Abstammung von Zuchthengst Dark Ronald

Totilas: Das teuerste Dressurpferd der Welt hat Wurzeln auf dem Gestüt Altefeld

Weltstar mit Wurzeln in Altefeld: Als erfolgreiches Duo (linkes Bild) galten das ehemalige Dressurpferd Totilas und der Holländer Edward Gal – hier bei der Siegerehrung zum Grand Prix Special beim „Weltfest des Pferdesports – CHIO Aachen 2010“.
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Weltstar mit Wurzeln in Altefeld: Als erfolgreiches Duo (linkes Bild) galten das ehemalige Dressurpferd Totilas und der Holländer Edward Gal – hier bei der Siegerehrung zum Grand Prix Special beim „Weltfest des Pferdesports – CHIO Aachen 2010“.

Totilas gilt als das teuerste Dressurpferd der Welt. Doch seine Wurzeln hat der Weltstar aus den Niederlanden im Werra-Meißner-Kreis.

Herleshausen – Totilas hat die Reiterwelt gefesselt und die Menschen auch darüber hinaus in seinen Bann gezogen. Der in der vergangenen Woche mit erst 20 Jahren an einer Kolik verstorbene Hengst hat Verbindungen in die Region. Genauer gesagt: zum Gestüt Altefeld in der Gemeinde Herleshausen, erzählt Gestütsbesitzer Manfred Graf. „Totilas geht in der Vaterlinie direkt auf Dark Ronald zurück.“

Gestützsbesitzer von Altefeld, Manfred Graf

Dark Ronald war ein irischer Vollblüter, der in England Rennen lief und nach Deutschland importiert wurde, wo er ab 1920 auf dem neu gestalteten Hauptgestüt Altefeld in der Pferdezucht als Beschäler eingesetzt wurde. „Er hat immer wieder Derbysieger geliefert“, erzählt Graf. Seit fast 40 Jahren ist er Besitzer des Gestüts und befasst sich seither eingehend mit dessen Geschichte, die direkt auf die preußische Pferdezucht zurückgeht und deren Tradition Graf weiterführt. Wie sich bei Grafs Ahnenforschung herausstellte, reihte sich auch der niederländische Hengst Totilas in die Linie Dark Ronalds ein. Das „Ausnahmepferd“ habe ihn in seinen Bann gezogen, sein Interesse geweckt und dazu veranlasst, seine Herkunft aufzudröseln.

Die Wurzeln von Totilas finden sich in der heutigen Gemeinde Herleshausen (rechts). Urahn des erfolgreichen Hengstes ist Dark Ronald – hier auf einem Gemälde des Malers Manfred Busemann vor dem Gestüt Altefeld.

In der Öffentlichkeit wurde und wird der schwarze Hengst als Wunderpferd bezeichnet, als Superstar unter den Dressurpferden und als Gold-Garant. Was den Niederländer so besonders machte? Die Statur, die Ausstrahlung, der Reiter und die Nachzucht, erklärt Graf. „Dressurpferde brauchen eine gewisse Statur.“ Sie dürften nicht zu klein oder zierlich sein. Totilas hatte den richtigen Körperbau. Er sei ein rahmiges Pferd gewesen, wie es auch heißt, und habe Kraft ausgestrahlt. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch das Pferd-Reiter-Duo: „Der Niederländer Edward Gal hat ihn so groß gemacht“, ist sich Graf sicher. Gal hatte Totilas von 2006 bis zu seinem Verkauf nach Deutschland 2010 geritten. „Es war das ideale Team. Die waren nicht zu stoppen“, so der Gutsbesitzer. Pferd und Reiter bekamen in den Bewertungen zum Teil über 90 Punkte und holten damit Weltrekorde. Drei Titel gab es allein bei der Weltmeisterschaft 2010 in den USA. Wie jeder Mensch seine eigene Handschrift habe, so habe auch jeder Reiter seinen eigenen Stil, sagt Manfred Graf. Gal habe ein Gefühl für den Hengst gehabt.

Nicht verwunderlich, dass der Niederländer nach dem Tod Totilas in den sozialen Medien seiner Trauer Ausdruck verlieh: „Mein Herz ist gebrochen. Zeit wird vergehen, die Wunden werden heilen. Aber meine Liebe zu dir wird für immer bleiben“, schrieb er in einem Post auf Facebook, und: „Der Himmel hat einen neuen Stern. Ich werde dich vermissen, bis wir uns wiedersehen.“ (Hanna Maiterth)

Decktaxe lag teilweise bei 8000 Euro pro Portion

Totilas, das Dressurpferd mit Wurzeln im Werra-Meißner-Kreis, wurde 2000 in den Niederlanden geboren und aufgezogen. Der Dressurreiter Edward Gal fing 2006 an, mit ihm zu arbeiten. Die großen öffentlichen Erfolge kommen ab 2009: niederländische Meisterschaften, Grand Prix und die Grand-Prix-Kür beim CHIO Rotterdam, Aufnahme in das niederländische Team und Teilnahme an der Europameisterschaft sowie die ersten Weltrekorde. So ging es weiter bis zum Verkauf des Pferdes im Herbst 2010.

Der bisherige Eigentümer Cees Visser (Moorlands Stables BV) verkaufte Totilas an den deutschen Paul Schockemöhle. Beim Besitzerwechsel sollen zehn Millionen Euro geflossen sein und damit der höchste Verkaufspreis für ein Dressurpferd erzielt worden sein. Während Paul Schockemöhle die Zuchtrechte behielt, verkaufte er die Sportrechte an Ann Kathrin Linsenhoff. Deren Stiefsohn Matthias Rath wurde der neue Reiter. Allerdings erzielte Rath mit Totilas nicht mehr die selben Erfolge. Kritik hagelte es zudem für die Trainingsmethode. 2015 holten Pferd und Reiter noch bei der EM Mannschaftsbronze. Doch ein Knochenödem am linken Hinterbein sorgte für das EM-Aus und für den Ruhestand des Hengstes.

Totilas wurde ab da nur noch als Deckhengst genutzt. Während die Decktaxe zu Beginn bei 8000 Euro pro Portion lag, war sie zum Schluss bei 2800 Euro plus Steuern.

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