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Vogel des Jahres brütet nicht mehr im Werra-Meißner-Kreis

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Das Braunkehlchen war früher ein häufiger Vogel in der Region, ist aber inzwischen hier praktisch ausgestorben.
Das Braunkehlchen war früher ein häufiger Vogel in der Region, ist aber inzwischen hier praktisch ausgestorben. © Imago

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) zum Vogel des Jahres 2023 ausgerufen. Im Werra-Meißner-Kreis kommt er so gut wie nicht mehr vor.

Werra-Meißner – Dabei platzierte sich der etwa sperlingsgroße Wiesenvogel bei einer Publikumsabstimmung mit deutlichem Abstand vor seinen gefiederten Konkurrenten – Feldsperling, Neuntöter, Trauerschnäpper und Teichhuhn.

Der Vogel des Jahres soll meist auf eine bedrohte Vogelart und deren Lebensräume aufmerksam machen. Das Braunkehlchen war 1987 schon einmal Vogel des Jahres. Als Bewohner extensiv bewirtschafteter Wiesen und Weiden gehört das Braunkehlchen zu den ehemals weit verbreiteten Vögeln der Kulturlandschaft, leidet aber ganz besonders unter der Nutzungsintensivierung im Grünlandbereich.

Vorkommen im Werra-Meißner

Bis Mitte der 1980er Jahre war das Braunkehlchen in den Tälern von Werra, Wehre und Losse, aber auch auf der Hochfläche bei Hessisch Lichtenau und auf dem Ringgau bei Renda weit verbreitet. In dieser Zeit wurde sogar eine leichte Bestandszunahme registriert. In der Folgezeit kam es dann – wie in ganz Hessen – zu einer raschen Abnahme, und heute dürfte es im Werra-Meißner-Kreis keine brütenden Braunkehlchen mehr geben.

Dennoch kann man die bunten Vögel auch in den Feldgemarkungen unseres Kreises alljährlich auf dem Frühjahrszug im April und Mai und auf dem Herbstzug im August und September regelmäßig beobachten, wenn die Braunkehlchen in kleinen Trupps auf den Feldern rasten. Dabei sitzen sie oft auf der Spitze von Feldpflanzen (z.B. Raps) oder Stauden.

Vorkommen in Hessen

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt das Braunkehlchen als in ganz Hessen weit verbreitet. Und noch um 1980 wurde der kleine Vogel auf vielen Wiesen und Weiden regelmäßig als Brutvogel angetroffen. Dann kam es zu dramatischen Bestandseinbrüchen.

Das größte Vorkommen des Braunkehlchens in den westlichen Bundesländern existiert derzeit im Westerwald, im Dreiländereck der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Vorkommen in Europa

Der Bestand der in Europa lebenden Braunkehlchen wird auf insgesamt 5,4 bis zehn Millionen Brutpaare geschätzt, davon mehr als die Hälfte in Skandinavien und Russland. Das Braunkehlchen ist europaweit nicht als gefährdet eingestuft.

Für Deutschland werden insgesamt 19.500 bis 35.000 Brutpaare geschätzt, deren Zahl seit Jahren massiv rückläufig ist. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird das Braunkehlchen als „stark gefährdet“ eingestuft. (Dr. Jörg Brauneis)

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