Kurt Pabel (95) ist seit 75 Jahren Mitglied bei den Sozialdemokraten

Ein Urgestein der SPD

Urkunde natürlich in rotem Umschlag: Kurt Pabel feierte vor wenigen Tagen seinen 95. Geburtstag und 75 Jahre Mitgliedschaft in der SPD. Foto: Geier

Rossbach. Kurt Pabel aus Roßbach feierte vor Kurzem seinen 95. Geburtstag, und gleichzeitig blickte er auf 75 Jahre SPD-Mitgliedschaft zurück. „Unsere lange und schwere Reise hat uns hart gemacht, ohne sie wäre ich bestimmt nicht so alt geworden“, meint Pabel mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen, wirft dabei seiner Frau einen liebevollen Blick zu.

In Lichtenau im Sudetenland geboren und aufgewachsen, erlebte Pabel mit, wie die Nationalsozialisten dort immer mehr Zuspruch erhielten und Hitler es schließlich besetzte. Schon vorher, 1937, trat er der SPD bei. Sein Vater, Karl Pabel, war Bürgermeister der Stadt und setzte sich unter der nationalsozialistischen Besatzung für die tschechischen Bürger ein. Seine sozialdemokratischen Gene habe er an seine vier Söhne weitergegeben. „Mein Vater war ein großartiger Mann als Lehrer, Bürgermeister und als Mensch“, erinnert sich Pabel, der selbst als Dolmetscher und Lehrer sehr vielen Tschechen half. „Mein Vater ist mein großes Vorbild“, sagt Pabel und stellt ihn als eines seiner drei großen politischen Vorbilder auf eine Stufe mit den SPD-Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt.

Vertreibung und Flucht

1946 wurde er mit seiner Frau Anni vertrieben. „Die Tschechen haben uns gebeten zu bleiben,“ erzählt Anni, die sich an die aufreibenden Zeiten lebhaft erinnert. Mit ihren beiden Kindern verließen sie das Sudetenland und gelangten nach Masserberg beim Rennsteig im Thüringer Wald. Es war ein kleiner Ort, in dem es die ganze Familie schwer hatte. „Wir hatten wenig zu Essen“, erzählt der Jubilar, „wir standen aber auch unter ständiger Überwachung.“ Bespitzelt von einem kommunistischen Ehepaar und dessen Tochter erfuhr Pabel am eigenen Leibe wie wichtig Meinungsfreiheit ist. Um seinen Posten als Lehrer zu behalten musste er der SED beitreten und Parteiämter bekleiden. 1954 floh er mit Frau und Kindern aus der DDR. „Wir sind nur mit dem, was wir tragen konnten über die Grenze“, erinnert er sich. Die Zeit dort beschreibt er als schlimmste Zeit seines Lebens. Mit schwerer Stimme sagt er: „Dort habe ich Unterdrückung und Hunger kennengelernt. Dort war ich kein freier Mensch.“

Die Familie kam 1975 nach Roßbach und hier wurde Pabel Schulleiter. Ehemalige Schüler erinnern sich gern an den geduldigen und angenehmen Lehrer, einer davon ist Dieter Moses. „Wir haben viel bei ihm gelernt“, erzählt Moses, Ortsvorsteher von Roßbach und Genosse von Pabel.

Nach der Schließung der Grundschule in Roßbach, wechselte Pabel nach Kleinalmerode und nach der Schließung dort nach Gertenbach, Elfmal musste Kurt Pabel in seinem Leben umziehen, bis er sich 1975 endgültig in Roßbach niederließ. Hier half er, wo er konnte, im Ortsverein der SPD, im örtlichen Sportverein, im Kreisjugendring und im Bundesvogelschutzverein, der später in den Naturschutzbund eingegliedert wurde. (zge)

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