Weniger Taten in Corona-Zeit

Kriminalstatistik: Polizei klärt fast zwei Drittel aller Fälle auf

Symbolbild Polizei HNA
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Fast zwei von drei Straftaten konnte die Polizei im Jahr 2020 im Werra-Meißner-Kreis aufklären.

Die Menschen im Werra-Meißner-Kreis können sich immer sicherer fühlen: Im vorigen Jahr hat die Polizei fast zwei von drei Straftaten aufgeklärt, genau 65,1 Prozent.

Das geht aus der Jahresstatistik 2020 hervor, die Kriminaldirektor Rainer Neusüß, der Chef der Polizeidirektion Werra-Meißner in Eschwege, jetzt vorgelegt hat. 2019 lag die Aufklärungsquote bei 64,1 Prozent, im Jahr davor bei 63,5 Prozent.

Außerdem ging die Zahl der angezeigten Straftaten 2020 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurück – um 13,7 Prozent (607 weniger) auf 3828. Unter 4000 hat die Zahl der Gesamtstraftaten seit vielen Jahren nicht gelegen. Allerdings sei das Jahr 2020 nur bedingt vergleichbar, verwies Neusüß auf die besondere Situation durch Corona: Durch die Pandemie seit Mitte März und den damit verbundenen Einschränkungen „zeigten sich doch deutliche Abweichungen in der polizeilichen Kriminalstatistik“.

Hauptursächlich für die Veränderung der Zahlen ist laut Kriminalrat Bernd Schanze, dem Leiter der Regionalen Kriminalinspektion (Kripo) Werra-Meißner, ein starker Rückgang in den Bereichen Diebstahl, Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie der Rauschgiftkriminalität.

Nachdem die Fälle insgesamt im Jahr 2014 auf 4926 gestiegen waren und auch 2018 wieder bei 4718 lagen, ging es 2019 schon auf 4435 zurück. Nun wurde 2020 die 4000er-Marke unterschritten.

Beim Betrachten der Anzahl registrierter Delikte weist Eschwege nach wie vor die vergleichsweise höchste Kriminalität auf. Hochgerechnet auf 100 000 Einwohner gab es voriges Jahr noch 6192 Straftaten, 2019 lag der Wert bei 7625. Damit werden in die Kreisstadt nach wie vor – nach Kassel – vergleichsweise die meisten Verbrechen in Nordhessen begangen.

Positiv entwickelte sich 2020 die Kinder- und Jugendkriminalität: Die Zahl der Tatverdächtigen unter 18 Jahren sank auf 171. 2019 lag sie bei 189, 2018 bis 228 und 2017 bei 264. Gerade bei der Rauschgiftkriminalität halbierte sich die Zahl fast auf 19 gegenüber 2019 (36 Verdächtige).

Acht Straftaten „gegen das Leben“

Acht Straftaten „gegen das Leben“ (5-mal Totschlagsversuch, 3-mal fahrlässige Tötung) und damit eine mehr als 2019 hat die Polizei im Werra-Meißner-Kreis laut der Jahresstatistik 2020 registriert. Sieben davon wurden aufgeklärt. Zu den Totschlagsdelikten gehören das absichtliche Anfahren mit einem Auto in der Innenstadt in Hessisch Lichtenau und in Witzenhausen eine Messerstecherei sowie das versuchte Hinabstoßen einer Frau von einer Mauer oberhalb der Werra. 

Gewalt gegen Einsatzkräfte steigt

Trotz rückgängiger Zahlen bei den Straftaten insgesamt im Werra-Meißner-Kreis verzeichnete die Polizei im vorigen Jahr bei den Rohheitsdelikten wieder einen deutlichen Anstieg.

Straftaten im Werra-Meißner-Kreis

Aus der Kriminalstatistik 2020 geht hervor, dass in diesem Bereich 665 Delikte angezeigt wurden, 47 mehr als im Vorjahr. 654 der Taten wurden aufgeklärt, das sind 97 Prozent.

Rohheitsdelikte

Vor allem die Fälle von Körperverletzung nahmen zu: von 428 auf 463, davon 123 schwere und 14 Misshandlungen von eigenen Kindern und Jugendlichen.

Ein Zusammenhang mit dem Anstieg in Bezug auf Gewalt im häuslichen Bereich ist statistisch nicht belegbar, sagt Kripo-Chef Bernd Schanze. Denn die registrierten Straftaten in diesem Bereich seien gegenüber 2019 identisch.

Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung und Stalking wurden im vergangenen Jahr 188 Mal angezeigt, 162 waren es 2019. Im Bereich der häuslichen Gewalt mit vielen körperlichen Übergriffen wurden – wie schon im Jahr zuvor – wieder 161 Strafverfahren eingeleitet. Die Ermittlungen richteten sich gegen 131 Tatverdächtige, davon 109 Männer und 22 Frauen.

Auch Gewalt gegen Einsatzkräfte war im vorigen Jahr ein Thema für die Polizei. 2020 kam es sogar zu einem deutlichen Anstieg auf 31 Straftaten, nachdem es 2016 „nur“ 14 waren. In fünf Fällen wurden Polizeibeamte tätlich angegriffen, in 24 Fällen kam es „nur“ zu Widerstand. Zweimal wurde auch Widerstand gegen Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Feuerwehr geleistet und angezeigt.

Diebstahl

Seltener muss sich die Polizei mit Fällen von Diebstahl befassen, auch wenn diese die Ermittlungsarbeit immer noch am stärksten fordert, da hier die meisten Straftaten angezeigt werden. In den vergangenen Jahren ging die Zahl kontinuierlich zurück, 2020 – pandemiebedingt laut Kripo-Chef Schanze – noch mal etwas mehr. Die 1041 registrierten Straftaten umfassen alle Formen der Diebstahlskriminalität und bedeuten einen Rückgang von 15,1 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt immer noch über 30 Prozent.

Taschendiebe hatten im vorigen Jahr, zumal sie offensichtlich zumeist bei Großveranstaltungen zuschlagen, schlechte Karten, ein einziges Delikt in dieser Richtung wurde 2020 aktenkundig. 2019 waren es noch 24 Fälle.

Einbrüche

Bei den Wohnungseinbrüchen wurden 51 Fälle angezeigt, 30 weniger als 2019, als eine Serie registriert wurde. Wobei es in jedem zweiten Fall beim Versuch blieb. Fast jeder dritte Einbruch erfolgte tagsüber.

Vermögensdelikte

Die Entwicklung bei anderen Delikten in der Übersicht:

2020 wurden 788 Fälle von Betrug und Urkundenfälschung sowie Unterschlagung und Veruntreuung angezeigt, 184 weniger als 2019.

Weniger zu tun als im Vorjahr hatten die Ermittler 2020 wegen angezeigter Sachbeschädigungen mit 482 (533) und Beleidigungen mit 178 (208) Straftaten.

Rauschgiftdelikte

224 Verstöße – und damit 126 weniger – gegen das Betäubungsmittelgesetz gab es im vorigen Jahr, wobei die Zahlen im Bereich des illegalen Handels von 54 (2019: 57) nahezu konstant blieben. Sichergestellt wurden der Polizeibilanz zufolge im vergangenen Jahr rund 5,5 Kilogramm Marihuana, jeweils etwa 150 Gramm Haschisch und Amphetamine sowie 11 Gramm der Droge Chrystal Meth.

(Stefan Forbert)

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