Über 300 Bohrungen im Kreis

Suedlink: Transnet BW beginnt mit Baugrunduntersuchungen

Ausblick auf die Bauphase: 2023 soll der Trassenbau für Suedlink im Kreis beginnen, die Bauzeit geben die Vorhabenträger Tennet und Transnet BW mit etwa vier Jahren an.
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Ausblick auf die Bauphase: 2023 soll der Trassenbau für Suedlink im Kreis beginnen, die Bauzeit geben die Vorhabenträger Tennet und Transnet BW mit etwa vier Jahren an.

Nach Jahren der Planungen auf dem Papier wird das Megastromtrassenprojekt Suedlink jetzt erstmals auch im Werra-Meißner-Kreis tatsächlich sichtbar werden. Mit Beginn des Juli hat der Vorhabenträger, die Transnet BW, den Start der Baugrunduntersuchungen entlang des Trassenkorridores angekündigt.

Werra-Meißner - Der 1000 Meter breite Streifen, in dem die beiden Starkstromkabel verlegt werden sollen, führt auf einer Länge von zirka 60 Kilometern von Neu-Eichenberg über Witzenhausen und Eschwege bis Herleshausen durch den Landkreis und quert dabei fast alle gemeindlichen Gemarkungen.

Bei den Baugrunduntersuchungen handelt es sich laut Transnetz BW um die „erste Erkundungsphase“, um unter anderem Boden- und Gesteinsarten, bodenmechanische Eigenschaften und Grundwasserverhältnisse zu erkunden.

311 Bohrungen entlang der Trasse

Entlang der Trasse im Werra-Meißner-Kreis sollen insgesamt 311 Bohrungen vorgenommen werden. Davon allein 106 auf dem Gebiet Neu-Eichenbergs, neun in Witzenhausen, 26 in Bad Sooden-Allendorf, 15 in Eschwege, 19 in Meißner, 63 in Wehretal, 46 in Ringgau und 27 in Herleshausen.

Davon will Transnet 135 sogenannte schwere Rammsondierungen vornehmen, die bis zu einer Tiefe von zehn Metern reichen, und 120 Kernbohrungen, die zum Teil bis in Tiefen von 100 Metern gehen. Hinzu kommen noch Kleinrammbohrungen (bis vier Meter Tiefe), die im Abstand von 100 bis 200 Metern rechts- und linksseitig der Trasse vorgenommen werden sollen, sowie Schürfgruben, die bis in zwei Meter Tiefe reichen. Hinzu kommen Handmessungen in geringen Tiefen.

Raumbedarf pro Bohrung zwischen 225 und 25 Quadratmetern

Den Platzbedarf je Bohrung gibt der Vorhabenträger mit 225 Quadratmetern für Kernbohrungen und Schürfgruben an, Kleinrammbohrungen und Rammsondierungen mit je 25 Quadratmetern. Jede Bohrung wird laut Transnet BW voraussichtlich ein bis zwei Tage dauern, insgesamt sollen die Baugrunduntersuchungen innerhalb des nächsten halben Jahres abgeschlossen sein.

Weil im Bereich von Bad Sooden-Allendorf und Kleinvach möglicherweise sensible Zuläufe zu Heilwasserquellen von den Tiefenbohrungen betroffen sind, hatte die Stadt Bad Sooden-Allendorf bereits vor zwei Jahren eine Klage gegen die Untersuchungen in Betracht gezogen, das Projekt dann aber wieder wegen Aussichtslosigkeit fallen lassen. (Stefanie Salzmann)

Kein rechtlicher Widerstand gegen Suedlink möglich - Gegner sehen keine Chance in juristischem Weg

Bad Sooden-Allendorf – Juristische Schritte gegen die ab Anfang Juli angekündigten Baugrunduntersuchungen durch Bohrungen für die Mega-Stromtrasse Suedlink gibt es aus dem Werra-Meißner-Kreis offenbar nicht. Der Bürgerinitiative Werra-Meißner gegen Suedlink (BI) jedenfalls sind keine bekannt.

Insbesondere für Bad Sooden-Allendorf waren diese aber angekündigt worden, erinnert man sich noch an die bei einer Pressekonferenz des Hessischen Heilbäderverbandes (HHV) im Mai 2019 vorgetragenen Befürchtungen über die Folgen einer Erdkabelverlegung im Werratal. Damals hatte der Badestädter Bürgermeister Frank Hix (CDU) angekündigt, zu versuchen, „Prüfbohrungen durch Unterlassungsklagen zur Not per Eilverfahren zu verhindern“.

Unschätzbare Risiken für Heilquellen

Vor zwei Jahren war von der Befürchtung die Rede, dass nicht nur bei den geplanten Unterquerungen der Werra mit jeweils zwei Vortrieben in den Untergrund heilwasserführende Gesteinsschichten gestört werden, sondern dass dies bei den vorausgehenden Erkundungsbohrungen bereits geschehen könnte. HHV-Vorsitzender Michael Köhler sprach da von einem „unabschätzbaren Risiko“. Theoretisch könne schon der Prüfschritt zum „Worst Case“ führen. Und, so Köhler damals weiter, man dürfe nicht nur die ausgewiesenen Wasserschutzgebiete betrachten, sondern müsse die gesamten Wasserverläufe über viele Kilometer beachten.

Zuletzt habe die Stadt Bad Sooden-Allendorf Möglichkeiten zum Verhindern der angekündigten Bohrungen nochmals einer rechtlichen Prüfung unterziehen lassen, sagte Bürgermeister Hix jetzt auf Anfrage. Ergebnis: Da die Bereiche, auf denen zunächst gebohrt werden soll, nicht der Stadt gehören, könne sie auch nichts gezielt unternehmen. Das könne nur der jeweilige Grundbesitzer machen.

Auch sonst würden einem Widerspruch, das Gelände betreten zu dürfen, wenig Chancen eingeräumt, kristallisierte sich auch in einer Besprechung von Vertretern der Stadt und der Bürgerinitiative als einhellige Meinung heraus. Das sei das gleiche Problem wie bei den bereits gelaufenen Untersuchungen des Tier- und Pflanzenaufkommens. Durch extra dafür erlassene Bundesgesetze seien sie gedeckt und müssten geduldet werden.

Lediglich Verzögerung möglich

Lediglich eine Verzögerung könne durch Widerspruch erzielt werden. Ein Eigentümer habe immerhin zwei Instanzen geschafft, am Ende aber ein dreistelliges Ordnungsgeld bezahlen müssen, berichtete BI-Sprecher Stefan Heuckeroth-Hartmann. Außerdem finden die jetzt angekündigten Untergrund-Untersuchungen nicht innerhalb des Heilquellenschutzgebietes von Bad Sooden-Allendorf statt. Vielmehr folgt der Netzbetreiber Transnet offensichtlich einem Vorschlag aus dem Fachgutachten, das die Landkreise Werra-Meißner und Göttingen erstellen ließen, und suchten nach vermuteten Zuläufen zu den Solequellen. Ein Zufluss könnte zwischen Kleinvach und Albungen verlaufen, wie Stadtbauamtschef Helmut Franke auf Anfrage sagte. Im positivem Fall könnten die Untersuchungen ergeben, dass das Bohren im Wasserschutzgebiet tatsächlich unterbleiben müsse, hoffen die Suedlink-Gegner nun. Einzige Aktion gegen die bevorstehenden Bohrungen ist also aktuell die Mahnwache der BI, die am Sonntag nahe der Straße zum Schloss Rothestein eingerichtet wurde. (Stefan Forbert)

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