Unruhe rund um die Uhr

Illegales Biken in Wäldern rund um Schwebda hat massive Wildschäden zur Folge

Die Wildschweine brechen bei Schwebda die Wiesen um. Jäger wie Svenja Böttcher können nichts dagegen tun, weil sie die durch die Mountainbiker verschreckten Tiere nicht mehr zu Gesicht bekommen.
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Die Wildschweine brechen bei Schwebda die Wiesen um. Jäger wie Svenja Böttcher können nichts dagegen tun, weil sie die durch die Mountainbiker verschreckten Tiere nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Mountainbiker nutzen den Wald bei Schloss Wolfsbrunnen für ihre Abfahrten. Das stört das Wild und führt langfristig zu Schäden in Wald und Flur. Naturschützer beschweren sich jetzt.

Schwebda – Abseits der breiten Wanderwege gleicht der Schwebdaer Wald oberhalb des Schloss Wolfsbrunnen einem Hindernis-Parcours, schildert die Jägerin Svenja Böttner. Mitten im Bestand baue die Mountainbikeszene seit Jahren illegal mit Baumstämmen und Brettern Sprungschanzen und Pfade bis hinab ins Tal. „Wir haben die Strecken lange geduldet und kamen gut mit den Mountainbikern hier im Kreis aus“, sagt Svenja Böttner, die seit sechs Jahren in dem Revier von Pächter Florian Böksen zur Jagd geht.

Doch die Popularität der Strecke habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nicht nur zu jeder Tageszeit, auch nachts treffe man abseits der Wege auf Mountainbiker. Teilweise handele es sich um große Gruppen von bis zu zehn Bikern. Inzwischen würden die Biker schon aus Eisenach anreisen. „Das sind Zustände, da können wir nicht länger zusehen“, sagt Svenja Böttner.

Denn die Folgen der permanenten Unruhe im Wald seien verheerend. „Wir haben massive Probleme mit Wildschäden“, sagt sie. Das liege daran, dass das Wild durch die Unruhe, die rund um die Uhr in diesem Bezirk herrscht, nur noch in der Nacht auf die Wiesen zieht. „Wir haben Einbußen bei der Heuernte, weil die Wildschweine die Wiesen regelrecht zum Acker umbrechen“, sagt die Jägerin. Die Schäden würden inzwischen im vierstelligen Bereich liegen und seien durch die Jäger kaum noch zu verhindern. „Wir können nicht bis in die frühen Morgenstunden auf dem Hochsitz verbringen, weil am Abend um 21 Uhr noch vier Mountainbiker lautstark die Pfade hinab rauschen.“

Gerade jetzt während der Coronazeit scheint der Baueifer an den Abfahrten und das Befahren der Strecke nochmals zuzunehmen. Ein Waldbesitzer durch dessen Wald die Pfade führen, hat die Biker mit einem freundlichen Zettel darauf aufmerksam gemacht, dass es ein Fehler ist, die Mountainbikestrecken so zu bewerben. Die „Einfahrt“ wurde dann mit Flatterband gesperrt, das sei allerdings immer wieder abgerissen worden. Doch es gehe den Jägern nicht nur um die Schäden für Wald und Natur. Voriges Jahr war ein Junge auf dieser Strecke schwer gestürzt. Die kleine Gruppe Biker war in den späten Abendstunden noch mitten im Wald unterwegs. Im Gespräch zeigten sich die Sportler sich oft verständnisvoll. „Sie entschuldigen sich, sind aber zwei Tage später wieder im Wald anzutreffen“, berichtet Svenja Böttcher

In Kürze beginnt die Brut- und Setzzeit. Da Wildtiere sich besonders gern im Schutz des Dickichts in den Wäldern aufhalten, sei es jetzt umso dringender notwendig, diese wichtigen Ruhezonen der Wildtiere zu meiden, sodass die Jungtiere im Frühjahr problemlos aufwachsen können. (Stefanie Salzmann)

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