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Sturm im Kreis: Böen bis zu 100 Stundenkilometern möglich

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Von: Emily Spanel

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Ungemütlich soll es ab Donnerstag werden. Im Kreis drohen Sturm-, eventuell sogar orkanartige Böen. Unser Symbolbild entstand bei Sturmtief „Ignatz“, das im Oktober 2021 über Deutschland zog.
Ungemütlich soll es ab Donnerstag werden. Im Kreis drohen Sturm-, eventuell sogar orkanartige Böen. Unser Symbolbild entstand bei Sturmtief „Ignatz“, das im Oktober 2021 über Deutschland zog. © Julian Stratenschulte/dpa

Trübe, nass und dabei mild: Eher trostlos dümpelt das Wetter im Werra-Meißner-Kreis in diesem Winter vor sich hin. Doch Obacht – ändern soll sich das spätestens ab Donnerstag.

Werra-Meißner – Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt dann vor heftigen Wind- möglicherweise sogar Orkanböen. Laut Prognose stehen gleich mehrere Sturmereignisse bevor, von denen eines harmlos, eines ziemlich ruppig und eines unter Umständen sogar richtig heftig ausfallen könnte.

Torsten Rost, versierter Hobby-Meteorologe aus Eschwege, beantwortet dazu die drängendsten Fragen.

Welche Wetterlage erwartet uns?

Die Großwetterlage beschert uns ab der Wochenmitte eine sogenannte zyklonale Westlage: Also eine sehr wechselhafte, oft milde Westwetterlage mit (schweren) Sturm-, eventuell regional auch orkanartigen Böen und teils länger anhaltenden Regenfällen. Das trifft besonders die Weststaulagen der Mittelgebirge.

Torsten Rost
Torsten Rost © Kim Hornickel

Wie entsteht eine solche Westlage?

Deutschland befindet sich an der Südflanke eines Tiefdruckkomplexes über Skandinavien mit mehreren Kernen, die sich wie an einer Perlenschnur von der nördlichen Nordsee über Südschweden bis zur Ostsee hintereinander reihen (siehe Grafik). Zusammen mit dem Hoch bei Portugal baut sich ein ordentlicher Gradient über Deutschland auf. Die Linien gleichen Luftdrucks, also liegen sehr eng beieinander – das bedeutet, es entsteht viel Wind. Die Folge: Es gibt am Donnerstag verbreitet schwere Sturmböen bis zu 100 Stundenkilometern aus westlichen Richtungen.

Was bedeutet das konkret für unseren Kreis?

Der Donnerstag dürfte bei uns im Werra-Meißner-Kreis ein „ganz normaler“ Sturmtag werden: Es können Äste abbrechen, eventuell auch einzelne Bäume entwurzelt werden, da die Böden nass und weich sind. In den Höhenlagen von Meißner und Ringgau bläst der Wind am stärksten. Nachmittags und abends lässt der Sturm dann erst einmal wieder nach. Diese Entwicklung gilt laut den verschiedenen Wettermodellen als relativ gesichert, also mit hoher Eintreffwahrscheinlichkeit.

Waldbesitzerverband warnt vor Betreten des Waldes

Der Hessische Waldbesitzerverband warnt die Bevölkerung davor, heute und in den kommenden Tagen den Wald zu betreten. „In Folge der orkanartigen Stürme werden zahlreiche Bäume abbrechen oder entwurzelt und Wege und Straßen blockieren“, sagt Hubertus von Roeder aus Völkershusen. Die Bäume würden dann kreuz und quer übereinander liegen und unter Spannung stehen. Auch in den Tagen nach Stürmen bleibt es im Wald gefährlich. „Denn Bäume werden beim Sturm oft nur angeschoben oder hängen zum Teil noch in Nachbarbäumen fest und können jederzeit zu Boden stürzen.“ Dasselbe gelte für tote Äste, die abbrechen, aber in den Baumkronen hängen bleiben. Sie könnten jederzeit herabstürzen und schwerste Verletzungen verursachen.

In den Tagen nach den Stürmen werden Waldarbeiter und Förster aufräumen und Wege von umgestürzten Bäumen freischneiden. Entlang der Wege müssen umsturzgefährdete Bäume gefällt werden, die vom Sturm angeschoben wurden, aber im Nachbarbaum hängen geblieben sind. Das Betreten von Waldflächen, auf denen Holz gefällt wird, sei dan lebensgefährlich und streng verboten. Auf Wegen, die mit Flatterband abgesperrt sind, darf weder gelaufen noch mit dem Fahrrad gefahren werden. 

Der Hessische Waldbesitzerverband bittet die Bevölkerung um Verständnis und Zurückhaltung. „Gehen Sie in der Feldflur spazieren oder bleiben Sie in den nächsten Tagen zu Hause.“

Und wie sieht die Lage am Freitag aus?

Anders sieht es für das Tief am Freitag aus. Dieses Tief wird in die sehr lebhafte Westlage eingebettet, kann sich dort weiter vertiefen und wird wohl über Deutschland hinwegziehen. Die Auswirkungen dieses sogenannten Schnellläufers sind aber sowohl für Hessen und erst Recht für den Werra-Meißner-Kreis noch sehr unsicher, denn es kommt auf die genaue Zugbahn an. Es ist viel kleiner als der große skandinavische Tiefdruckkomplex. Das Problem dieser Schnellläufertiefs sind die starken Böen, die vor allem mit dem Durchgang der Kaltfront auftreten können. Da sind dann auch mal örtlich 120 Stundenkilometer und mehr möglich. Dementsprechend können die Schäden größer ausfallen.

Sind solche Wetterlagen selten?

Nein. Solche zyklonalen Westlagen kommen bei uns im Winterhalbjahr häufiger vor. Zu der Kategorie „Schnellläufer“ gehörte auch das Orkantief „Friederike“ vom 18. Januar 2018 oder „Sabine“ am 10. Februar 2020.

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