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Vier-Tage-Woche bei Firma Franz Rönnau ein Erfolg

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Von: Wiebke Huck

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In der Werkstatt: Firmenchefin Marie-Antoinette Schleier und Metallbaumeister Frederik Smerling. Die Firma arbeitet seit einem Jahr nur noch vier Tage in der Woche.
In der Werkstatt: Firmenchefin Marie-Antoinette Schleier und Metallbaumeister Frederik Smerling. Die Firma arbeitet seit einem Jahr nur noch vier Tage in der Woche. © Wiebke Huck

Ein drei Tage langes Wochenende – Freitag, Samstag und Sonntag frei – das macht die 4-Tage-Woche möglich. Während das Modell in Schweden schon seit Jahren erfolgreich umgesetzt wird, ist es in Deutschland noch nicht weit verbreitet.

Hessisch Lichtenau – Doch immer mehr Länder ziehen nach. Im Februar hat die Belgische Regierung die Einführung der 4-Tage Woche beschlossen und auch Spanien und Island testen das Konzept jetzt. In Hessisch Lichtenau wird bei der Metallbau-Firma Franz Rönnau schon seit einem Jahr freitags nicht mehr gearbeitet. Firmenchefin Marie-Antoinette Schleier hat die Vorteile der 4-Tage-Woche früh erkannt: zufriedene und leistungsfähige Mitarbeiter. Einer von ihnen ist Metallbaumeister Frederik Smerling. Der 31-Jährige sagt, er sei anfänglich skeptisch gewesen, ob das Konzept funktioniert. „Meine Kollegen und ich dachten nicht, dass wir unsere Arbeit, die wir ursprünglich an fünf Tagen erledigt haben, künftig an nur vier Tagen schaffen können“, sagt er. Das von Marie-Antoinette Schleier erdachte Modell sieht vor, dass ihre Mitarbeiter von montags bis donnerstags eine Stunde länger arbeiten und so vier der acht Arbeitsstunden vom Freitag vorarbeiten.

Weniger Krankheitstage

Die verbleibenden vier Stunden schenkt sie ihren Mitarbeitern und damit geht es am Donnerstagabend ins lange Wochenende. Vier Stunden weniger Arbeit, doch das Gehalt bleibt gleich. Aber wie ist es möglich, das gleiche Pensum in 36 statt ursprünglich 40 Stunden zu schaffen? „Im Vergleich zu früher bin ich montagmorgens deutlich ausgeruhter“, sagt Frederik Smerling. Der zusätzliche freie Tag würde sich bemerkbar machen. Nicht nur bei ihm, auch seine Kollegen sind mit dem Modell sehr glücklich, berichtet er.

Die Krankheitstage sind zurückgegangen und die Mitarbeiter motivierter. „Wir haben unsere Arbeit schon immer gewissenhaft und gerne gemacht, sind aber jetzt einfach leistungsfähiger“, so der Metallbaumeister weiter. „Man belohnt sich selbst, wenn man fleißig arbeitet, das ist nicht nur effektiv, sondern auch ein gutes Gefühl“, sagt er. Das bestätigt auch Marie-Antoinette Schleier. Sie sieht in dem Konzept der 4-Tage-Woche nur Vorteile, auch für die Firma. Anfänglich war nur die Werkstatt freitags nicht besetzt. Im Büro wechselten sich die Mitarbeiter ab, sodass die Firma für Kunden erreichbar blieb. „Als wir aber gesehen haben, wie gut die 4-Tage-Woche funktioniert und wie positiv die Kunden damit umgehen, haben wir auch das Büro freitags nicht mehr besetzt“, so Schleier.

Drei Monate lang wollte sie das Konzept vorerst testen. Nach dieser Zeit hatten sich aber alle schon so daran gewöhnt, ihre Arbeitsabläufe optimiert und auch die Kunden überzeugt, sodass es keine Frage war, die 4-Tage-Woche beizubehalten. „Wir haben am Anfang gesagt, wenn wir am Donnerstag eine Baustelle nicht fertig bekommen, kommen wir eben ausnahmsweise auch am Freitag, das hat die Chefin aber direkt verboten“, so Smerling.

„Wenn ich sowas mache, dann richtig. Und um beurteilen zu können, ob etwas funktioniert, darf es keine Ausnahmen geben“, sagt Marie-Antoinette Schleier. Sie könne jedem ihrer Kollegen nur empfehlen, den Schritt zu wagen und die 4-Tage-Woche auszuprobieren. Natürlich bräuchten alle etwas Zeit sich daran zu gewöhnen, aber mit ein bisschen Organisation gebe es für einen Betrieb nichts besseres, sagt sie.

Novum im Werra-Meißner-Kreis

Im Werra-Meißner-Kreis steht die Geschäftsfrau damit allerdings noch recht alleine da. „Ich kenne keinen weiteren Betrieb im Kreis, der schon so arbeitet“, so Marie-Antoinette Schleier. Sie sei sich aber sicher, dass das die Zukunft sei. Ein weiterer, gerade in der jetzigen Zeit nicht zu unterschätzender Vorteil sei die Einsparung von Energiekosten. An nur noch vier und nicht mehr wie bisher fünf Tagen muss in der Firma geheizt werden und laufen Maschinen, die Strom verbrauchen. Auch die Fahrzeuge stehen am fünften Tag auf dem Hof, die Mitarbeiter müssen nicht, teils weite Strecken mit dem Auto zur Arbeit fahren.
(Wiebke Huck)

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