Tiefer Griff in Brieftasche

Ringgau: Steuern auf Höchststand und viele offene Baustellen

Kinder turnen in einer Halle.
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Vorzeigeprojekt für ländliche Infrastruktur: Das Bildungshaus in Röhrda beherbergt neben der Grundschule auch einen viergruppigen Kindergarten. Das Bild entstand bei einem Projekttag „Zirkus“ in der Schule. (Archivbild)

Vor der Kommunalwahl am 14. März porträtieren wir alle elf Kommunen unseres Verbreitungsgebiets und den Werra-Meißner-Kreis. Heute: die Gemeinde Ringgau.

Ringgau – Mehr als in allen anderen Großgemeinden bildet in Ringgau jeder Ortsteil sein eigenes Völkchen- jedes pflegt seine Eigenheiten mit Nachdruck.

Von Identität über Stärken bis zu den Schwächen, ländlicher geprägt als in Ringgau kann eine Gemeinde kaum sein. Drei der sieben Ortsteile haben unter 150 Einwohner – der größte gerade knapp über 800. Mit dem wilden Hochplateau des Ringgaus, den Ausläufern Richtung Thüringer Wald und den im Tal eingebetteten Dörfern ist das Gemeindegebiet nicht nur landschaftlich reizvoll und für den Wandertourismus attraktiv, auch sind die Menschen mit ihrer Heimat tief verwurzelt und verbunden.

Doch die vermeintliche Beschaulichkeit in der Gemeinde Ringgau wurde spätestens mit dem Bürgermeisterwechsel vor zwei Jahren auf den Boden brutaler Tatsachen gerissen. Ein immenser Schuldenberg infolge jahrelangen Missmanagements haben Auswirkungen direkt in die Brieftasche der Bürger. Um überhaupt noch ihren Verpflichtungen nachkommen zu können, musste die Kommune die Grundsteuern von heute auf morgen praktisch verdoppeln. Sie liegen aktuell für Grundsteuer A und B bei 950 Punkten und gehören damit zu den höchsten nicht nur im Kreis, sondern bundesweit.

Defizite in Eigenbetrieb

Ähnlich hart traf es die Bürger zu Beginn des Jahres auch mit der Anhebung der Wasser- und Abwassergebühren, die seit 2007 nicht mehr nachkalkuliert worden waren und enorme Defizite in dem inzwischen aufgelösten Eigenbetrieb erzeugt haben.

Mit dem Bildungshaus mit Kita und Grundschule im Ortsteil Röhrda – eigentlich ein Vorzeigeobjekt für ländliche Infrastruktur – stieg der Schuldenberg noch mal. Denn der Eigenanteil der Gemeinde ist hoch. Die in den 2000er-Jahren durch die Hessische Landgesellschaft (HLG) erschlossenen Baugebiete in Netra und Röhrda mussten abgelöst werden, erst in den vergangenen beiden Jahren kam aber die Vermarktung in Schwung. Inzwischen sind beide Gebiete beinahe komplett verkauft.

Einnahmen kann die Gemeinde nur über Einkommenssteuern und Zuweisungen im größeren Umfang generieren. Gewerbegebiete sollten entwickelt werden, bisher ist daraus nichts geworden.

Feierabendmärkte und Bildungshaus

Zugleich verfügt Ringgau neben Vorzeigeprojekten wie dem Röhrdaer Bildungshaus noch über weitere Merkmale, die sowohl Familien als auch der älteren Generation eine gute Basis geben. In Datterode und Netra gibt es die Nahkauf-Märkte, die Gemeinde betreibt gemeinsam mit Weißenborn einen Bürgerbus. Die Feierabendmärkte, die im vorigen Jahr mit Sontra und Wehretal ins Leben gerufen wurden, erfreuen sich großer Beliebtheit.

Und auch in Sachen Digitalisierung wurden in Ringgau große Schritte gemacht. Die Netcom Kassel hat alle Ortsteile (bis auf Netra, dort ist die Telekom) an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen, eine jetzt begonnene Zielnetzplanung durch die Gemeinde soll die schnellen Leitungen bis in jeden Haushalt bringen. Beim Mobilfunk hat sich ebenfalls viel getan. Der Funkmast in Datterode geht im April auf Sendung, in Netra baut die Telekom gerade einen Mast, für Röhrda ist einer in Planung und für Lüderbach verhandelt die Gemeinde aktuell mit Vodafone. Stefanie Salzmann

Juliane Wieditz ILR, Listenplatz 1

Juliane Wieditz ILR

„Auf der Agenda der ILR stehen die regelmäßige Nachkalkulation von Wasser- und Abwassergebühren, die Forderung nach Bauplätzen in jedem Ortsteil, die Sicherstellung der Infrastruktur wie medizinische Versorgung, Lebensmittel sowie Familienfreundlichkeit.“

Dr. Stephan Cortis ÜWG, Listenplatz 1

Dr. Stephan Cortis, ÜWG

„Das primäre Ziel ist die seriöse Konsolidierung unserer Finanzen, obwohl das mit Sicherheit die Bevölkerung schmerzhaft treffen wird. Aber die Gemeinde will eines Tages ja Steuern und Gebühren auch wieder senken können. Doch das wird voraussichtlich einige Jahre dauern.“

Manfred Ebeling CDU, Listenplatz 1

Manfred Ebeling, CDU

„Ringgau muss lebenswert bleiben. Junge Familien müssen gefördert werden durch Kitaplätze und mit Digitalisierung. Für mehr Effizienz sollte die interkommunale Zusammenarbeit intensiviert werden, über eine Fusion mit anderen Gemeinden nachgedacht werden.“

Dirk Wieditz SPD, Listenplatz 1

Dirk Wieditz, SPD

„Die Schwerpunkte der künftigen Arbeit für die Gemeinde Ringgau sollen auf der Schaffung neuer Arbeitsplätze liegen, der Werra-Meißner-Kreis weiter lebenswert bleiben und Familien und deren Ansprüche in der Region gefördert werden.“

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