Er war dann mal weg

Die weite Welt und wir: Udo Vogel lebt in Brasilien und in Eschwege

Udo Vogel aus Eschwege lebt gemeinsam mit seiner Ehefrau Ilma Maria De Oliveira-Vogel wechselweise in Brasilien und im Werra-Meißner-Kreis.
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Udo Vogel aus Eschwege lebt gemeinsam mit seiner Ehefrau Ilma Maria De Oliveira-Vogel wechselweise in Brasilien und im Werra-Meißner-Kreis.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ stellen wir Menschen aus der Region vor, die weit weg von zu Hause spannende Geschichten erleben. Heute: Udo Vogel aus Eschwege, der in Brasilien lebt.

Eschwege – Udo Vogel wohnt zwar nicht direkt am Strand, aber das Meer sei gleich hinter den Bäumen, sagt der Teilzeitauswanderer aus Eschwege. Seit fünf Jahren wohnt der 58-Jährige schon in der Stadt Parnamirim im Staat Rio Grande Do Norte. „Wir leben in Äquatornähe“, sagt Vogel. Weil die Sonnenstrahlen hier besonders warm sind, genießt Vogel die kühleren Morgen- und Abendstunden und ist oft schon um 6 Uhr auf den Beinen. Zusammen mit Ehefrau Ilma Maria De Oliveira-Vogel betreibt er eine kleine Fischerei. „In Deutschland kann man sich gar nicht vorstellen, was wir hier machen“, sagt Vogel und erklärt, wie die lokalen Fischer am Strand nach dem Fang Ausschau halten und das 250 Meter lange Netz auswerfen, wenn sie Fische entdecken. „Dann wird das Netz per Hand eingeholt“, erzählt der Eschweger. Seine Frau verkauft die Tiere noch am Strand.

Für die Auszeit dient der Strand

Wenn das Paar eine Auszeit braucht, fahren die Vogels auf ihre Ranch am Strand. „In Deutschland würde man sagen, das ist eine Hütte“, sagt er und freut sich. Die Wände seien aus Palmmatten und das Wasser filterten sie in einem Geschirrtuch, erzählt Udo Vogel. Nachts kämen wilde Esel und liefen um die Hütte am Meer. „Die wurden ausgesetzt, als es den Menschen wirtschaftlich besser ging und sie die Tiere nicht mehr brauchten“, erklärt der 58-Jährige.

Für Vogel ist das Leben in Brasilien genauso Urlaub wie die Aufenthalte in Eschwege. Seine Heimat besucht er einmal im Jahr. Für einige Monate bleibt er dann mit Frau Maria in Eschwege. Für sie hatte der ehemalige selbstständige Reifenhändler sein Geschäft in Eschwege verkauft und war nach Brasilien gezogen.

30 Grad Durchschnittstemperatur

Kennengelernt hatte Udo Vogel seine Frau 2014, als er zur Fußballweltmeisterschaft nach Brasilien reiste. Seitdem hat ihn das Land, in dem es durchschnittlich 30 Grad Celsius sind, fasziniert. Trotzdem sagt Vogel: „Ich wollte nie auswandern.“ Deshalb besucht er Eschwege und seine Kinder auch jedes Jahr wieder. Durch die Coronakrise festgesetzt, war der 58-Jährige jedoch schon seit August vorigen Jahres nicht mehr in der Heimat gewesen.

Die Krise habe auch das Leben in Brasilien verändert, sagt Vogel. Erst seit dem vergangenen Montag sind die Geschäfte wieder geöffnet. Dass der Lockdown vor Ort während der Pandemie nicht durchgesetzt werde, sei wichtig für die Menschen im größtenteils armen Nordosten, sagt er. „Die Fischer hier haben im Gegensatz zu Deutschland keine Absicherung und wenn die nicht arbeiten dürfen, bleibt ihnen nichts.“ Um die Pandemie zu bekämpfen, impfe die Regierung schnell und lasse Impfstoff produzieren, berichtet Vogel. Er sei aber noch nicht an der Reihe. „Gerade sind die 64-Jährigen dran“, sagt Vogel.

Ein Problem sei für ihn im Moment jedoch die Suche nach einem Labor, das ihm den PCR-Test für die Rückreise nach Deutschland abnehme – zumindest falls er einen Flug bekomme. Das sei in Pandemiezeiten nicht einfach und mit drei Zwischenlandungen müsse man rechnen, sagt der Eschweger. Möglichst Ende April will er zusammen mit seiner Frau zurück nach Deutschland reisen. So lange genießt er aber noch die warmen Tage in Brasilien, in seinem Liegestuhl im Wohnzimmer, gleich neben seinem Auto – das hat Vogel übrigens lieber von der Straße geholt: „Sonst wird es gestohlen“, sagt er. Von Kim Hornickel

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