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Verschollenes Relikt in Grebendorf aufgetaucht

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Von: Stefanie Salzmann

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Aufwendige Malerei schmückt die andere Seite.
Die Fahne des Kriegervereins Grebendorf ist aufwendig bemalt worden. © Privat

Die aufwendig gestaltete Fahne des 1875 gegründeten Kriegervereins Grebendorf ist überraschend auf einem Dachboden aufgetaucht. Jetzt hat die der Arbeitskreis Geschichte des Dorfes, der sich auch mit der Historie des Vereins beschäftigt. Dieser wurde wie viele andere nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gegründet und kümmerte sich um Kriegsveteranen.

Grebendorf – Die Überraschung und Freude für den Arbeitskreis Geschichte Grebendorf war groß, als ein längst verschollenes Relikt der Heimatgeschichte des Dorfes jetzt wieder auftauchte. Die Witwe des im vorigen Jahr verstorbenen Hermann Stoll hatte auf dem Dachboden einen Karton mit einem wahren Schatz entdeckt und dem Arbeitskreis kürzlich übergeben. In diesem fand sich die längst verloren geglaubte Vereinsfahne des ehemaligen Kriegervereins Grebendorf.

Fahne ist seinerzeit aufwendig bemalt worden

Die außergewöhnlich aufwendig hergestellte Vereinsfahne besticht durch einige Besonderheiten. Sie ist nicht, wie allgemein üblich, mit Stickereien versehen, sondern wurde beidseitig von Hand bemalt. „Die Farben haben auch nach fast 140 Jahren noch eine fantastische Brillanz und Ausdrucksstärke“, berichtet Richard Kleditzsch vom Arbeitskreis Geschichte.

Die Maße der Fahne betragen etwa 1,30 mal 1,30 Meter. Das Material besteht aus dreifarbigem Leinenstoff in den Farben Schwarz, Weiß und Rot mit einer goldfarbenen Fransenborte. „Einige doch vorhandene kleine Gebrauchsrisse im Stoff und Mottenfraßlöcher bezeugen eine altersbedingte Patina und werfen gleichzeitig die Frage nach einer Restaurierung auf“, so Kleditzsch. Diese würde sich nach ersten vorsichtigen Schätzungen eines Fahnenherstellers auf zirka 2500 Euro belaufen.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/ 1871 gründeten sich in Deutschland zahlreiche sogenannte Kriegervereine. „Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 erfuhren Vereine und Organisationen, in denen das Andenken an den Deutsch-Französischen Krieg wach gehalten werden sollte, enorme Popularität“, weiß Kleditzsch. Allein in Eschwege gab es in jener Zeit sieben solcher Kriegervereine. Aber auch in fast allen anderen Orten des Landkreises entstanden solche Vereine und Organisationen.

Gründervätern ging es um das Wohl der Veteranen

So war es auch nicht verwunderlich, dass am 2. September 1875 in Grebendorf ein Kriegerverein gegründet wurde. „Aber es ging hier wie auch anderswo den Gründervätern wohl weniger um die Glorifizierung der erlebten Kriegsgeschehnisse, als vielmehr um die soziale Versorgung der Kriegsheimkehrer, die als Verletzte oder Invaliden in die Heimat zurück-kehrten, ohne hier eine staatliche Hilfe erwarten zu können“, sagt der Hobbyhistoriker. „Ich weiß von vielen alten Grebendorfer Familien, dass der Verein sich um die Rückkehrer kümmerte und dafür sorgte, dass sie wieder in der Gemeinschaft Fuß fassten“, sagt Kleditzsch.

Die rekrutierten als auch die freiwillig gemeldeten Soldaten kamen meist aus einfachen Familien und hatten nach ihrer Heimkehr kaum eine berufliche oder auch gesellschaftliche Perspektive. Hier fanden sie in den Vereinen Hilfe und Unterstützung, um ihre prekären Lebenslagen zu meistern.

Zu den Gründern gehörte der Marmeladenfabrikant Otto Schilbe

Gründer und auch lange Zeit Vorsitzender des Vereins war der Grebendorfer Marmeladenfabrikant Otto Schilbe, der auch das Marmeladenschlösschen im Ort baute und bewohnte. Die Feier zum 30-jährigen Bestehen des Grebendorfer Kriegervereins, die vom 2. bis zum 5. September stattfand, fiel im Jahr 1905 auf den 50-sten Geburtstag Schilbes. Dabei entstand auch das Foto mit Schilbes gerahmten Porträt zwischen den anderen Gründern des Kriegervereins.

Dieses Stiftungsfest dürfte wohl auch der Höhepunkt in der Vereinsgeschichte gewesen sein. Zu diesem Ereignis wurde von dem Kriegerverein eine 50-seitige Publikation mit vielen ortshistorischen Informationen herausgebracht.

Wann und unter welchen Umständen sich der Verein letztlich aufgelöst hat, bedarf laut Kleditzsch noch weiterer Recherchen. Hierzu bittet der Arbeitskreis um die Hilfe und Unterstützung aus der Bevölkerung Grebendorfs. Wer noch Bilder oder Dokumente aus vergangener Zeit zu Hause hat, die Grebendorf betreffen, wird gebeten, sie zur Fortschreibung der Ortsgeschichte zur Verfügung zu stellen. Rückgabe und sorgfältige Behandlung der Exponate werden garantiert.

Kontakt: E-Mail: AK-Geschichte-Grebendorf@t-online.de, Richard Kleditzsch, Tel. 0 56 51/ 4536

Alle Mitglieder des 1875 nach dem Deutsch-Französischen Krieg gegründeten Kriegervereins Grebendorf zum Stiftungsfest 1905.
Alle Mitglieder des 1875 nach dem Deutsch-Französischen Krieg gegründeten Kriegervereins Grebendorf zum Stiftungsfest 1905. © Privat
Die Gründerväter des Kriegervereins Grebendorf im Jahr 1905.
Die Gründerväter des Kriegervereins Grebendorf im Jahr 1905. Der Mann in dem gerahmten Bild ist der Marmeladenfabrikant Otto Schilbe, der an diesem Tag seinen 50.. Geburtstag feierte. © Privat

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