Suche nach seltenen Tieren entlang der Trasse

Suedlink-Vorbereitung: Kartierer haben die Haselmaus und andere Tiere im Visier

Für die Suedlink-Planung lässt Transnet-BW Haselmäuse kartieren.
+
Für die Suedlink-Planung lässt Transnet- BW Haselmäuse kartieren.

Wie viele seltene Säugetiere, Insekten und Amphibien leben entlang der vorgeschlagenen Trasse für den Suedlink? Das versuchen Kartierer gerade herauszufinden.

Seit Anfang des Jahres nehmen Kartierungsbüros für Transnet-BW faunistische Untersuchungen vor, um die Suedlink-Trasse „so natur- und umweltschonend wie möglich planen zu können“, teilt Tim Sommers, Bürgerreferent der Transnet-BW auf Anfrage mit. Die Untersuchungen laufen noch bis Ende 2020. Sommers bittet die Bevölkerung, die Materialien weder zu verlegen oder abzuhängen. „Das führt zu einer unnötigen Störung der unterschiedlichen Tierarten, die im schlimmsten Fall negative Auswirkungen auf die einzelnen Tiere haben kann.“ Alle Materialien werden nach Ende der Kartierung entfernt. Diese Untersuchungen laufen:

Niströhren für Haselmäuse

Die Röhren dienen laut Sommers als Nisthilfen, um so Lebensräume von Haselmäusen nachzuweisen. Sie bestehen aus einer gewellten Plastikröhre und einem Holzsteg, der die Röhre an einem Ende verschließt. Sie werden nach einer Vor-Ort-Begutachtung durch die Kartierer an geeigneten Sträuchern oder Bäumen befestigt. Pro Hektar Untersuchungsfläche sollen 25 Röhren ausgebracht werden. Für den Landkreis sind mehrere Hundert vorgesehen.

Dabei sind sowohl Röhren zu finden, bei denen die Öffnung zum Stamm zeigt, wie es empfohlen wird, manchmal zeigt die Öffnung auch vom Stamm weg – Denn die Kartierungsbüros hätten bei mehreren 10 000 bisher kartierten Röhren die Erfahrung gemacht, dass die Ausrichtung der Öffnung nicht entscheidend für die Besiedlung sei. Die Anbringung mit der Öffnung nach außen bietet laut Sommers den Vorteil, dass die Röhren bei der Kontrolle nicht mehr geöffnet werden müssten, da oft schon durch ein Hineinleuchten der Besatz erkannt werden könne. Die Kartierung läuft zwischen 24. Februar und 30. November, die Röhren werden regelmäßig kontrolliert und beim letzten Besuch wieder mitgenommen.

Erfassung von Feldhamstern

Vom 15. März bis 31. Mai sowie vom 1. Juli bis 30. September finden Begehungen der Felder statt, bei denen Hamsterbaue ge- sowie untersucht, vermessen und dokumentiert werden. Die Feldbewirtschaftung wird hierbei laut Sommers berücksichtigt. Feldfrüchte sollen möglichst geschont werden.

Kartierung von Fledermäusen

Vom 1. April bis 4. Oktober werden Ultraschalldetektoren, welche die Rufe von Fledermäusen aufzeichnen, ausgebracht und in einer Höhe von mindestens drei Metern an Bäumen, Gehölzen, Pfosten und Stangen befestigt. Zum Ende der Untersuchungen werden die Geräte wieder entfernt und die Daten digital ausgewertet. Parallel dazu werden vom 1. Mai bis 31. August Fledermäuse nachts mit Netzen gefangen und besendert. Anhand der Sendersignale werden die Quartiere ausfindig gemacht, dokumentiert und fotografiert.

Ein Netzfangstandort im Wald besteht aus mindestens 90 Metern Gesamtnetzlänge, zusammengesetzt aus sechs bis acht Netzen unterschiedlicher Länge. Bäume, in welchen sich Quartiere befinden, werden hierbei mit Bändern markiert. An gefundenen Quartieren findet zusätzlich eine Ausflugzählung statt. Die Rufe der Fledermäuse werden zu diesem Zweck mit mobilen Ultraschalldetektoren aufgezeichnet.

Ausbringung von Lockstöcken

Fast beendet ist die Ausbringung von Lockstöcken, um Luchse und Wildkatzen zu kartieren, die seit dem 27. Januar bis 30. April läuft. Die kleinen Pfosten werden an ruhigen Stellen aufgestellt. Beim Reiben hinterlassene Haare werden genetisch untersucht. Die Stöcke werden sechs Mal im Abstand von einer Woche kontrolliert.

Suche von Baumhöhlen und Horsten

Seit Anfang Januar bis Ende 2020 werden Bäume und Totholz mit farbigen Bändern markiert, in welchen Quartiere von Fledermäusen, Käfern und Vögeln gefunden wurden. Später finden Brutbaumuntersuchungen für Totholzkäfer, Ausflugzählungen an Fledermausquartieren und Ähnliches statt.

Wasserfallen für Amphibien

Sieht aus wie normale Wellpappe: Um Reptilien und Amphibien zählen zu können, bieten die Kartierer ihnen diese Verstecke, wie hier bei Neu-Eichenberg.

Vom 1. Februar bis 6. September werden in Gewässern in der Regel nachts Reusen ausgelegt, um Amphibien zu fangen. Die Tiere werden am nächsten Tag bestimmt, gezählt und wieder freigelassen. Die Untersuchungen finden im angegebenen Zeitraum mehrfach statt.

Verstecke für Reptilien und Amphibien

Vom 1. Februar bis 4. Oktober werden Bretter oder spezielle Pappen auf dem Boden, beispielsweise an Feldrändern ausgelegt. Diese Verstecke werden regelmäßig kontrolliert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.