Einsatz im Krisengebiet

THW Eschwege: Mitglieder berichten über den Einsatz in Rheinland-Pfalz

Besprechen, wie es weitergeht: Die THW-Mitglieder vom Ortsverband Eschwege, die auch regelmäßig auf Corona getestet werden, (von links) Marvin Simon, Tom Götting, Timo Sippel, Philipp Alferow und Sascha Hüther.
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Besprechen, wie es weitergeht: Die THW-Mitglieder vom Ortsverband Eschwege, die auch regelmäßig auf Corona getestet werden, (von links) Marvin Simon, Tom Götting, Timo Sippel, Philipp Alferow und Sascha Hüther.

Sie haben mit eigenen Augen gesehen, was nach der Flutkatastrophe vom Leben der Menschen in Rheinland-Pfalz übrig blieb.

Werra-Meißner – „Das Wasser kam und siegte.“ Sascha Hüther sitzt auf einer Bierbank in der leer gefegten Garage des Technischen Hilfswerks Eschwege. Neben ihm: Philipp Alferow, Timo Sippel, Tom Götting und Marvin Simon. Dort, wo sonst die riesigen Lkw des THW stehen, legen die fünf eine Verschnaufpause ein. Sie alle waren in Rheinland-Pfalz und sahen, was nach der Flutkatastrophe vom Leben der Menschen übrig blieb.

Viel war das nicht, wie die Ehrenamtlichen berichten. Die Schränke, Regale und Kühlschränke aus den Häusern der Menschen verstopften mit Hauswänden und entwurzelten Bäumen die Straßen. Auf gut 60 Kilometern – ähnlich der Strecke von Eschwege nach Kassel, so erklären es die Helfer – wurden Häuser, Gärten und Ortschaften von der Kraft des Wassers zerstört.

Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man auf der Karte sieht, dass Straßen und Brücken wieder befahrbar sind.

Tom Götting, THW Eschwege

Sie alle lagen in jener Senke, die binnen kürzester Zeit zum reißenden Fluss anschwoll. „Wir haben das ganze Elend gesehen“, sagt der 49-jährige Hüther. Er und Alferow (35) haben in den vergangenen Wochen mit den Mitgliedern der Bundeswehr und anderer THW Ortverbände Straßen und Brücken wieder passierbar gemacht. Der Schutt landete auf kurzfristig geschaffenen Notdeponien. Ganze Existenzen karrten sie mit den Schaufeln der Bagger zusammen.

Die beiden gehören zur Fachgruppe Räumen, wie es offiziell beim Technischen Hilfswerk heißt. Damit waren sie „ganz vorne dabei“ und hatten viel Kontakt zu den Betroffenen. Alferow war „draußen“ für die Einteilung der Freiwilligen zuständig und auch für deren Wohlbefinden.

Zwar sind sie alle für Notsituationen ausgebildet, doch jeder geht anders damit um. Zum Teil sehe man es den Leuten an, wenn sie das Bedürfnis hätten, über das Gesehene und Erlebte zu sprechen, so der 35-Jährige. „Dann habe ich mir diejenigen auch zu Seite genommen.“

Das Kerngeschäft des Ortsverbandes in der Krisenregion ist aber die „Fachgruppe Führung/Kommunikation“, erklärt Timo Sippel, Sprecher und stellvertretender Ortsbeauftragter für Eschwege.

In den Containern der Führungsstelle saßen Marvin Simon (24) und Tom Götting (22). Bei Simon trafen zum Beispiel alle Nachrichten und Anfragen ein.

„Wenn Sprit, Verpflegung oder ein neuer Kipper benötigt wurde, landete das bei mir“, erklärt der 24-jährige Student. Das Eigengewächs des THW Eschwege leitete Anfragen an das Führungsteam weiter und die Entscheidung, wann zum Beispiel die Verpflegung eintrifft, an die Leute vor Ort zurück. Götting wiederum war für die Dokumentation der Einsätze zuständig.

Dazu gehörten auch die Fortschritte. „Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man auf der Karte sieht, dass Straßen und Brücken wieder befahrbar sind“, sagt der 22-Jährige. Er gehört zu jenen, die seit Beginn im Einsatz sind.

Trotz des Elends gibt es auch schöne Momente, berichten die Freiwilligen. Dazu gehört das Ehepaar, das täglich die Helfer aus Dankbarkeit mit Kaffee und Kuchen versorgt, aber auch der spontane Grillabend auf dem Supermarktparkplatz.

Die Verbindung nach Hause ist indes Sippel. Er steht nicht nur mit den Arbeitgebern seiner Kameraden in Kontakt, sondern auch mit den Familien. „Ich liefere Kleidung und manchmal auch rote Wurst“, erzählt er. Auch um die Einsatzfahrzeuge kümmert er sich und bringt sie wenn nötig in die Werkstatt.

Für die anderen vier ist dies nicht die erste Verschnaufpause. Sie alle hatten in den vergangenen Wochen wenige Stunden oder Tage zu Hause. Manchmal waren es nur 36 Stunden, manchmal drei, vier Tage. Dann freuen sie sich, Zeit mit ihren Liebsten verbringen zu können.

THW Eschwege lädt zu einem Infoabend ein

Der Ortsverband des Technischen Hilfswerkes Eschwege plant Dienstag, 17. August, eine Informationsveranstaltung. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Bebraer Straße 2 in Eschwege, teilt Timo Sippel, stellvertretender Ortsbeauftragter für Eschwege, mit.

Ziel dieser Veranstaltung soll sein, den Aufbau und die Organisationsstrukturen des Technischen Hilfswerkes zu erläutern. Außerdem bekommen Interessierte die Möglichkeit, die Fahrzeuge und die Unterkunft zu besichtigen. An dem Abend wird außerdem das Angebot an Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten im Technischen Hilfswerk und speziell im Ortsverband Eschwege vorgestellt. Mit diesem Infoabend reagiere der Ortsverband auch auf das Interesse der Menschen in Eschwege und dem Umland. „Durch den derzeitigen Hochwassereinsatz in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben uns viele Anfragen erreicht“, berichtet Sippel. mai

Hinweis:

Aufgrund der Coronapandemie ist eine Anmeldung erforderlich, unter der E-Mail-Adresse: ov-eschwege@thw.de.

Aber auch Wäsche waschen, steht auf dem Programm. Student Marvin Simon legte zum Beispiel für eine Klausur eine Pause ein. Der nächste Einsatz? Bereits in Planung. Tom Götting etwa ist am Montagmorgen schon wieder runtergefahren.

Von Hanna Maiterth

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