Am Samstag, 30. Oktober

Heute kann man in die Vergangenheit der Eschweger Synagoge eintauchen

Haben die VR-Brillen vor Ort getestet: (von links) Klaus-Peter Hugo (Neuapostolische Kirche), Ludger Arnold (Freunde jüdischen Lebens), Heinz Walter (Neuapostolische Kirche) und Dr. Martin Arnold (Freunde jüdischen Lebens).
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Haben die VR-Brillen vor Ort getestet: (von links) Klaus-Peter Hugo (Neuapostolische Kirche), Ludger Arnold (Freunde jüdischen Lebens), Heinz Walter (Neuapostolische Kirche) und Dr. Martin Arnold (Freunde jüdischen Lebens).

VR-Brillen erlauben einen Blick in die Vergangenheit - so, wie die Eschweger Synagoge vor ihrer Zerstörung 1938 ausgesehen haben muss. Am heutigen Samstag kann man sie ausprobieren.

Eschwege – Mit einer Handbewegung befindet man sich in einer anderen Welt. Sobald man eine der VR-Brillen aufgesetzt hat, verschwindet die Realität drumherum. Plötzlich befindet man sich in einer prächtigen Synagoge aus dem 19. Jahrhundert. Die Bima, auf der die Tora verlesen wird, scheint zum Greifen nahe. Auf die Bänke unter einem scheint man sich draufsetzen zu können.

Und der Blick auf die Empore offenbart einem große Weite und räumliches Vorstellungsvermögen. Am heutigen Samstag kann man vor Ort virtuell in die Eschweger Synagoge von früher eintauchen.

Möglich macht das der Verein der Freunde und Freundinnen jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis. Sie haben ihre wertvollen VR-Brillen der Neuapostolischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Die feiern ihr 100-jähriges Bestehen heute von 11 bis 16 Uhr mit einem Tag der offenen Tür in der ehemaligen Synagoge. Die VR-Brillen erlauben einen plastischen Blick in die Vergangenheit - so, wie die Eschweger Synagoge vor ihrer Zerstörung 1938 ausgesehen haben muss.

In der Pogromnacht am 9. November 1938 haben die Nazis die Tür aufgebrochen und das Innere des Gotteshauses verwüstet. „Niedergebrannt wurde sie nur nicht wegen der engen Bebauung auf dem Schulberg“, hat Heinz Walter von der Neuapostolischen Kirche Eschwege in seinen Recherchen herausgefunden. Der Verein der Freunde und Freundinnen jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis weiß noch, wie die Synagoge vor der Zerstörung ausgesehen hat. Anhand von Fotos haben Computerspezialisten das Innere rekonstruiert. „Wir haben mit der virtuellen Rekonstruktion die Destruktion der Nazis wieder rückgängig gemacht“, kann sich Vorsitzender Dr. Martin Arnold ein süffisantes Schmunzeln nicht verkneifen. 15 000 Euro hat das Projekt gekostet. Das Teuerste war die Programmierung. Unterstützt wurden sie dabei vom Verein für Regionalentwicklung, dem Lions Club Eschwege, der Stadtstiftung und dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Bislang wurden die drei Brillen, die ausschließlich das Innere der Eschweger Synagoge zeigen, nur in dem außerschulischen Lern- und Gedenkort in der ehemaligen Synagoge in Abterode eingesetzt. „Der Aufbau der Eschweger Synagoge steht aber exemplarisch für jede Synagoge in Hessen“, sagt Ludger Arnold aus dem Vorstand des Vereins. Geplant wird, auch das Innere der Synagogen von Abterode und Herleshausen virtuell darzustellen.

Klaus Peter Hugo und Heinz Walter übergaben den Freunden jüdischen Lebens eine Spende über 200 Euro. Neben dem Tag der offenen Tür (übrigens auch mit klassischen Führungen durch die Synagoge) wird heute um 13 Uhr noch ein Infomobil erwartet. Es wird ein Bibel-Labyrinth, eine Hör-Ecke, einen Wunschbaum und Orgelbeiträge geben. (Tobias Stück)

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