"Frauenschuh" droht auszusterben

Illegal: Unbekannte graben seltene Orchideen aus

Frauenschuh Foto: Lenarduzzi/nh

Werra-Meissner. Die Angst um die „Frauenschuh"-Orchidee ist groß bei den Naturschützern im Werra-Meißner-Kreis. Offenbar wird die vom Aussterben bedrohte Pflanze vermehrt illegal ausgegraben.

Der Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Hessen setzt nun eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise auf die Täter aus.

In den vergangenen vier Jahren haben Unbekannte im Bereich der Forstämter Hessisch Lichtenau und Wehretal Wurzelstöcke von zwölf Frauenschuhen mit etwa 100 Einzelsprossen gestohlen, berichtet Marco Lenarduzzi. Der Geschäftsführer des Naturparks Meißner-Kaufunger Wald weist in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Regierungspräsidium Kassel, Hessen Forst und dem AHO darauf hin, dass der Frauenschuh unter dem Schutz von Europäischem Recht und Bundesartenschutzverordnung steht. In Hessen versucht man seit 2007 über ein staatliches Programm, die Standorte der seltenen Pflanze zu verbessern und sie so zu retten. Seit 2008 wurde der Frauenschuh nur noch im Werra-Meißner-Kreis und im Kreis Kassel sowie vereinzelt im Raum Fulda nachgewiesen. Die Diebstähle seien nicht nur ein Rückschlag für die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Naturschützer, sondern auch für das Vorkommen der Orchidee in Hessen, heißt es in der Erklärung. „Halten die Ausgrabungen weiter an, muss mit einem totalen Verlust der Art gerechnet werden.“

Die Unterzeichner bitten die Bevölkerung darum, Ausgrabungen oder verdächtige Personen an Forstämter oder Naturschutzbehörden zu melden. Auch die Polizei nimmt Hinweise entgegen und ermittelt dann wegen Diebstahls und wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz, bestätigt Polizeisprecher Reiner Lingner. Seit 2013 sei aber nur ein einziger Fall bei der Polizei angezeigt worden.

Hintergrund:

Der Frauenschuh ist die größte aller europäischen Orchideen-Arten. Seinen Namen erhielt er wegen der gelben, schuhförmigen Lippe an der bis zu vier Zentimeter langen Blüte. Die Orchidee wird bis zu 60 Zentimeter hoch und blüht im Mai und Juni, im Hügel- und Bergland auf kalkhaltigen Böden. Sie benötigt 15 Jahre, bis sie ihr fortpflanzungsfähiges Alter erreicht hat. Sie stellt sehr spezielle Ansprüche an die Bodenverhältnisse und benötigt zur Keimung bestimmte Wurzelpilze.

Wird die Orchidee ausgegraben und in einen Garten verpflanzt, stirbt sie fast immer ab, betont Marco Lenarduzzi. Daher gibt es im Fachhandel eigens für Gartenböden gezüchtete Frauenschuhe.

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