VdK: Plan gegen den Pflegekollaps

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Würdigte die Arbeit von pflegenden Angehörigen: Karl-Winfried Seif.

Grebendorf. Ohne entscheidende politische Weichenstellungen befürchtet der Sozialverband VdK den baldigen Pflegekollaps. Deshalb fordert er einen Aktionsplan für die Pflege in den kommenden 20 Jahren.

Der Vorsitzende des VdK-Kreisverbandes Eschwege, Heinz-Enno Piègay, hatte den Hessischen Landesvorsitzenden Karl-Winfried Seif nach Meinhard-Grebendorf auf den Kochsberg zu einer Konferenz eingeladen. Dort stellte Seif den Mitgliedern der Ortsverbände die geforderten Punkte zu einer Pflegereform vor.

Er hob dabei die besondere Bedeutung der Arbeit der pflegenden Angehörigen hervor. „Wir wollen eine Vergütung für pflegende Angehörige, die der Vergütung im Erziehungsbereich entspricht“, sagte Seif entschieden.

Auch müsse es mehr Kurzzeitpflegeplätze geben, erklärte er, damit pflegende Angehörige in den Urlaub fahren könnten. In Pflegeeinrichtungen sollten Zustände, bei denen nur eine Pflegekraft während der Nachtwache für 60 bis 140 Pflegebedürftige zuständig ist, künftig abgestellt werden. Die VdK wünscht sich hier stattdessen eine Pflegekraft für höchstens 30 Personen. Und schließlich sollten psychische Krankheiten wie Demenz in den Pflegebegriff mit aufgenommen werden. Der VdK möchte mit seinen Forderungen alle politischen Parteien in die Pflicht nehmen.

Ein weiterer Punkt, für den sich Seif einsetzt, ist die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung. 70 Prozent der heute praktizierenden Hausärzte seien inzwischen älter als 50 Jahre. „Der Ärztemangel, insbesondere im ländlichen Bereich, ist also absehbar“, so Karl-Winfried Seif. Eine positive Entwicklung hingegen verzeichnete der VdK bei seiner Mitgliederentwicklung. So gäbe es immer mehr junge Mitglieder in den Reihen des Verbandes.

Das Thema Pflege liegt auch Landrat und Sozialdezernent Stefan Reuß (SPD) am Herzen, denn der demografische Wandel stellt gerade den Werra-Meißner-Kreis vor zukünftige Herausforderungen. Die Bevölkerung werde im Durchschnitt immer älter. Anstelle auf große Pflegeeinrichtungen setzt Reuß auf die häusliche Pflege und den barrierefreien Ausbau von Privatwohnungen, wie er vor den VdK-Mitgliedern erläuterte.

Er kritisierte vor allem das System des Hausärztlichen Bereitschaftdienstes, das aufgrund der Überlastung der Hausärzte nicht funktioniere.

Zudem sprach er sich gegen die Verteilung der eingehenden Notfall-Anrufe durch ein zentrales Callcenter aus. „Außerdem liegt der Werra-Meißner-Kreis beim Rentnereinkommen an letzter Stelle in Hessen“, sagte Reuß. „Das ist sozialpolitisch ein Riesenproblem, das wir lösen müssen.“

Von Kristin Weber

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