Expertinnen geben Empfehlungen

Zum Totensonntag: Guter Umgang mit Trauernden - Keine Phrasen, aber ehrliches Beileid

+
Trauerarbeit ist schwierig: Viele Menschen sind unsicher, wie sie mit Trauernden umgehen sollen.

Vor Beginn der Weihnachtszeit wird am Totensonntag der Verstorbenen gedacht. Wie verhält man sich Trauernden gegenüber richtig? Wir haben vier Expertinnen gefragt.

Darüber haben wir mit Petra Lautenbach (Ambulanter Hospizdienst Großalmerode/Hessisch Lichtenau), Karin Weinsberg (Diakonisches Werk Witzenhausen/Hessisch Lichtenau) sowie Jutta Aßmann und Regina Dietrich (Begegnungscafé) gesprochen.

Eine gute Ansprache

Phrasen wie „Das wird wieder“, „Kopf hoch“ oder „Das Leben geht weiter“ sind nicht hilfreich, sagt Weinsberg. „Manche stört es weniger, andere sind gekränkt.“ Man sollte überlegen, was man selbst in so einem Moment gerne hören würde. Am besten sei es, aus der Situation heraus zu entscheiden, was man sagt. Bei der Wortwahl sollte man auf sich selbst vertrauen, so Lautenbach. „Für viele ist die Frage ‚Wie geht’s dir denn?’ die schrecklichste der Welt, manchmal kann es auch passen.“

Nicht ignorieren

Dass Menschen die Straßenseite wechseln, wenn Trauernde einen sehen – diese Erfahrung mussten sowohl Aßmann als auch Dietrich machen. „Dir ist gerade passiert, wovor ich am meisten Angst habe“, erklärt Weinsberg, warum Menschen eine Scheu vor jemand hätten, der einen Trauerfall hatte.

Kondolieren zulassen

Auf der anderen Seite müssten Trauernde es zulassen, dass man ihnen ihr Beileid ausspreche, sagt Lautenbach. „Die Bewältigung fällt viel schwerer, wenn man die Trauer nicht zulässt.“ Viele Trauerrituale würden nicht mehr gepflegt. Das Problem sei, dass es keinen Ersatz für sie gebe. „Rituale haben einen Sinn, sie geben uns Halt und Sicherheit darüber, wie wir uns verhalten müssen.“

Hilfsangebote 

„Wenn du etwas brauchst, melde dich.“ Dieses Angebot werde fast nie in Anspruch genommen, berichtet Weinsberg. Und auch Dietrich sagt: „Das hätte ich im Leben nicht gemacht.“ Alle sind sich aber einig: Wenn man diesen Satz gegenüber einem Trauernden ausspricht, sollte man ihn sich gut überlegt haben und ihn tatsächlich auch so meinen. „Will man sich mit dem Satz selbst beruhigen oder sagt man ihn von Herzen?“, konkretisiert Dietrich. 

Denn wenn ein Trauernder auf das Angebot zurückkomme und dann seine Bitte abgelehnt werde, erhalte er zu seinem Schmerz noch einen weiteren Hieb. Wichtig sei, den Kontakt zum Trauernden zu halten, sich nicht von der ersten Absage zum Spaziergang abschrecken zu lassen, sondern in regelmäßigen Abständen wieder nachzufragen, rät Weinsberg.

Persönliche Karten authentisch schreiben

„Liebe Jutta, … ich weiß gar nicht, was ich sagen soll … dein Rainer“ So lautete der Inhalt einer Karte, die Aßmann nach dem Tod ihres Mannes erhielt. Das ist nun zehn Jahre her. Vergessen hat sie es nicht. „Das ist für mich noch heute toll“, sagt sie mit einem Lächeln. Bei seiner Beileidsbekundung sollte man ehrlich und authentisch sein; ruhig zugeben, wenn man unsicher ist, betont Dietrich.

Eine Beileidskarte ist nie zu spät

„Der Todesfall ist den Angehörigen immer präsent“, sagt Weinsberg. Man sollte daher keine Angst haben, heilende Wunden aufzureißen, wenn man es erst Monate später schafft, eine Karte zu schreiben. Denn für Trauernde verschiebe sich die Zeit. „Nach einem halben Jahr ist es noch genauso präsent, als ob es gestern gewesen wäre“, sagt Weinsberg. Trauerarbeit bedeute wirklich harte Arbeit. 

Auch Aßmann erinnert sich gern an den Stapel Post zurück, den sie zum ersten Todestag ihres Mannes bekam. „Derjenige, der es absolut nicht lesen will, schmeißt die Karte eben in die Tonne“, sagt Lautenbach.

Kinder und Tod

Kinder sollten laut Weinsberg miteinbezogen werden. Ganz wichtig sei jedoch, ihnen vorher den Tod zu erklären: Dass das Gesicht des Toten maskenhaft aussehe und nicht so, wie die Kinder den Verstorbenen kannten. Dieser sei jetzt auf einem Stern, Himmel, Schmetterling oder was man auch immer für ein Bild dafür finde. Auch bei einer Beerdigung sei die Anwesenheit von Kindern nicht störend. „Das gehört zum Leben dazu.“

Begegnungscafé für Trauernde

Das Begegnungscafé richtet sich an alle, die einen Verlust, eine Trennung oder einen Schwerkranken im Familien- oder Freundeskreis haben. Der Wohnort spielt keine Rolle. Das Begegnungscafé findet immer am letzten Sonntag im Monat ab 15 Uhr im Edith-Stein-Haus, Gustav-Siegel-Straße 14 in Hessisch Lichtenau statt.

Kontakt:

  • Begegnungscafé: Regina Dietrich, Tel. 0177/5588181, oder Jutta Aßmann, Tel. 0152/29597425
  • Kirchliche, Allgemeine, Sozial- und Lebensberatung: Karin Weinsberg, Diakonisches Werk Werra-Meißner, Kirchstraße 18 in Hessisch Lichtenau, Tel. 05602/4919
  • Ambulanter Hospizdienst: Petra Lautenbach, Tel. 05602/831799.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.