Stromtrasse wird konkreter

Suedlink: Stellungnahmen zum genauen Verlauf noch möglich

Ausblick auf die Bauphase: 2023 soll der Trassenbau für Suedlink im Kreis beginnen, die Bauzeit geben die Vorhabenträger Tennet und Transnet BW mit etwa vier Jahren an.
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Ausblick auf die Bauphase: 2023 soll der Trassenbau für Suedlink im Kreis beginnen, die Bauzeit geben die Vorhabenträger Tennet und Transnet BW mit etwa vier Jahren an.

Mit großen Zeitungsanzeigen, aber ohne anderweitige öffentliche Mitteilungen treibt die Bundesnetzagentur (BNA) in Bonn derzeit das Verfahren zum Bau der Megastromtrasse Suedlink jetzt voran. Für den Abschnitt, in dem die Vorzugstrasse den Werra-Meißner-Kreis von Norden nach Süden erst durch das Werratal und dann über den Ringgau durchziehen sollen, wird jetzt eine sogenannte Antragskonferenz vorbereitet.

Werra-Meißner – Bislang ist von der BNA Ende vorigen Jahres der bis zu einen Kilometer Korridor festgelegt worden, in dem die Stromkabel in einem zum Teil über 40 Meter breiten Baustreifen verlegt werden sollen. Diesen genauen Verlauf nach ihren Vorstellungen haben die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Transnet BW bereits einen Monat später im Rahmen ihres Antrags auf Planfeststellung vorgelegt. Öffentlich ausgelegt werden die Unterlagen nicht, sie sind lediglich im Internet einsehbar.

Alle Behörden und Betroffenen sind nun aufgefordert, dazu Stellungnahmen abzugeben. Dies ist noch drei Wochen lang möglich, letzte Frist ist Freitag, 26. März. Wie schon vor zwei Jahren sollen sie, wie die BNA sagt, die Möglichkeit erhalten, Hinweise für das weitere Verfahren zu geben. Da geht es um die Umweltverträglichkeit der Verlegungsarbeiten und die Zerstörungen und dauerhaften anschließenden Beeinträchtigungen durch die Kabel im Boden, aber auch um private Belange.

Stefan Heuckeroth-Hartmann

Vor zwei Jahren lagen rund 2000 Stellungnahmen vor, mehr als 150 Einwender nahmen an einem mehrtägigen Erörterungstermin in einer Tagungshalle in Rotenburg teil. Am Ende fiel die Entscheidung aber doch für einen Trassenkorridor durch den Werra-Meißner-Kreis.

Eine anschließende „Konferenz“ wurde mit Verweis auf die Corona-Pandemie gestrichen – gegen den Willen insbesondere der Bürgerinitiativen gegen Suedlink. Schon vor einem Jahr äußerte Stefan Heuckeroth-Hartmann, Sprecher der BI Werra-Meißner gegen Suedlink, seine Sorge, dass die Bürgerrechte dadurch stark eingeschränkt würden. Die Politik in Berlin legitimierte die Regelung aber durch ein Planungssicherstellungsgesetz.  

Intensiv befasst sich derzeit auch die Bürgerinitiative (BI) Werra-Meißner gegen Suedlink mit dem Antrag auf Planfeststellungsbeschluss für die Trasse durch den Landkreis und lehnt sie ab: Allein die mehrfache Unterbohrung der Werra sei „ein hochkomplexes, teures und Naturland vernichtendes Vorgehen“, sagt BI-Sprecher Stefan Heuckeroth-Hartmann.

Zugleich wird die BI nicht müde, das gesamte Suedlink-Projekt als auch alle weiteren geplanten, bis zu 100 Milliarden teuren Megastromtrassen in Deutschland abzulehnen. Mit dem Geld könnte „eine ökologisch und ökonomisch vernünftige dezentrale Energiewende unterstützt werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Man warte nun auf einen Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Leipzig im Sommer, ob wegen „der vielen Unzulänglichkeiten eine Klage gegen den „überdimensionalen Netzausbau zugelassen wird, so Heuckeroth-Hartmann.

Dazu unterstützt die BI auch ein Gutachten von Professor Dr. Lorenz Jarass mit einer Spende von 500 Euro. Der Wirtschaftswissenschaftler habe mit der Studie belegt, dass keine überdimensionierten Megastromtrassen für eine Energiewende benötigt würden.

Antragsunterlagen, weitere Informationen und Formulare sind im Internet zu finden unter netzausbau.de/vorhaben3-c2 bzw. vorhaben4-c2. Der Antrag auf Planfeststellungsbeschluss ist herunterladbar unter zu.hna.de/verlauf2021. Die Details zum Verlauf kann man darin auf 16 Kartenausschnitten auf den Seiten 236 bis 273 genau anschauen. (sff)

Von Marzhausen bis Wommen durch den Werra-Meißner-Kreis

Der Verlauf des Trassenkorridors durch den Werra-Meißner-Kreis beginnt im Norden an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen nordwestlich von Marzhausen. Er verläuft zunächst in südlicher Richtung an Hebenshausen und Eichenberg vorbei und erreicht bei Witzenhausen-Unterrieden das Werratal. Diesem folgt er flussaufwärts bis nach Eschwege-Albungen. Bad Sooden-Allendorf wird östlich umgangen. Bei Eschwege-Albungen wird das Werratal verlassen, die Ortslagen Meißner-Weidenhausen, die Eschweger Stadtteile Eltmannshausen und Niddawitzhausen werden westlich umgangen.

Danach erfolgt ein Schwenk in südöstliche Richtung, nördlich an Wehretal-Reichensachsen vorbei und durch bewaldete Höhenzüge des FFH-Gebiets „Werra- und Wehretal“ hindurch in die Gemeinde Ringgau. Die Ortslagen Röhrda und Rittmannshausen werden nördlich umgangen. Südöstlich von Rittmannshausen wird die Landesgrenze Hessen/Thüringen zwei Mal gequert.

Weiter geht es in südlicher Richtung an Herleshausen-Archfeld vorbei. Südöstlich von Wommen wird die Werra gequert, welche hier auch die Landesgrenze Hessen/Thüringen bildet.

Insgesamt wird die Werra 14 Mal gequert. (sff)

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