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Die Kirche im Dorf lassen (20) - Die St. Andreas-Kirche in Günsterode

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Von: Kristin Weber

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Die Kirche von Günsterode, eine Wehrkirche aus dem 14. Jahrhundert liegt auf einem Hügel, bis ins 19. Jahrhundert befand sich der Friedhof rund um die Kirche.
Die Kirche von Günsterode, eine Wehrkirche aus dem 14. Jahrhundert liegt auf einem Hügel, bis ins 19. Jahrhundert befand sich der Friedhof rund um die Kirche. © Kristin Weber

47 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im ehemaligen Kirchenkreis Witzenhausen. Jede Kirche hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Heute: die Kirche in Günsterode.

Günsterode – Das Dorf Günsterode liegt heute im politischen Kreis Schwalm-Eder, seine Kirche aber gehört seit 1984 zum Kirchspiel Hessisch Lichtenau. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf 1328, als Hartrad von Reichenbach dem Ritter Hermann von Treffurt und dessen Bruder Friedrich all sein Gut in Günsterode verkaufte. Ein Herrmann von Treffurt - der 9. seines Namens - residierte bis 1350 auf dem Schloss in Spangenberg und war mit Margarethe von Solms verheiratet. Diese soll die Kirche in Günsterode gegründet und ausgestattet haben, geweiht wurde sie dem heiligen Andreas. Margarethes Ehe war kinderlos, aber vielleicht erhoffte sie sich durch diese Stiftung ihr dahingehendes Schicksal positiv beeinflussen zu können. Die Bauart des spätgotischen Westturms deutet ebenfalls ins 14. Jahrhundert und verrät den wehrhaften Charakter der mittelalterlichen Kirche.

Pfarrerin Dagmar Ried-Dickel und Brigitte Möller vom Kirchenvorstand am Altar
Pfarrerin Dagmar Ried-Dickel und Brigitte Möller vom Kirchenvorstand am Altar © Pfarrerin Dagmar Ried-Dickel und Brigitte Möller vom Kirchenvorstand am Altar

Diese wurde 1470 das erste Mal auch schriftlich genannt. Von 1606 bis 1629 gibt es Nachrichten über kleinere Instandhaltungsarbeiten an der Kirche. Im 30-jährigen Krieg wurde das Dorf geplündert, die Kirche scheint diese Angriffe aber zu mindestens äußerlich überstanden zu haben, denn von 1680 bis 1692 sprechen die Abrechnungen vor allem davon, dass die Kirche innen mit einem neuen Altar und neuen Bänken ausgestattet wurde. In Quentel hingegen war das Pfarrhaus abgebrannt und beide Kirchen wurden zu einer Pfarrstelle zusammengelegt. Gut fünfzig Jahre später musste die Kirche in Günsterode dann allerdings doch erneuert werden. Zuerst war 1741 der Turm dran, der ausgebessert wurde und eine Haubenlaterne als Turmspitze erhielt, wie die Wetterfahne aus diesem Jahr verrät. 1788 wurde das Kirchenschiff ab einer Höhe von 1,50 Metern neu aufgebaut und zwar aus Bruchsteinen mit einem Oberbau aus Fachwerk, dessen Gefache mit Bruchsteinen ausgemauert sind.

Eine neue Orgel wurde 1842 für 460 Taler angeschafft, gebaut vom Orgelbaumeister Ziese aus Ellingerode. „Die Orgel wurde 1983 aufwendig restauriert und klingt wirklich sehr gut“, sagt Pfarrerin Dagmar Ried-Dickel. „Sie hat einen wunderbaren, romantischen Klang.“ 1901 stiftete der damalige Bürgermeister Christian Möller das farbige Fenster, das bis heute der Blickfang über dem Altar ist. Da Möller damals einen Mühlenbetrieb besaß und die armen Landwirte des Ortes bei ihm verschuldet waren (er überredete sie, ihren Waldbesitz zu verkaufen, um die Schulden bezahlen zu können - worauf die Leute noch ärmer wurden) wollte er wohl sein „Image“ etwas aufpolieren und sein Gewissen beruhigen. So ließ er mit seiner großzügigen Spende Christus als den Guten Hirten darstellen. 1902 wurde das Erdgeschoss des Turmes zu einer Stube für den Pfarrer ausgebaut, der aus dem Schulhaus ausziehen musste, und mit neugotischen Fenstern versehen.

Das Fenster über der Kanzel wurde 1901 von Bürgermeister Christian Möller gestiftet.
Das Fenster über der Kanzel wurde 1901 von Bürgermeister Christian Möller gestiftet. © Pfarrerin Dagmar Ried-Dickel und Brigitte Möller vom Kirchenvorstand am Altar

Größere Sanierungen fanden in jüngerer Zeit unter anderem 1964 statt, als die Modernisierung neue Fenster, Türen, Treppen, einen neuen Altar, Fußboden, Beleuchtung und Heizung umfasste. 1980 war der Außenanstrich und andere Sanierungsarbeiten dran, und die Evangelische Kirchengemeinde führte einen für Hessen richtungsweisenden Musterprozess mit der Stadt Melsungen, der festlegte, dass die Stadt sich mit 30 Prozent an den Baukosten beteiligen muss. Bis 1983 kostete die Sanierung insgesamt 120.000 DM. 1998/99 musste allerdings noch einmal von außen und innen saniert und gestrichen werden. Das Fachwerk besteht nämlich nicht nur aus einer Schicht, sondern aus einer inneren und einer äußeren. 2016/17 wurde die Heizung erneuert, das Dach umfangreich saniert, sowie der Sandstein am Turm ausgefugt. 2020 schließlich wurden am Zugangsweg und am Zaun gearbeitet. Gerhard Schweinsberg und Brigitte Möller vom Kirchenvorstand erinnern sich gut an die Arbeiten. Vieles wurde in Eigenleistung erbracht. „Die Gemeinde kümmert sich intensiv um ihre Kirche“, sagt Pfarrerin Dagmar Ried-Dickel. Auf einem Hügel gelegen, steht sie bis heute am markantesten und ältesten Punkt des Dorfes. (Kristin Weber)

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