„Entscheidung ist völlig inakzeptabel und nicht nachvollziehbar“

Südlink soll durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen - Tennet gibt Vorzugstrasse bekannt

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Südlink: Tennet hat eine Entscheidung über die Vorzugs-Trasse getroffen, die sie der Bundesnetzagentur empfehlen will.

Die Stromtrasse Südlink soll durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen. Der Netzbetreiber Tennet als Vorhabenträger will der Bundesnetzagentur diese Vorzugstrasse empfehlen.

Aktualisiert um 14.55 Uhr. Das geht aus einer Pressemitteilung des Kreises hervor. Im Abschnitt C bedeutet dies, dass der durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufende Korridor von Witzenhausen über Bad Sooden-Allendorf, Meißner, Wehretal, Ringgau und Herleshausen in Richtung Eisenach verläuft. „Diese Entscheidung der Tennet ist allein schon aus naturschutzfachlicher Sicht völlig inakzeptabel und nicht nachvollziehbar“, kritisieren Landrat Stefan Reuß. 

Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann ergänzt: „Es bleiben erhebliche Zweifel an der fachlichen Beurteilung der Tennet. Wir setzen dabei auch auf die Unterstützung der Hessischen Landesregierung und Minister Al-Wazir, die angekündigt haben, eine an politischen Gesichtspunkten orientierte Entscheidung ebenfalls nicht zu akzeptieren.“

Die Bekanntgabe der Vorzugstrasse durch den Werra-Meißner-Kreis sei noch nicht abschließend festgelegt. Die Entscheidung durch die Bundesnetzagentur falle erst am Ende des nun folgenden umfangreichen Beteiligungsverfahrens, voraussichtlich Anfang 2020, betonen Landrat und Erster Kreisbeigeordneter.

Stromtrasse Südlink: Verlauf

Die beiden Trassen-Varianten: Meißner wäre in jedem Fall betroffen.

Die Kreisspitze ruft die Kommunen und die Bevölkerung auf, sich weiterhin engagiert zu beteiligen: „Dazu gibt es im öffentlichen Beteiligungsverfahren der Bundesnetzagentur für alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit.“ Dieses findet voraussichtlich im April und Mai 2019 statt. 

Zwar wurden bereits sehr gewichtige Argumente als so genannte „Raumwiderstände“ gegen eine Verlegung von Südlink durch den Werra-Meißner-Kreis in den Planungsprozess eingebracht. „Dennoch sind die Kommunen und die Bevölkerung aufgerufen, diese erneut und insbesondere auch weitere, möglicherweise noch nicht bekannte Streckenhindernisse zu benennen“, betonen Landrat und Erster Kreisbeigeordneter.

Zusammen mit den von den Südlink-Planungen betroffenen Kommunen im Werra-Meißner-Kreis bietet die Kreisverwaltung Bürgerinformationsveranstaltungen an. Dazu eingeladen werden jeweils auch Vertreter der TenneT, der Bundesnetzagentur, des ‎Regierungspräsidiums Kassel und auch der Bürgerinitiative Südlink. In den betroffenen Kommunen hat sich bereits Widerstand gegen die Südlink-Pläne formiert. 

„Dieser Korridor ist das Ergebnis umfangreicher Detailuntersuchungen“, teilt Alexander Schilling, Pressesprecher der TransnetBW, mit. Durch die detaillierte Betrachtung der möglichen Korridorvarianten sei nun ein konkreter Erdkabelkorridor ermittelt worden, der Mensch und Natur so gering wie möglich belaste, ergänzt Manon van Beek, Vorstandsvorsitzende von Tennet. 

