Der Kampf zurück ins Leben

Uwe Braun überlebt schweren Fahrradunfall - jetzt lernt er wieder laufen

Beim Training: Uwe Braun zuhause. Vom Rollstuhl aus kann er dank des Trainigsgerätes mehrmals am Tag Beine und Arme trainieren. Bei seinem Unfall im Mai 2019 brach sich der Extremsportler zweimal das Genick.
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Beim Training: Uwe Braun zuhause. Vom Rollstuhl aus kann er dank des Trainigsgerätes mehrmals am Tag Beine und Arme trainieren. Bei seinem Unfall im Mai 2019 brach sich der Extremsportler zweimal das Genick.

Wie durch ein Wunder überlebt der heute 61-jährige Uwe Braun einen Fahrradunfall, bei dem er sich unter anderem zweimal das Genick bricht. Jetzt kämpft er sich ins Leben zurück.

Eschwege – Uwe Braun sitzt im Rollstuhl an seinem Schreibtisch. Von dort aus kann er auf die Goldbachstraße schauen. Wenn der 61-Jährige bekannte Gesichter sieht, winkt er. Ansonsten vertreibt er sich die Zeit mit Zeitung lesen, Rätsel lösen und vor allem ganz viel Training, mit dem er versucht, sich in ein wieder selbständiges Leben zurückzukämpfen.

Am 11. Mai 2019 ist Uwe Braun mit seinem Mountainbike und fünf Freunden auf Weg zu seiner dritten Alpenüberquerung. An einem Pass in der Slovakei fährt er als letzter. Als seine Freunde sich umdrehen, sehen sie an einem Grat nur sein Fahrrad. Was genau passiert ist, wissen weder sie noch er selbst. „Ich habe keine Erinnerung“, sagt er. „Ich weiß nur, dass ich nach unten in das weite Panoramam geschaut habe.“

„Als ich das gehört habe, dachte ich eigentllich, dass er tot ist“,

Heike Braun, Ehefrau

Braun war 15 Meter einen steilen Abhang hinangestürzt, lag mit dem Gesicht in einem Bach. Ein Rettungshubschrauber bringt den Schwerverletzten zunächst in ein slovakisches Krankenhaus, später in eine Klinik nach Klagenfurt. Die Diagnose: doppelter Genickbruch, Schädel-Hirn-Trauma, 20 gebrochene Rippen. „Als ich das gehört habe, dachte ich eigentllich, dass er tot ist“, sagt seine Frau Heike heute.

Doch wie durch ein Wunder und möglicherweise seinem durchtrainiertem Körper sei dank, überlebt Uwe Braun. Er wird letztendlich im Uniklinikum Göttingen operiert, liegt vier Wochen im künstlichen Koma. „Die Ärzte wussten nicht, was passiert, wenn er aufwacht. Es hätte alles, aber auch nichts sein können“, sagt seine Frau.

Aber Uwe Braun wacht auf, erkennt auch seine Familie und beginnt den langen Weg zurück ins Leben. Am 8. April vorigen Jahres wird er nach einem Jahr aus dem Krankenhaus nach hause entlassen – im Rollstuhl und mit einem Krankenbett.

Über zehn Monate lag er in einer starren Haltung in der Klinik – bis heute sind seine Sehnen und die Muskulatur dadurch so stark verkürzt, dass er nur gebeugt stehen kann. Aber er arbeitet mit zwei Therapeuten, die zweimal wöchentlich kommen, daran. Er macht täglich Übungen und trainiert an verschiedenen Geräten. „Was er sich vorgenommen hat, schafft er“, sagte Heike Braun.

„Etwas aktiveres als meinen Mann vor dem Unfall konnte man sich nicht vorstellen“, erzählt sie über ihn. Arbeit, Sport, Motorrad fahren, werkeln. „Er hat abends nie ferngesehen. Der Unfall hat ihn von 100 auf Null gesetzt.“ Doch trotz des massiven Polytraumas hat Uwe Braun seinen starken Willen bis heute nicht eingebüßt.

Am Rollator läuft er wieder zum Eschweger Marktplatz

Denn inzwischen schafft er es,jetzt am Rollator, wieder bis zum Eschweger Marktplatz – mit Pausen zwar, aber immerhin. Für die Treppe von der Wohnung im zweiten Stock braucht er nur noch zirka sieben Minuten. „Mit einer Hand halte ich mich am Geländer fest, mit der anderen an meiner Frau.“ Vorher dauerte es mit einm sogenannten Treppensteiger um die 15 bis 20 Minuten, bis Braun es an die Haustür geschafft hatte. Auch in ein Auto kann er wieder einsteigen.

Braun, der auch im Gespräch oft unvermittelt beginnt zu weinen, ist stolz auf sich. „Ich kann wieder am Leben teilnehmen.“ Dass er häufig weint, liege daran, dass plötzlich etwas in ihm zieht – vermutlich die Folgen des schweren Schädeltraumas.

Aber Uwe Braun will noch viel weiter kommen. „Ich will wieder ohne Hilfe laufen können, allein auf die Toilette gehen und meinen Enkeln noch viel lernen“, sagt er. Davon hat der Vater dreier erwachsener Kinder inzwischen sechs.

Sein hartnäckiger Wille, zu leben und zwar nicht als Pflegefall, lässt ihn weitermachen, wenngleich die Schritte klein sind und Zeit und Geduld brauchen. „Wenn ich damit anderen Mut machen kann, ist es das auch wert.“, sagt er. Dann schaltet er sein Trainigsgreät an und fährt 30 Minuten Fahrrad. ( Stefanie Salzmann)

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