Zweiter Weltkrieg

1945 den Todesmarsch überlebt: Das Schicksal einer Datteröderin in Buch veröffentlicht

Margot Löbensteins Kennkarte: Die Datteröderin überlebte 1945 den Todesmarsch von Hamburg nach Kiel ins Arbeitserziehungslager. Ihr Schicksal hat der Datteröder Autor Thomas Beck in einem Buch festgehalten.
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Margot Löbensteins Kennkarte: Die Datteröderin überlebte 1945 den Todesmarsch von Hamburg nach Kiel ins Arbeitserziehungslager. Ihr Schicksal hat der Datteröder Autor Thomas Beck in einem Buch festgehalten.

Das Schicksal der Datteröderin Margot Löbenstein, die 1945 einen Todesmarsch überlebte, hat der Datteröder Autor Thomas Beck zu einem Sammelband beigetragen.

Datterode – Margot Löbenstein aus Datterode überlebte etwas, was nur wenigen vergönnt war: den Todesmarsch, der 1945 vom Gestapo-Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel nach Kiel ins Arbeitserziehungslager Nordmark führte. Ihr Schicksal hat der Datteröder Autor Thomas Beck mit einem Aufsatz zu einem Sammelband einer Biografiengruppe beigetragen. Nun ist das Buch auf Englisch übersetzt worden, um es dem angloamerikanischen Markt zugänglich zu machen und damit vielen Überlebenden des Zweiten Weltkriegs in aller Welt.

Margot Löbenstein wurde 1923 in Datterode als jüngere Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Sie besuchte die Schule in Datterode und die jüdische Schule in Eschwege, wohin ihre Familie einige Jahre später umzog. Von da an bis 1945 erlebte die junge Frau alle Stationen der Ausgrenzung, der Verfolgung und des Grauens, denen jüdische Menschen unter den Verbrechen des Nationalsozialismus ausgesetzt waren. Anders als viele andere konnte sie über ihre Erlebnisse allerdings berichten, denn sie überlebte.

Margot Löbenstein aus Datterode.

Im Februar 1945, nachdem Margot Löbensteins Eltern und Schwester, getrennt von ihr, in Konzentrations- und Arbeitslagern ermordet worden waren, wurde die junge Frau von Riga aus in das Gestapo-Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel verlegt. Von dort aus wurden die Inhaftierten im April 1945 auf den Todesmarsch nach Kiel ins Arbeitserziehungslager Nordmark getrieben. Ohne Ausrüstung und ausreichende Versorgung wurden die entkräfteten Menschen mit Gewalt durch die Aufseher gezwungen, die Strecke zu Fuß zurückzulegen. Wer zurückblieb, wurde erschossen.

Doch Margot Löbenstein kam an, in Kiel und im Mai 1945 auch in Sicherheit: In einem Auffanglager für Flüchtlinge in Malmö in Schweden. Dorthin gelangte sie offenbar mit einem Transport des Schwedischen Roten Kreuzes, der im Mai 1945 Gefangene aus dem Lager Nordmark evakuierte.

Nach dem Krieg wanderte Margot Löbenstein aus Schweden in die USA aus und lebte anschließend mit ihrer Familie in Uruguay und Argentinien. Sie starb 2015 mit 92 Jahren. Die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend hatte sie in einem Tondokument an ihre Familie mit dem Titel „Our Odyssey“ festgehalten, die sie auch Thomas Beck zur Verfügung stellte. „Ich konnte die Erzählung nicht in einem ‚Rutsch’ anhören“, sagte der Autor. „Es hat mich an manchen Stellen emotional sehr angefasst.“ 2019 hatte er auch persönlichen Kontakt mit den Enkeln von Margot Löbenstein, als diese den Geburtsort ihrer Großmutter in Datterode besuchten.

Der Autos Thomas Beck aus Datterode.

Die Biografiengruppe hat in dem Buch auch festgehalten, warum die Todesmärsche 1944/45 aus Konzentrationslagern, Gefangenenlagern und Gefängnissen überhaupt stattgefunden haben. Obwohl sie gut ein Drittel der Gezwungenen das Leben kosteten, war es nicht ihr Zweck möglichst viele Häftlinge zu ermorden. Es sollten die Gefangenen vielmehr dem Zugriff der Armeen der Alliierten entzogen werden, damit ihre Arbeitskraft weiterhin ausgebeutet werden konnte. Nach dem Krieg wurden nur wenige Verfahren gegen die Täter eröffnet. (Von Kristin Weber)

Buch erschien zum Jahrestag des Todesmarschs

Das Buch „Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden“ erschien 2020 zum 75. Jahrestag des Todesmarsches, der 1945 vom Gestapo-Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel nach Kiel ins Arbeitserziehungslager Nordmark führte. Im Buch hat eine Biografiengruppe neun Schicksale von Menschen zusammengetragen, die auf diesen Marsch gezwungen wurden. Margot Löbenstein aus Datterode war eine der Gefangenen. Und sie hat ihn überlebt. Das Buch: Dietlind Kautzky/Thomas Käpernick (Hrsg.), „Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden“. VSA-Verlag Hamburg 2020. ISBN: 987-3-96488-064-2

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