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Tödliche Gefahr für Kinder: Eltern schenken Handy im Freibad zu viel Aufmerksamkeit

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Von: Konstantin Mennecke

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Sorgen für Sicherheit am Beckenrand: Die Schwimmmeister Hans-Jörg Müller (links) und Thomas Werner im Freibad Bad Sooden-Allendorf.
Sorgen für Sicherheit am Beckenrand: Die Schwimmmeister Hans-Jörg Müller (links) und Thomas Werner im Freibad Bad Sooden-Allendorf. © Foto: Konstantin Mennecke

Werra-Meißner – Wenn sich die Schwimmmeister im Werra-Meißner-Kreis untereinander austauschen, dann freuen sie sich alle über einen starken Besucher-Zuspruch aufgrund des im Vergleich zum Vorjahr guten Sommerwetters. Allerdings vereint sie auch eine gemeinsame Sorge: Die Art und Weise, wie viele Eltern mit ihrer Aufsichtspflicht für die Kinder umgehen.

Mindestens drei Fälle sind aus dieser Badesaison im Werra-Meißner-Kreis bekannt, bei denen Kinder fast ertrunken wären. Erst in der Vorwoche war ein Junge im Freibad Bad Sooden-Allendorf seiner Mutter unbemerkt aus dem Nicht-Schwimmerbecken in das Schwimmerbecken gefolgt und untergegangen. Die Schwimmmeister konnten den Jungen aus dem Wasser retten, reanimieren und an die Rettungskräfte übergeben – er hat überlebt und trägt offenbar keine Langzeitfolgen davon.

„Wir wollen für das Thema sensibilisieren, nicht anklagen“, betont Schwimmmeister Thomas Werner aus Bad Sooden-Allendorf. „Viele Eltern denken, dass wir ihnen die Aufsichtspflicht für ihre Kinder abnehmen. Das ist aber nicht so.“ Natürlich hätten die Schwimmmeister in den Freibädern im Werra-Meißner-Kreis die Becken jederzeit im Blick. „Wenn es richtig voll wird, können wir aber unmöglich jedes einzelne Kind im Auge haben“, betont die Witzenhäuser Schwimmmeisterin Sabrina Blum. Laut Blum habe die Problematik mit der Eltern-Aufsicht über die Kinder mit dem Beginn des Handyzeitalters zugenommen. Für diese bundesweit zu beobachtende Problematik wurden mittlerweile eigens Plakate entwickelt, die Eltern auf die Gefahr hinweisen.

Verstärkt werde die Gefahr des Ertrinkens laut den Schwimmmeistern durch die Tatsache, dass in den Jahren vor der Corona-Pandemie viele Schwimmbäder geschlossen wurden. Der dadurch ohnehin erhöhte Bedarf an Schwimmunterricht konnte in den Corona-Jahren nicht aufgeholt werden. „Wir haben viele Siebenjährige, die schlicht noch nicht schwimmen können“, betont Werner.

Grundsätzlich, betont die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, müssen Eltern immer in Griffweite zu ihren Kindern sein, um im Notfall eingreifen zu können. „Menschen ertrinken lautlos“, mahnt Blum. Wer diese Gefahr nicht ernst nimmt, bezahle das im schlimmsten Fall mit dem Leben des eigenen Kindes.

Bundesweites Problem

Das Problem ist nicht neu, hat sich aber weiter verschärft: Bereits 2018 betonte der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass Eltern im Schwimmbad mehr auf das Smartphone als auf ihre Kinder schauen. Dabei kann laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schon eine kurze Unachtsamkeit Leben kosten. Kinder ertrinken laut Mitteilung innerhalb von 30 bis 90 Sekunden – und das schnell und lautlos.

Von Konstantin Mennecke

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