Kreis und Kommunen verschärfen Kritik

Suedlink-Trasse soll auf 59 Kilometern 14-mal die Werra unterqueren

Ausblick auf die Bauphase: 2023 soll der Trassenbau für Suedlink im Kreis beginnen, die Bauzeit geben die Vorhabenträger Tennet und Transnet BW mit etwa vier Jahren an.
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Ausblick auf die Bauphase: 2023 soll der Trassenbau für Suedlink im Kreis beginnen, die Bauzeit geben die Vorhabenträger Tennet und Transnet BW mit etwa vier Jahren an.

Werra-Meißner – Auf einer Länge von 59 Kilometern soll die Megastromtrasse Südlink durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen. Zwölfmal wird dabei die Werra unterquert.

Der Verlauf

Bei Friedland überquert der Trassenkorridor die niedersächsisch-hessische Landesgrenze und folgt südlich von Witzenhausen dem Werratal, verläuft östlich an Bad Sooden-Allendorf vorbei und dann über Eschwege in südöstliche Richtung durch den Ringgau. Netra wird südlich umgangen. Weiterhin verläuft der Trassenkorridor von Rittmannshausen aus südwärts und über die Landesgrenze bei Herleshausen bis Unterellen in Thüringen.

Die Bauweise

Mindestens 14-mal soll die Werra auf dieser Strecke unterbohrt werden, ebenso wie Gartengebiete (Bad Sooden-Allendorf), Wälder, Karstregionen und Wasserschutzgebiete (Ringgau). Die fertig verlegten Erdkabel brauchen einen Streifen von etwa 20 Metern, während der Bauphase werden bis zu 45 Meter Breite benötigt. Verlegt werden soll das Kabel entweder in offener Bauweise oder als Unterbohrung.

Die Kritik

Generell kritisieren die Kommunen und der Kreis, dass entgegen einer anderen Variante, die durch Thüringen geführt hätte, die Betroffenheit sowohl aus Sicht des Menschen als auch unter den Gesichtspunkten Natur und Geologie deutlich belastender und letztendlich auch teurer sein wird. Vor allem waren viele Einwendungen der Gemeinden überhaupt nicht bei der Planung berücksichtigt worden. „Die Trassenplanung wird vom Kreis als nicht umsetzbar bewertet“, so der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann. Der Kreistag hat bereits eine Summe von 30 000 Euro für den Widerstand gegen Suedlink eingeplant. Der Kritik des Kreises schließen sich im Wesentlichen auch die Bürgermeister der Kommunen des Kreises an.

Die Probleme im Einzelnen

Witzenhausen

Witzenhausens Bürgermeister Daniel Herz hatte nach Mindestabständen zu Siedlungen gefragt. Eine gesetzliche Regelung gebe es dafür nicht. „Wir haben uns aber immer um die größtmöglichen Abstände bemüht“, so Sebastian Henning vom Vorhabenträger.

Ab Neu-Eichenberg soll die Trasse parallel zur B 27 geführt werden, einmal die Bahnstrecke queren und dann westlich von Unterrieden durch das Überschwemmungsgebiet der Werraauen führen. Dort soll die Werra zweimal unterquert werden.

Bad Sooden-Allendorf

Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix, der bereits bei der Vorstellung des Korridors rechtliche Schritte angekündigt hatte, schreibt in einem erneuten Einspruch, „dass viele gravierende Eingriffe in die Natur oder Schutzbereiche zerredet und mit der Hoffnung auf Ausnahmegenehmigungen durch die oberen Genehmigungsbehörden relativiert werden“. Dazu führt Hix eine ganze Latte an Punkten auf:

  • die Solequellen: Deren unterirdischer Zustrom könnte durch die Bohrungen betroffen sein. Versiegten die Quellen, werde Bad Sooden-Allendorf Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe stellen.
  • .Wasserschutzgebiete: Im Bereich des „Heyerkopf“ und „Sickengalerie Rockenroth“ befindliche Schutzgebiete seien für die Stadt von essenzieller Bedeutung. Im Falle einer Havarie gebe es keine Reserven.
  • .Gartengebiete: Zwischen Hainsbachtal und Ausbachtal gibt es Streuobstwiesen sowie wertvolle Strukturen, in denen seltene Tierarten zu Hause sind. Bei der offenen Verlegeweise in dem Gebiet würden diese zerstört.
  • .Werraauen: Geschützte Auen bei Witzenhausen, Unterrieden, Oberrieden, Werleshausen, Ellershausen, Bad Sooden-Allendorf, Kleinvach sind großflächig betroffen.

Eschwege

Auch Eschwege findet klare Worte: „Der Vorschlagskorridor wird abgelehnt, da der dieser Entscheidung zugrunde liegende Vergleich fehlerhaft ist“, so Bürgermeister Alexander Heppe.

  • Eltmannshausen/Niddawitzhausen: Obwohl der Korridor westlich von Eltmannshausen und Niddawitzhausen über mehrere Kilometer durch ein Karstgebiet mit der Gefahr der Grundwasserverschmutzung führt, sollen die Risiken erst im Planfeststellungsverfahren (PFV) untersucht werden.
  • Albungen: Das gilt auch für die Querung der Bach- und Flusstäler mit Steilhängen nördlich und westlich von Albungen sowie westlich von Eltmannshausen und Niddawitzhausen.
  • Ferngasleitung/ Ortsumgehungen: Nicht berücksichtigt wurde auch die parallel zur Wehre verlaufende Ferngasleitung. Ebenso wenig wie die im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Ortsumgehungen der B 27 von Eltmannshausen und Niddawitzhausen sowie die Bahntrasse.

Wehretal

In Wehretal soll die Trasse eine ganze Reihe an Plänen durchkreuzen. „Dem Kernort Reichensachsen werden wesentliche Teile des Gemeindegebietes einer durchsetzbaren Planung entzogen“, so Bürgermeister Timo Friedrich.

  • Gewerbegebiet : Dazu gehört das nördlich von Reichensachsen geplante Gewerbegebiet, das von der Trasse mittig zerteilt würde, sodass die Hälfte der Entwicklungsfläche verloren gehen dürfte und Reichensachsen sich nur noch in östlicher Richtung entwickeln könnte (Im Norden ist die Autobahnbrücke, nördlich die Nordumgehungsstraße, westlich die Bahnstrecke, die ausgebaut werden soll).
  • Langenhain: In Langenhain führt der Korridor über die Wohnbebauung. Zwischen dem Aussiedlerhof „Schäfer“, „Auf dem Hufe“ und dem Ortsausgang liegen lediglich 400 Meter. Dies mache „eine angemessene Abstandshaltung zur Wohnbebauung unmöglich“, heißt es in der Einwendung.

Ringgau

Die Gemeinde Ringgau sorgt sich vor allem um die Trinkwasserquellen, aber auch um die Auswirkungen auf die Karstgebiete.

  • Netra: Zwar wurde der Korridor südlich von Netra verlegt, der nördlich von Netra gelegene Tiefbrunnen jedoch versorgt Netra sowie Rittmannshausen mit Trinkwasser und weist jetzt schon stark sinkende Pegelstände auf. Daher will die Gemeinde die ebenfalls südlich von Netra gelegene Quelle „Aschenborn“ wieder reaktivieren, die Leitung würde aber die Suedlink-Trasse kreuzen. Die erhebliche Wärmestrahlung der Stromtasse werde sich negativ auf die Wasserqualität auswirken.
  • Netraauen: Die Trasse führt durch die Auen mit vielen Schutzgütern in Flora und Fauna.

Von Stefanie Salzmann

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