Porträt

Trümmerbruch des Schienbeins lässt Stefan Zigahls Traum vom Profifußball platzen

Zu seinen besten Zeiten war Stefan Zigahl (links) ein gefürchteter Angreifer beim SC Niederhone. Nach einem Trümmerbruch seines Schienenbeins war die große Fußballkarriere vorzeitig beendet. Repro: Furchert
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Zu seinen besten Zeiten war Stefan Zigahl (links) ein gefürchteter Angreifer beim SC Niederhone. Nach einem Trümmerbruch seines Schienenbeins war die große Fußballkarriere vorzeitig beendet.

Er gehörte schon in jungen Jahren zum Kreis der besten Fußballer in der gesamten Werra-Meißner-Region. Eine Verletzung zerstörte 1969 den Traum vom Profi-Fußball für Stefan Zigahl.

Niederhone/Grebendorf – Schnelligkeit, das Auge für die Mitspieler, intelligente Spielumsetzung mit und ohne Ball und dazu die immense Torgefahr zeichneten Stefan Zigahl aus, der schon mit 17 Jahren das Trikot der ersten Mannschaft beim SC Niederhone getragen hat und kaum zu bremsen war. Leider wurde die große Karriere, die sich bereits mit 23 Jahren abzeichnete, unglückselig gestoppt.

„Ich stand auf dem Wunschzettel beim KSV Hessen Kassel. Heini Weber wollte mich unbedingt verpflichten. Doch das Schicksal holte mich ein.“ Bei der Bundeswehr-Bataillonsmeisterschaft im Spiel gegen die Einheit aus Bad Arolsen handelte er sich einen Trümmerbruch des Schienbeins ein. Die Erinnerung an den Tag im Jahr 1969 ist noch heute schmerzlich für Stefan Zigahl. Er hatte sich für vier Jahre zur Bundeswehr in Lichtenau verpflichtet und lag dort eineinhalb Jahre im Lazarett. Die Verletzung war so schwerwiegend, dass er sogar ein Jahr Nachschlag bekam, weil die Heilung über seine Verpflichtungszeit hinausging. „Geblieben ist mir nur das erfolgreich absolvierte Probetraining beim KSV, der Traum vom Profifußball ist leider zerplatzt“, hadert der heute 75-Jährige noch immer.

Übrigens: Aufmerksam wurden die KSV-Verantwortlichen auf Stefan Zigahl unter anderen beim Duell der Zonengrenzauswahl, die vor 3000 Zuschauern in Bad Sooden-Allendorf mit 2:6 den Löwen unterlag, wobei der Niederhöner beide Treffer erzielte.

Schon mit 17 Jahren stand er beim SCN in der Verantwortung. Der Verein erkannte, dass da ein Leistungsträger herangewachsen und mit Führungsqualitäten ausgestattet ist. Gerne erinnert er sich an das Stadtderby gegen Eschwege 07. Besonders an den Kampf 1963 auf der Torwiese. „Wir lagen schon 0:2 zurück, konnten zunächst ausgleichen, ehe mir der umjubelte 3:2-Siegtreffer gelang.“

Stefan Zigahl heute

Unterzukriegen war der Fußballer Stefan Zigahl aber nicht. Er kämpfte sich wieder zurück auf den Platz und führte die zweite Mannschaft des SC Niederhone zu zahlreichen Meistertiteln in Serie. Und sein Wissen, verbunden mit den Erfahrungen als Aktiver, hat der 1946 in Neustädt in Oberschlesien Geborene, der über Friedland und Uelzen mit den Eltern und zwei Brüdern nach Eschwege kam, auch als Jugendtrainer an den Nachwuchs weitergegeben. „Es war wirklich ein großartiges Gefühl, wenn du jungen Menschen den Fußballsport vermitteln kannst.“ Neben dem Fußball hatte er noch eine zweite sportliche Leidenschaft.

„Ich habe schon immer gerne gekegelt.“ Sein Hobbyclub Goldener Pudel zählt zu den renommiertesten im gesamten Werra-Meißner-Kreis. Seit der Grenzöffnung pflegt er eine enge Partnerschaft mit Lok Leinefelde und durch die räumliche Nähe im Gloria Kegelcenter zu den Sportkeglern. „Ich bin dem Ruf von Oliver Mahr gefolgt, dem für mich besten Sportkegler der SKG Eschwege aller Zeiten.“ Stefan Zigahl blickt so auch auf einige Einsätze in der zweiten Bundesliga zurück. „Natürlich gehörte ich mehr zum Stamm auf Bezirksebene, wo ich mir eine Sammlung von zahlreichen Einzeltiteln anlegen konnte.“ Es erfüllt ihn noch heute mit Stolz, an der Seite von so großartigen Sportkeglern wie Oswald und Marco Tröger, Harald Leimeroth oder Arno Bauer gespielt zu haben. Er kann auch für sich behaupten, dass er die SKG Eschwege als erster Vorsitzender nach dem Absturz in die Versenkung wieder zurück in die Spur geführt hat.

Auch organisatorisch erwarb er viele Verdienste. Dazu gehören die Turniere, die er mit dem KC Goldener Pudel kreisweit für Hobbyteams ausgerichtet hat, oder auch die Hessenmeisterschaft der Sportkegler, für die er im Gloria Kegelcenter in der Verantwortung stand.

Stefan Zigahl und die Verletzungen schreiben eine eigene Geschichte: Auch das Kegeln musste er 2002 nach seiner ersten Knieoperation aufgeben. 2006 ist er wieder eingestiegen – sogar als Sportkegler. Doch schon 2009 ereilte ihn eine neuerlich OP, nun rebellierte das andere Knie. „Das Schicksal spielte mir einen neuerlichen Streich.“ Mit Ehefrau Erika hat es ihn nach Grebendorf gezogen. „Sie hat mir für meine sportlichen Ambitionen immer den nötigen Freiraum gelassen“, sagt Stefan Zigahl. „Wenn ich mit 23 den Wechsel zum KSV Hessen Kassel vollziehen hätte können, wäre mein Leben sicher in anderen Bahnen verlaufen. Dennoch möchte ich nicht hadern, sondern mich in Zufriedenheit wiegen.“ (Harald Triller)

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