Seminar zur Digitalisierung im Einzelhandel

Einzelhändler-Schwund im Werra-Meißner-Kreis durch das Internet entgegenwirken

Roman Degenhardt betreibt auch in der Innenstadt Sontras ein Schuhgeschäft. Er sagt, Einzelhändler können vom parallelen Online-Vertrieb profitieren.
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Roman Degenhardt betreibt auch in der Innenstadt Sontras ein Schuhgeschäft. Er sagt, Einzelhändler können vom parallelen Online-Vertrieb profitieren.

Dem Einzelhändler-Schwund in den Städten des Werra-Meißner-Kreises mithilfe des Internets entgegenwirken: Darum ging es jüngst in einem Seminar von WFG, IHK und Kreishandwerkerschaft.

Werra-Meißner – Dem Einzelhändler-Schwund entgegenwirken und die Stadtzentren im Werra-Meißner-Kreis lebendig halten: Referent Roman Degenhardt hat bei der Auftaktveranstaltung der Online-Reihe von Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner, dem IHK-Servicezentrum Werra-Meißner und der Kreishandwerkerschaft zum Thema „Digitalisierung im Einzelhandel“ Mut gemacht, wie lokale Einzelhändler durch eine Symbiose mit überregionalem Online-Vertrieb profitieren können.

Dabei kann der aus Bebra stammende Degenhardt ein gutes Beispiel sein: In dritter Generation führt er das mittelständische Unternehmen „der Schuhladen“ und betreibt über ganz Deutschland verteilt zehn Schuhgeschäfte – unter anderem in Sontra. Seit Jahren werden die Produkte parallel im Internet verkauft, sowohl im eigenen Shop als auch bei Internet-Größen wie Amazon, Zalando und Ebay.

Die Erfolgsgeschichte: „Im Kalenderjahr 2019 haben wir im Netz erstmals mehr Umsatz gemacht als in allen unseren stationären Geschäften zusammen“, sagt Degenhardt. Das führte dazu, dass er jüngst sogar Lagerflächen in Hessisch Lichtenau und Sontra hinzukaufen konnte und im vergangenen Corona-Jahr Filialen in Kassel und Marburg eröffnete.

Die Grundidee

Aus den zehn Schuhläden wird gleichzeitig Ware im Internet verkauft. Wenn beispielsweise der Online-Händler Zalando einen Schuh nicht mehr vorrätig hat, dann rutscht Degenhardt als Partner nach. Das führe dann zu „vernünftigen Umsätzen“, die erlauben würden, lokale Standorte wirtschaftlich betreiben zu können.

Warum bieten Plattformen wie Zalando so etwas an? „Die wollen ihren Kunden natürlich auch ein breites Angebot bieten“, sagt Degenhardt. Hinzu komme, dass die Lieferrhythmen immer schneller würden. „Bei Zalando geht man davon aus, dass innerhalb der kommenden vier Jahre 20 Prozent der Kunden die Bestellung noch am selben Tag bei sich zu Hause haben wollen“, so Degenhardt.

Das funktioniere letztlich nur, wenn die Ware bereits in der Region sei, in der die Bestellung aufgegeben werde. Allein Zalando würde mittlerweile mit 3500 lokalen Partnergeschäften zusammenarbeiten.

Perfekte Lage

Gerade in einer Region, in der es immer heiße, es sei alles schwieriger, habe man eine gute Chance: „Wir müssen nicht in einer Großstadt sein, hier aus Nordhessen erreichen wir binnen sechs Stunden fast alle Orte in Deutschland. Das klappt sonst von nirgendwo“, sagt Degenhardt.

Auch für andere Branchen - neben denen für den Textil- und Schuhhandel - würden nach und nach Plattformen auftauchen. „Wenn ich vor zwei bis drei Jahren einem Direktvermarkter gesagt hätte, dass er seine Ahle Wurst deutschlandweit versendet, dann hätte der mich komisch angeguckt – heute ist das fast normal“, sagt der Bebraner. Oder wer habe vor zehn Jahren gedacht, dass Autohändler ihre Fahrzeuge im Internet in ganz Deutschland verkaufen könnten?

„Oft wird gesagt, dass das Internet das Problem ist. Wir werden das Verbraucherverhalten nicht ändern. Aber wir können entscheiden, ob wir den Umsatz als Einzelhändler an uns vorbeigehen lassen, oder ob wir ihn mitnehmen“, ist sich Degenhardt sicher.

Die ersten Schritte

Wolle man als Einzelhändler ins Online-Geschäft einsteigen, empfehle es sich zunächst zu analysieren, welche Plattformen für das eigene Geschäft infrage kämen. Dann gelte es Schnittstellen und Software zu finden, um den eigenen Bestand mit dem Internet zu verknüpfen.

Es gebe aber auch in Nordhessen Gruppen erfahrener Online-Einzelhändler, zu denen Roman Degenhardt Interessierten Kontakte knüpfen könne. „Wir haben da beispielsweise Händler für Haushaltswaren, Socken- und Unterwäsche, Motorhäuser, Matratzenhändler, Taschenhändler und Kinderartikel drin“, sagt Einzelhändler Roman Degenhardt.

Kontakt: Roman Degenhardt, E-Mail: schuhladen@schuhladen.de. Die nächste Online-Veranstaltung der WFG findet am 16. Februar zum Thema Neuerungen im Steuerrecht statt. (Maurice Morth)

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