Urteil zum Erntefest-Überfall: Therapie, Knast und Bewährung

Kassel / Bad Sooden-Allendorf. Mit glimpflichen Urteilen ist am Dienstag der Prozess um den Überfall auf das Erntedank- und Heimatfest in Bad Sooden-Allendorf zu Ende gegangen.

Das Kasseler Landgericht folgte weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft und schickte nur einen der vier Angeklagten ins Gefängnis.

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Ein 35 Jahre alter drogenabhängiger Kasseler wurde zu vier Jahren Haft verurteilt - allerdings unter Einbeziehung einer dreijährigen Freiheitsstrafe, die zwischenzeitlich wegen eines Raubüberfalls in Kassel gegen ihn verhängt worden war und die er bereits fast vollständig verbüßt hat. Dagegen bleibt dem Mann, der die Schlägertruppe für den brutalen Festzeltangriff mit 15 Verletzten rekrutiert hatte, das Gefängnis erspart: Der ebenfalls drogenabhängige und zudem psychisch kranke 33-Jährige wurde zwar zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, wegen seiner Sucht aber in eine Entziehungsanstalt eingewiesen.

Zwei 22 und 23 Jahre alte Männer, die für die Tat am 18. August 2008 eigens aus Rendsburg in Schleswig-Holstein angereist waren, kamen sogar mit Bewährungsjugendstrafen von eineinhalb beziehungsweise einem Jahr davon.

Ob der Kaufunger Geschäftsmann, von dem der 33-jährige Angeklagte 5000 Euro für die Organisation der Attacke bekommen haben will, wirklich der Hintermann gewesen war, ließ das Gericht offen. Es hatte aber keinen Zweifel daran, dass die Tat von irgendjemandem bestellt und bezahlt gewesen ist - auch wenn Identität und Motiv des Auftraggebers nicht hätten aufgeklärt werden können.

Beim Prozessauftakt hatte der 33-Jährige den Kaufunger überraschend beschuldigt: Dieser habe sich an einer früheren Angestellten rächen wollen, die ihm Geld geschuldet und gegen ihre Kündigung geklagt habe. Bei dem Überfall war die Frau jedoch gar nicht im Festzelt gewesen.

Von Joachim Tornau

Rubriklistenbild: © Zeichnung: Reinckens

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