Vegetarier leben meist gesünder

Mangelerscheinungen: Vegane Ernährung kann Entwicklung bei Kindern verlangsamen

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Zum Anbeißen: Frisches Obst und Gemüse und viele andere vegetarische Produkte hat jeder gut sortierte Lebensmittelmarkt, wie hier von der Verkäuferin Konny Hiebenthal präsentiert. Vegetarische Ernährung ist gesund. Allerdings sollten Menschen, die sich vegan ernähren stets darauf achten, keine Mangelerscheinungen zu bekommen.

Vegetarier leben meist gesünder - aber wie steht es um Veganer? Unser Experte, Dr. Heiner Berkermann, erklärt, welche Risiken es gibt. Insbesondere Kinder können unter Mangelerscheinungen leiden.

An der Küste greifen die Menschen gern zu Fisch. In Nordhessen ist die „Ahle Wurscht“ beliebt. Der Saumagen ist ein typisches Pfälzer Gericht. Und jenseits des Weißwurst-Äquators versprechen Schweinshaxen deftige bajuwarische Gaumenfreuden. Aber immer mehr Menschen in Deutschland verzichten auf Fleisch, Fisch und tierische Produkte. Sie bevorzugen pflanzliche Lebensmittel, ernähren sich vegetarisch oder vegan und leben meistens gesünder. Allerdings gibt es auch einige Risiken.

Darüber sprachen wir mit dem Ernährungsmediziner und Chefarzt der Gastroenterologie am Klinikum Werra-Meißner in Eschwege, Dr. Heiner Berkermann.

Wo ist Unterschied zwischen vegetarischer und veganer Ernährung?

Vereinfacht gesagt, ist die vegane eine strenge Form der vegetarischen Ernährung, die auf pflanzliche Lebensmittel setzt. Anders als Veganer, die auf sämtliche tierischen Produkte verzichten und selbst Gebrauchsgegenstände aus Tierkörperteilen wie Pelze, Felle, Leder oder Wolle ablehnen, gestatten sich Vegetarier beispielsweise Eier, Milch oder Milchprodukte.

Wie viele Menschen sind Veganer oder Vegetarier?

Nach dem Robert-Koch-Institut ernähren sich in Deutschland etwa vier Prozent der Bevölkerung vegetarisch. Laut dem jüngsten Ernährungsreport der Bundesregierung sind es sogar sechs Prozent. Zählt man die sogenannten Flexi-Vegetarier hinzu, die nur ganz selten Fleisch essen, beläuft sich die Quote auf rund zehn Prozent mit einem jeweils höheren Anteil an Frauen. Bei Veganern wird die Quote auf ein Prozent oder darunter geschätzt.

Warum wird man Veganer oder Vegetarier?

Im Vordergrund stehen überwiegend ethische Gründe. Genannt werden das Lebensrecht der Tiere, die Ablehnung einer Massentierhaltung, aber auch der Fleischverzehr als religiöses Tabu. Der Verzicht auf Fleisch sei ein Beitrag zur Lösung der Welthungerprobleme und vermindere die Umweltbelastungen. Und natürlich spielen gesundheitliche Überlegungen eine Rolle, wie die Vorbeugung oder Heilung bestimmter Krankheiten, die Steigerung der körperlichen und geistigen Fitness oder eine angestrebte Gewichtsabnahme, die sich aber nicht automatisch einstellt, wenn man statt zu Fleisch zu Puddings, Schokoriegeln oder fetthaltigen Gemüseriegeln greift.

Lesen Sie ebenfalls diesen Ernährungsreport: Deutsche verzichten immer öfter auf Fleisch und Wurst - außer in diesen Bundesländern

Welche Vorzüge hat eine fleischlose Ernährung?

Die Zufuhr ballaststoffreicher Getreideprodukte sowie von Obst und Gemüse senkt viele Krankheitsrisiken, etwa für Herz und Kreislauf, Diabetes mellitus oder Übergewicht. Wer fleischlos isst, pflegt häufig auch einen gesundheitsfördernden Lebensstil, indem er auf Nikotin verzichtet, Alkohol nur in geringen Mengen konsumiert und sich körperlich aktiver betätigt. Allgemein kann gesagt werden, dass der Vegetarier gesünder lebt als der Durchschnitt der Bevölkerung, weshalb auch die altersstandardisierte Sterberate vergleichsweise niedriger ist. Dagegen erhöht ein hoher Anteil an rotem Fleisch und solchen Fleischerzeugnissen das Risiko für bestimmte Krebsarten, wobei an erster Stelle der Darmkrebs zu nennen ist.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Gibt es auch Risiken für die Gesundheit bei Vegetariern und Veganern?

Ja, vor allem in der Entwicklung bestimmter Nährstoffdefizite, wodurch vor allem Säuglinge gefährdet sind. Ein Mangel an Vitamin B 12, das vor allem in Fleisch vorkommt, an essenziellen Aminosäuren, an langkettigen Omega-3-Fettsäuren und an anderen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen kann das Wachstum verzögern, die geistige Entwicklung verlangsamen oder stark behindern oder zu sonstigen neurologischen Ausfällen führen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät deshalb bei Stillenden, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen von einer veganen Ernährung dringend ab, weil anderenfalls auch das Immunsystem gestört, sich eine Blutarmut entwickeln und Veränderungen an den Knochen entstehen könnten. Diese Aspekte sollten deshalb vorab immer mit einem Arzt besprochen werden, der auch Ratschläge gibt, welche Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen angezeigt sind.

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Wann ist eine Ernährung ausgewogen?

Sie sollte abwechslungsreich sein und auf saisonale und regionale Produkte zurückgreifen. Um den Bedarf an Nährstoffen mit Kohlehydraten, Eiweiß, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen zu decken, bedarf es der täglichen Aufnahme von Obst, Gemüse und stärkehaltiger Nahrung, wie Brot, Pasta, Körner, Kartoffeln oder Reis. Zusätzlich sollte die Ernährung Ballaststoffe enthalten, des Weiteren Protein, wie Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse, Eier und Fleisch. Milch und Milchprodukte gehören ebenso dazu. Fett und Zucker sollten dagegen nur einen kleinen Teil der Nahrung ausmachen, möglichst unter 25 Gramm pro Tag. Die tägliche Trinkmenge sollte bei einem bis zwei Litern Wasser liegen.

Dr. Heiner Berkermann

Dr. Heiner Berkermann (64)ist im westfälischen Ibbenbüren geboren. Heute lebt er mit seiner Frau in Meinhard-Grebendorf. Medizin studierte er in Bochum und ließ sich an den Städtischen Kliniken in Osnabrück zum Internisten ausbilden. Acht Jahre wirkte er als Oberarzt an der Universitätsklinik in Oldenburg, wo er auch Facharzt für Gastroenterologie und Diabetologie wurde. Seit Mai 1997 ist er am Standort Eschwege des heutigen Klinikums Werra-Meißner Chefarzt der Gastroenterologie mit Zusatzqualifikationen als Proktologe und Ernährungsmediziner.

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