrizia John)

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