Vertrauen wie am ersten Tag

Dr. Joachim Kirch führt seit 25 Jahren die Meißner-Apotheke

Ein weißhaariger Mann steht an einer Treppe vor einer Apotheke.
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Leitet in dritter Generation die Apotheke in Abterode: Dr. Joachim Kirch.

In diesem Jahr führt Dr. Joachim Kirch die Meißner-Apotheke schon 25 Jahre.

Abterode – „Mein Opa baute früher Arzneipflanzen im Garten an, die er nach Rezept vom Arzt frisch zusammenrührte“, erzählt Dr. Joachim Kirch. Inzwischen sei das kaum vorstellbar. Nicht nur die Ansprüche an Medikamente und deren Wirkstoffe hätten sich geändert, sondern auch die Herstellungsmöglichkeiten. Kirch führt in dritter Generation die Meissner-Apotheke in Abterode. In diesem Jahr kann er sogar ein Jubiläum feiern: Vor 25 Jahren hat der 56-Jährige mit seiner Frau Ulrike Kirch die Apotheke in der Gemeinde Meißner übernommen.

Welches die größte Veränderung in dieser Zeit war? Die Rabattverträge der Krankenkassen mit den Herstellern der Arzneimittel, antwortet der Apotheker. Dabei verpflichten sich die Krankenkassen, ihren Versicherten bestimmte Arzneimittel bevorzugt auszugeben. Das ist für die Kassen günstiger. Doch weil alle zwei Jahre diese Verträge neu ausgeschrieben würden, wechsele auch oft der Hersteller des Medikaments. Das führe nicht nur zu Diskussionen mit den Patienten, die Verwechslungsgefahr steige. „Wer eine blaue statt eine gelbe Pille nehmen muss, muss sich umgewöhnen“, sagt Kirch.

Vertrauensposition der Apotheker ungebrochen

Nichts verändert habe sich in all den Jahren an der Vertrauensposition der Apotheker, so Kirch, der gebürtig aus Meißner stammt. „Viele Patienten sagen, bevor ich mich beim Arzt in das Wartezimmer setze, gehe ich lieber zur Apotheke.“ Gerade bei banalen Krankheiten sei das auch für Ärzte hilfreich. „Die Betreuung und Beratung vor Ort kann eine Onlineapotheke nicht ersetzen“, sagt Kirch, der schon als Kind mit seiner Mutter mitgefahren sei, wenn diese Botendienste erledigte – also bestellte Medikamente in Abterode auslieferte. „Wir wissen, bei wem wir zweimal klingeln müssen, weil diese Person schwerhörig ist oder ob wir die Arzneimittel bei der Tochter abgeben können, die zwei Häuser weiter wohnt.“ All diese Dinge könne ein Mitarbeiter beim Paketdienst nicht wissen. Grundsätzlich sei für Kirch klar gewesen, dass er die Apotheke seiner Eltern irgendwann übernehmen werde. Doch in den zehn Jahren, die er an der Uni in Würzburg studierte, im Allgäu sein Praktikum machte und anschließen erneut nach Würzburg an die Uni zurückkehrte, um dort zu arbeiten und seine Doktorarbeit zu schreiben, waren für ihn und seine Frau auch andere Lebenswege vorstellbar. „Ausschlaggebend war für uns, dass wir selbst entscheiden wollten“, erinnert sich Kirch. Seine Frau, die vom Fach war, arbeitete bereits in Würzburg in einer Apotheke.

Wenig Freizeit übrig

Freizeit bleibe da allerdings wenig, erzählt der zweifache Vater. Besonders in den vergangenen zwölf Monaten sei durch die Coronapandemie mehr Arbeit, mehr Verantwortung und Improvisation dazugekommen. So sei in den beiden Apotheken der Kirchs, in Meißner und Eschwege, Desinfektionsmittel selbst hergestellt worden, weil es einfach keins mehr auf dem Großmarkt gab.

„Wir mussten aber erst mal wissen, was wir dürfen und was nicht.“ Am Ende habe er dann Alkohol bei einer Firma bestellt, die sonst Brennstoff für Kamine herstellt. Auch bei Handschuhen beschritt der Apotheker ungewohnte Pfade und bestellte diese bei einem Unternehmen, das ansonsten an Tattoostudios lieferte. Die vergangenen Monate seien eine enorme Herausforderung gewesen. Hanna Maiterth

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