„Der Netzausbau braucht die Unterstützung der Politik auf allen Ebenen und gesellschaftliche Akzeptanz. Beides ist der Schlüssel, um Südlink und die gesamte Netzinfrastruktur zu einem Energiewendenetz umzuwandeln.“ Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von TransnetBW, sagte: „Transparenz ist eines unserer wichtigsten Anliegen. Das werden wir in den nächsten Wochen bei Dialogveranstaltungen umsetzen und der Öffentlichkeit Einblick in die gesetzlich festgelegte Methode und deren Kriterien bieten, die dem präsentierten Vorschlag zugrunde liegen.“ 

Tennet hat Südlink-Varianten untersucht und bewertet

2017 hatten Tennet und TransnetBW ein Netz möglicher Abschnitte identifiziert, die für eine detaillierte Untersuchung geeignet waren. Die Bundesnetzagentur hatte auf dieser Basis die zu untersuchenden Erdkabelkorridore und die dafür notwendigen Gutachten festgelegt. Danach hatten Tennet und TransnetBW diese Varianten – insgesamt rund 2000 Kilometer – anhand von 150 Kriterien untersucht und bewertet.

Südlink-Trasse: Karten im Internet einsehbar

Um Bürgern, Gemeinden und anderen Interessierten vorab die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, veröffentlichen Tennet und TransnetBW die Übersichtskarten zum Vorschlagskorridor und zum Korridornetz auf den Projektwebseiten www.suedlink.tennet.eu sowie www.transnetbw.de/suedlink bereits vor Einreichung der Unterlagen bei der Bundesnetzagentur.Die Bundesnetzagentur wird die Unterlagen nach der Prüfung der Vollständigkeit öffentlich auslegen. Dann wird auch die formelle Beteiligung durch die Behörde starten.

Südlink: Stellungnahmen aus dem Werra-Meißner-Kreis

Der Trassenvorschlag durch den Werra-Meißner-Kreis sei inakzeptabel – das sagen die Mitglieder des Landtags Karina Fissmann und Knut John sowie der Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD). Ausschlaggebend für den Vorschlag waren laut Aussage von Tennet die hohe Zahl an besonders schützenswerten Wasserschutzgebieten in Thüringen. „Allerdings waren auch aus dem -Kreis eine Vielzahl von Eingaben von Kreis und Kommunen zu Natur- und Wasserschutzgebieten beim Netzbetreiber eingereicht worden“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. 

Michael Roth zeigt sich enttäuscht über den Trassenvorschlag. Klar sei aber auch: „Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Auch der nun beginnende Verfahrensabschnitt bietet weiterhin Möglichkeiten der Beteiligung für die Bürger sowie Kommunen. Jetzt gilt es erst recht, mitzureden und sich bei der Bundesnetzagentur einzubringen!“ 

Bereits bei der Bürgerversammlung in Reichensachsen machte die Landtagsabgeordnete Karina Fissmann deutlich, dass die Trasse aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht durch das Werratal führen dürfe. „Dass es jetzt wider Erwarten eine durch den Kreis verlaufende Variante vorgeschlagen wurde, ist nicht akzeptabel. Die Bundesnetzagentur ist auch nicht an den Tennet-Vorschlag gebunden, sondern kann im begründeten Fall noch Änderungen vornehmen. Darauf setzen wir!“ 

Der SPD-Landtagsabgeordnete Knut John befürchtet eine Belastung der Landwirtschaft: „Eine mögliche Trasse ist nicht nur ein gravierender Eingriff in unsere Natur, sondern ist auch eine massive Belastung heimischer Landwirte. Enttäuscht bin ich von der schwarz-grünen Landesregierung, die in den vergangen Jahren ein Eintreten für hessische Interessen nicht für nötig hielt.“

Sichtlich enttäuscht zeigt sich die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt nach der Vorstellung der Antragsunterlagen für die Südlink-Trasse. „Der Werra-Meißner-Kreis soll nun die Lasten der Energiewende tragen – das werden wir nicht einfach hinnehmen“, präsentierte sich Arnoldt kämpferisch. „Vor Ort und von Seiten des Landes werden die Bemühungen um den Naturschutz immer weiter verstärkt, die gesetzlichen Anforderungen immer höher geschraubt. Jeder potentielle Eingriff muss daher genau geprüft werden und mit Eingriffen auf alternativen Routen genauestens verglichen werden.“ 

Besonders wichtig sind für die Landtagsabgeordnete allerdings die Menschen, die neben der Stromleitung leben. Hier gilt es nach Arnoldt, die Gesundheitsrisiken eingehend zu untersuchen und bei den Planungen einen größtmöglichen Abstand zur Wohnbebauung herzustellen.

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