Eschweger Punkrock-Band

The Bates bleiben unvergessen - Fast 20 Jahre nach Auflösung erscheint neues Album

Wollten sich nicht verbiegen: Michael (Reb) Rebbig (von links), Thomas (Pogo) Möller, Frank (Klube) Klubescheid und Markus (Zimbl) Zimmer hier bei einem Fototermin aus dem Jahr 1998 in München.
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Wollten sich nicht verbiegen: Michael (Reb) Rebbig (von links), Thomas (Pogo) Möller, Frank (Klube) Klubescheid und Markus (Zimbl) Zimmer hier bei einem Fototermin aus dem Jahr 1998 in München.

Fast 20 Jahre nach der Auflösung der Eschweger Punkrock-Band „The Bates“ erscheint ein neues Album. Es beinhaltet Songs von Konzerten – auch aus der Weinberghalle in Frieda. 

Eschwege - „Der Punkrock ist tot – es lebe der Punkrock!“ war wohl das Motto der Bates, als sie Mitte der 1980er-Jahre beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Sie sollten Recht behalten und haben sich damals rasch von kleinen Auftritten aus der nordhessischen Provinz im Zonenrandgebiet, wozu Eschwege damals offiziell gehörte, in die großen Hallen gespielt.

Die Geschichte von The Bates (nach Norman Bates aus Hitchcocks „Psycho“) begann 1987 in Eschwege. Mit dabei der charismatisch wilde Zimbl (Markus Zimmer) als Frontmann und am Bass, Klube (Frank Klubescheid) bildet das Fundament am Schlagzeug, Armin Beck übernimmt den Gitarrenpart, bis er 1991 von Reb (Michael Rebbig) abgelöst wird sowie Pogo (Thomas Möller) ebenfalls an der Gitarre.

Kometenhafter Aufstieg mit über eine Million verkaufter Platten

Ein kometenhafter Aufstieg mit über eine Million verkaufter Tonträgern, ausverkauften Hallen in Europa und Japan, Fan-Postern in der „Bravo“ und natürlich jede Menge Skandale. Der Absturz war mindestens ebenso steil und schmerzhaft. Die Alkohol- und Drogen-Exzesse von Frontmann Zimbl zwangen die Band 2001 dazu, eine Auszeit zu nehmen, von der sie nie wieder zurückkehren sollten. 2006 wurde Zimbl mit nur 41 Jahren tot in seiner Kasseler Wohnung aufgefunden.

Was aber machte The Bates aus? Dazu liefert ein nun neu veröffentlichtes Album eine Antwort. Das Label Glitterhouse Records aus Beverungen ist auf das Album „Unfucked – Live“ aus dem Jahr 1993 gestoßen. Das Original als letztes beim Label Snoop erschienenes Werk, bevor die Band zum Label Virgin wechselte, sei lieblos produziert und nie wieder neu erschienen, sagt Lutz Mastmeyer, Kulturmanager des Musikverlags Glitterhouse, der das Album nun aufpoliert hat und neu veröffentlicht.

Außergewöhnlicher Sog der Songs erneut zu hören

Nicht nur, dass der Name von Zimbl im Artwork falsch geschrieben sei, insgesamt merke man dem Album an, dass es nur zur Vertragserfüllung dagewesen sei. Dennoch, das, was zu hören ist, hatte nicht diese lieblose Aufmachung verdient.

Den insgesamt 19 Songs von zwei Konzerten aus dem Outpost in Göttingen und der Weinberghalle in Frieda ist der außergewöhnliche Sog anzuhören, den die vier Jungs mit schnellen Tempi, übersteuerten Gitarrenverstärkern und Zimbls unnachahmlicher Stimme im feinsten Punkrock-Stil live entwickelten.

Zwei Kisten Bier im Backstage-Bereich

Natürlich darf auch hier nicht mindestens eine ihrer legendären Cover-Nummern fehlen, die sie mit dem Lesley Gore Stück „It’s My Party“ liefern. Als Intro ist die Ansage auf einem Anrufbeantworter zu hören. Darauf schildert eine Frauenstimme den Ablauf eines Konzerts: Es sei in Ordnung gewesen, dass die Band zwei Kisten Bier mit in den Backstage-Bereich genommen habe; auch sei noch in Ordnung gewesen, dass die Jungs das Bier in Milchflaschen gefüllt und mit auf die Bühne genommen haben.

Was aber gar nicht in Ordnung gewesen sei, sei die Tatsache, dass die Musiker permanent darauf rumgeritten seien, dass sie schäumenden Apfelsaft in den Flaschen und diesen „Apfelsaft“ an das Publikum weitergegeben hätten. Diese Episode vermittelt eine unglaublich genaue Schilderung des Konzertes. Denn die Veranstalterin betont ebenso, wie toll das Konzert trotz allem gewesen sei – The Bates eben. (Kirsten Ammermüller)

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