Im Naturschongebiet

Vogelschützer entdecken zwei Sterntaucher auf dem Werratalsee bei Eschwege

Dieser Sterntaucher ist einer von Zweien, die sich am Wochenende auf dem Werratalsee bei Eschwege aufgehalten haben.
+
Dieser Sterntaucher ist einer von Zweien, die sich am Wochenende auf dem Werratalsee bei Eschwege aufgehalten haben.

Seit Mitte letzter Woche rasten Sterntaucher auf dem Werratalsee bei Eschwege. Wir stellen die seltenen Gäste des Werratals vor.

Eschwege – Nachdem Vogelbeobachter am vergangenen Donnerstag erst einen dieser seltenen, nordischen Taucher auf dem See entdecken konnten, waren es am Wochenende dann sogar zwei Sterntaucher, die sich im Naturschongebiet am Werratalsee aufhielten.

Sterntaucher sind fast alljährlich im November und Dezember auf den Kiesteichen im Werratal zu beobachten. Im November 2015 waren sogar einmal drei dieser großen Seetaucher auf dem Werratalsee.

Sterntaucher brüten in der nordischen Taiga und Tundra meist auf kleinen Moorseen. Von dort aus fliegen sie zu großen Seen oder zum Meer, um dort kleine Fische zu fangen. Das Brutgebiet erstreckt sich bis an den Rand der arktischen Eiswüste. Aber schon im Norden Irlands, Schottlands und Skandinaviens gibt es Brutvorkommen der Art. Der überwiegende Teil der europäischen Sterntaucher lebt in den unendlichen Weiten des nördlichen Russlands.

Sterntaucher werden knapp 70 Zentimeter lang und erreichen eine Spannweite von bis zu 1,10 Meter. Sie sind damit die kleinste Art der Gattung Seetaucher. Andere Arten aus dieser Gattung, die selten als Wintergäste bei uns am Werratalsee auftauchen, sind der Prachttaucher und der Eistaucher.

Der Name Sterntaucher bezieht sich auf einen leuchtenden, braunroten Halsfleck, der die Vögel im Prachtkleid (Brutkleid) unverwechselbar macht. Solche auffallenden Flecken werden bei Tieren oft als „Stern“ bezeichnet. Die Sterntaucher auf dem Werratalsee tragen jetzt natürlich das weiß-graue Winterkleid (Schlichtkleid).

Sterntaucher überwintern in Europa vor allem in der westlichen Ostsee, in der Nordsee und an der Atlantikküste von Norwegen bis zur Biskaya.

In Europa gibt es laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN Bestandsrückgänge gegenwärtig nur noch selten. Ansonsten ist der Bestand stabil oder nimmt wie in Großbritannien sogar leicht zu. Verglichen mit der Situation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Brutbestand heute aber deutlich niedriger. Gefährdungsursachen sind vor allem Habitatverschlechterungen durch Versauerung, Eutrophierung und Schadstoffbelastung sowie Verbauung der Gewässer und Störungen während der Brutzeit.

Der Werratalsee mit seiner über einen Quadratkilometer großen Wasserfläche ist in der sonst an Gewässern armen, nordhessischen Mittelgebirgslandschaft geradezu ein Magnet auch für nordische Vogelarten. Er ist eines der bedeutendsten Rast- und Überwinterungsgewässer im nordöstlichen Hessen. (Dr. Jörg Brauneis)

Unser Autor

Dr. Jörg Brauneis (60) ist in erster Linie Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Eschwege und in zweiter Linie Naturschützer. Er studierte erst Biologie in Gießen und dann Humanmedizin in Göttingen. In seiner Freizeit widmet er sich der Vogelkunde und geht gerne jagen. Brauneis ist außerdem im Vorstand des Jagdverein Hubertus engagiert. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.