Vögel kämpfen mit Bakterien

Naturschutzbeauftragtem der Stadt Sontra bereitet die Entwicklung Sorgen

Eine Blaumeise sitzt aufgeplustert auf einem Ast.
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Die Vögel sollen gezielt bei der Brut unterstützt werden.

Der Naturschutzbeauftragte der Stadt Sontra musste im letzten Jahr 28 tote Brutvögel in seinen Nistkästen verzeichnen, so viele wie noch nie.

Sontra – Die Statistik bereitet Karl-Heinz Gieseler Bauchschmerzen. „Je weniger Vögel es gibt, desto mehr Schadinsekten gibt es. „Die Qualität der Früchte nimmt ab und die Bäume gehen viel eher ein“, nennt Gieseler die Folgen.

Der 74-Jährige Naturschutzbeauftragte der Stadt Sontra hat im März 2020 neun Blaumeisen tot aufgefunden. Aber damit nicht genug. Bei der ersten Kontrolle seiner Nistkästen im April fand Gieseler noch mehr Kohlmeisen und einen Kleiber. Der Auslöser ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bakterium gewesen, das sogenannte suttonella ornithocola: „Es verursacht bei infizierten Vögeln eine Lungenkrankheit. Bei Laboruntersuchungen wurden typische Symptome für Lungenentzündungen festgestellt. Teilweise wird auch der Verdauungstrakt angegriffen.“ Bisher sind keine Berichte von Infektionen mit diesem Bakterium bei Menschen oder anderen Säugetieren bekannt. Bis sich der Vogelbestand wieder erholt, wird es Jahre dauern, meint Gieseler, der nun seine acht Brutreviere mit Nisthilfen ausdünnt. „Frei gewordene Nistkästen werden in anderen Waldbereichen angebracht.

Gezielte Fütterung

Das Ziel ist, in großer Umgebung so viel Bruten wie möglich zu bekommen“, so Gieseler, der unmissverständlich klarmachte: „Viele Vögel sind Teilzieher und lassen sich an anderen Stellen wieder nieder.“

Naturschutzbeauftragter Karl-Heinz Gieseler.

Eine zielgerichtete Fütterung soll helfen, das Artensterben zu bremsen: „Wenn die Vögel wohlgenährt sind, dann sind sie widerstandsfähiger und können sich viel eher vermehren.“ Um dieses Vorhaben umzusetzen, greift Gieseler, der seit 35 Jahren wissenschaftlich Ornithologie betreibt, auf eine alte Silo-Fütterung zurück. „Diese Fütterungsmethode habe ich in meiner Jugendzeit erlernt. 1958 wurde die Fütterung vom Lehrer Feiertag und dem ersten Vogelschutzbeauftragten Baum geplant. Wir Jugendliche haben diese Fütterung dann in der Praxis umgesetzt.“ Die erste Fütterung dieser Art wurde unterhalb des Andreasberges, unweit der Elfengrotte, errichtet und mit Sonnenblumenkernen, Fett und Meisenknödeln bestückt.

In den folgenden Jahrzehnten renovierte Gieseler die Fütterungsstelle und beobachtete an der Futterstelle die Vogelpopulation genau: „An den jetzigen Standorten kann man auch einige Vogelarten beobachten, doch bei Weitem nicht so viele wie am Andreasberg. Leider ist der Zugang am Mühlberg nach einer Waldwirtschaftsmaßnahme seit über vier Jahren nicht begehbar.“ Marvin Heinz

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