Traktoren, Lkw und Pick-Ups

Ein Herz für Oldtimer: Lothar Kühnemuth aus Berkatal sammelt seltene Fahrzeuge

Dieser amerikanische Pick-Up von 1936 ist eines von Lothar Kühnemuths Lieblingsstücken seiner Sammlung. Gemeinsam mit seinem Enkel Luis hat er mit dem Hot Rod das eine oder andere Oldtimer-Treffen besucht.
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Dieser amerikanische Pick-Up von 1936 ist eines von Lothar Kühnemuths Lieblingsstücken seiner Sammlung. Gemeinsam mit seinem Enkel Luis hat er mit dem Hot Rod das eine oder andere Oldtimer-Treffen besucht.

Manche sammeln Münzen, andere Briefmarken. Das ist aber nichts für Lothar Kühnemuth aus Frankershausen. Er hat dagegen 53 Oldtimer.

Frankershausen – „Briefmarken haben keine Räder“, sagt der 70-jährige Lothar Kühnemuth trocken. Der Oldtimerfreund kann dagegen 53 alte Fahrzeuge sein Eigen nennen. In seiner Sammlung befinden sich allein mehr als 40 Traktoren, mehrere amerikanische Pick-ups, US-amerikanische Feuerwehrautos und Lkw. „Je ausgefallener und seltener, desto besser“, fasst er seine Leidenschaft in einem einzigen Satz zusammen.

Kühnemuth führt gezielt durch die teils engen Gänge seiner Halle. Auf hohen Regalreihen stapeln sich Traktor-Sitzkissen, die der ehemalige Göttinger BWL-Student selbst produziert und dort lagert. Den Betrieb hat er von seinem Vater übernommen und weiterentwickelt. Zwischendrin stehen mehrere Fahrzeuge. Manche voll restauriert und fahrbereit, manche nicht. Geplant sei eine zweite Halle, um das Lager seiner Arbeit von seinem Hobby zu trennen, erklärt er nebenbei.

Lanz Bullog Traktor bekannt von Erntefestumzügen in Bad Sooden-Allendorf

Kühnemuth bleibt bei mehreren Traktoren stehen. Viele davon mit gültigem Kennzeichen. Diesen blauen Traktor mit der roten Aufschrift „Lanz Bulldog“ kennt man doch irgendwoher. „Mit diesem fahre ich schon seit mehr als 20 Jahren beim Erntefestumzug in Bad Sooden-Allendorf mit“, sagt Kühnemuth stolz.

Er zeigt auf einen anderen Traktor – ebenfalls einen Lanz Bulldog, eine Traktorreihe, die man heute nur noch selten zu Gesicht bekomme. „Dieser wurde 1938 erstmals zugelassen. Ich habe ihn kurz vor der Wende gekauft. In einem desaströsen Zustand“, sagt er. Wegen Teilemangels hat er 30 Jahre nur in der Halle gestanden.

Diesen Lanz-Bulldog-Traktor kennt man auch von Erntefestumzügen in Bad Sooden-Allendorf. Enkelsohn Luis hat auf Traktoren das Fahren gelernt.

Vor anderthalb Jahren hat er ihn dann richtig zurechtgemacht, jedoch auf eine besondere Art: im Rost-Look. Die Karrosserieteile hat er dafür sauber abgeschliffen und gezielt rosten lassen. Voll restauriert, jedoch in unrestaurierter Optik, sagt Kühnemuth dazu.

Neben den Bulldogs macht er noch auf andere Modelle aufmerksam: Auch mehrere Traktoren der Marken Hürlimann, Meili und EAC-Deerings stehen sicher unter seinem Dach. „Das sind fast alles Exoten und Einzelstücke.“

Lothar Kühnemuths Herz schlägt für seltene Traktoren und amerikanische Fahrzeuge

Doch das Herz des 70-Jährigen schlägt nicht nur für Traktoren. Hinter dem nächsten Regal voller Sitzpolster und Versandkartons versteckt sich ein amerikanisches Feuerwehrauto aus dem Jahr 1917 – das älteste Fahrzeug seiner Sammlung und nicht einmal das einzige Feuerwehrauto. „Daraus wollte ich eigentlich mal ein Ausflugsfahrzeug machen“, sagt er. Aber? „Der alte Sechszylindermotor hat 14,5 Liter Hubraum und verbraucht zirka 120 Liter Benzin auf 100 Kilometer.“ Sein Lachen erfüllt die ganze Halle.

Es gibt auch ein amerikanisches Löschfahrzeug von 1942. „Es hat einen V12-Motor mit Doppelzündung, also 24 Zündkerzen. Die eingebaute Pumpe hat eine Leistung von 6000 Litern pro Minute“, erklärt der USA-Fan völlig fasziniert von der Technik. In den Staaten sei er selbst zwar nie gewesen, die habe er sich dafür aber nach Hause geholt – in Form von Rock’n’Roll und Elvis-Dekoration im Wohnhaus, sagt er.

Lothar Kühnemuth fährt mit amerikanischem Truck zum und auf dem Nürburgring

Das Wissen über seine Fahrzeuge hat Kühnemuth sich selbst angeeignet. „Wenn man so ein Hobby hat, will man sich auch mit der Geschichte vertraut machen. Zu jedem Fahrzeug habe ich Literatur.“ Auf dem Weg zum nächsten Auto erzählt er von einer Fahrt auf dem Nürburgring, wo er mit einem Peterbilt-Truck zum Oldtimer-Truck-Grand-Prix vom Veranstalter eingeladen war. Seine Augen glänzen. Diverse technische Daten kommen beim Passieren einzelner Sammlerstücke wie aus der Pistole geschossen.

Die Führung durch die Welt von Lothar Kühnemuth endet bei einem seiner Lieblingsstücke: einem leuchtend roten Oldtimer-Pick-up von 1936 mit V8-Motor – ein Hot Rod. „Den habe ich komplett auseinandergenommen und wieder aufgebaut“, erklärt er. Unter anderem mit diesem Auto hat er schon an mehreren Oldtimertreffen teilgenommen. Begleitet hat ihn oft sein 16 Jahre alter Enkelsohn Luis. „Die Leidenschaft des Opas schwappt über“, sagt Luis. Und was macht man mit so einer ausgefallenen Sammlung an unterschiedlichen Oldtimern? Ganz einfach, sagt Lothar Kühnemuth: „Sich dran erfreuen.“ (Von Jessica Sippel)

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