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Umplanungen in Eschweger Innenstadt angehen

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Von: Tobias Stück

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Mehr Aufenthaltsqualität: Die Ansprüche an eine Innenstadt haben sich verändert. Einzelhandel könnte an Bedeutung verlieren, sagt der Stadtplanungs-Professor Uwe Altrock (Uni Kassel).
Mehr Aufenthaltsqualität: Die Ansprüche an eine Innenstadt haben sich verändert. Einzelhandel könnte an Bedeutung verlieren, sagt der Stadtplanungs-Professor Uwe Altrock (Uni Kassel). © Tobias Stück

Die Eschweger Stadtverordnetenversammlung hat dem Antrag zum Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ zugestimmt und gleichzeitig außerplanmäßig Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt, um den Eigenanteil der Stadt abzudecken.

Eschwege – Der Stadt Eschwege wurden Fördermittel in Höhe von 1,275 Millionen Euro für die Umplanung der Innenstadt in Aussicht gestellt. 25 Prozent des Zuschusses muss die Stadt selbst tragen. Bis Ende des Monats musste sich die Stadt entscheiden, ob sie an dem Programm teilnimmt.

Das Förderprogramm

Das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ fördert insbesondere konzeptionelle Maßnahmen, mit denen die Weichen für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung gestellt werden. Aktuelle Problemlagen wie die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Innenstädte sollen mit dem Geld perspektivisch angegangenen werden. Das Geld ist in erster Linie dafür da, um Strategien zu entwickeln. Finanziert werden Modellprojekte, „die innovative Vorhaben umsetzen, um zukunftsfähige Konzepte für Innenstädte und lebendige Zentren von morgen zu entwickeln“. Nur 30 Prozent können für Baumaßnahmen verwendet werden, wie Lars-Henning Bartel, Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses, erklärte.

Das ist geplant

Die Stadt Eschwege verfolgt die Etablierung Eschweges als sogenannte „Draußen-Stadt“. Die Aufenthaltsqualität soll erhöht werden. Mit einem Outdoor-Konzept sollen „Grün und Wasser“ sowie Bewegungs- und Spielmöglichkeiten in die Innenstadt gebracht werden, um die Aufenthaltsqualität zu stärken und den Raum gleichzeitig ökologisch nachhaltig zu gestalten. „Draußen“ sei auch mit Outdoor-Stadt zu assoziieren, heißt es in dem Konzept, das der Wirtschaftsförderer der Stadt Eschwege, Wolfgang Conrad, entwickelt hat. Die Sportangebote zu Wasser und auf dem Land sowie die Spiel- und Bewegungslandschaften vor den Toren der Innenstadt sollen mit der Fußgängerzone verbunden werden.

Für leer stehende Immobilien soll ein Nachnutzungskonzept entwickelt werden. Die Konzepte sehen außerdem vor, einen Immobilien-Kümmerer zu engagieren. Auch die Gründerszene soll mehr bedacht werden.

Für ihre Idee wurde die Stadt noch mit weiteren Fördermitteln bedacht. Aus dem Landesprogramm hatte die Stadt Eschwege im Herbst schon einmal 750 000 Euro erhalten.

Das sagt die Politik

„Eine Innenstadt ist inzwischen viel mehr als der Ort für einen Warentausch“, begründete Lothar John (CDU), warum man den Fördermitteln zur Umgestaltung der Innenstadt zustimmen solle. Die Innenstadt als Wohn- und Sozialraum bekomme in Zukunft höhere Bedeutung. Die Attraktivität müsse gesteigert werden. Das könne durch die Beseitigung von Leerständen oder die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum passieren. „Das Fördergeld müssen wir nutzen, um Strategien dafür zu entwickeln“, sagt John.

Alexander Feiertag (SPD) warb vor der Stadtverordnetenversammlung dafür, mit diesem Geld einen Prozess der Veränderung in Gang zu bringen. Der Wunsch der SPD-Fraktion ist es, in der Innenstadt Wohnquartiere herzustellen, um Menschen für das Wohnen in der Eschweger Innenstadt zu begeistern. Feiertag hat dafür einen Drei-Punkte-Plan im Kopf: 1. umbaufähige Häuser in der Eschweger Innenstadt identifizieren 2. Fördermittel für die Eigentümer der Häuser finden 3. Maßgeschneiderte Konzepte von Architekten ausarbeiten lassen.

Das sagt der Experte

Der Stadtplanungs-Professor Uwe Altrock (Uni Kassel) sieht in neuem, attraktivem Innenstadt-Wohnraum für Singles, Senioren und Familien ein interessantes Umnutzungskonzept. „Daraus ergibt sich ein revitalisierender und stabilisierender Effekt“, sagt Altrock im Interview mit unserer Zeitung. Das Problem: eine kleinteilige Eigentümer-Struktur. „Gut ist, wenn Stadt und Eigentümer zusammenkommen und Blockkonzepte entwickeln.“

Auch eine Verkehrsberuhigung und eine Aufwertung des öffentlichen Raums – so wie in Eschwege durch die Draußen-Stadt beabsichtigt – machten Innenstädte attraktiver. Förderprogramme wie in Eschwege könnten einiges bewirken. Sinnvoll sei es, die Bürger sowie Eigentümer von Zentrums-Immobilien in die Planungen miteinzubeziehen.eschwege-mitgestalten.de

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