Zerstört und wieder aufgebaut

Vom Doppelkloster zur Scheune: Einblick in die Geschichte des Refektoriums in Germerode

Zerstört nach einem Brand: Etwa 25 Jahre war das Refektorium Wind und Wetter ausgesetzt und musste gesperrt werden.
+
Zerstört nach einem Brand: Etwa 25 Jahre war das Refektorium Wind und Wetter ausgesetzt und musste gesperrt werden. Repro: Rolf Nickel/nh

Es war ein Schweinestall, ein Wohnhaus, eine Scheune: Das Refektorium hinter der Kirche im Meißner-Ortsteil Germerode hatte viele Funktionen. Ein Blick in die Geschichte.

Germerode – Wohnhaus, Schweinestall und Scheune: Das Refektorium hinter der Kirche im Meißner-Ortsteil Germerode hatte viele Funktionen, bevor es im März 1939 durch einen Brand schwer beschädigt wurde. Gebaut wurde der Gebäudekomplex 1144, wie sich aus dem WR-Archiv entnehmen lässt. Errichtet wurden die Gebäude als Doppelkloster von den Prämonstratensern.

Ein Reformorden, deren Mitglieder nicht Mönche und Nonnen heißen, sondern Chormänner und -frauen. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde der jedoch aufgelöst, die Chormänner mussten gehen.

Doch wie ging es mit dem Refektorium weiter? Aufschluss gibt die Chronik „800 Jahre Germerode“ aus dem Jahre 1986. Dort heißt es: „Das Nonnen-Wohnhaus wurde noch vor 1600 von der landgräflichen Vogtei zu einer Scheune umgestaltet durch den Einbau von zwei großen Scheunentoren an der Ostseite.“ Zum Schweinestall sei das Gebäude 1880 geworden. Ein preußischer Domänenpächter war verantwortlich für diesen Umbau.

Das Refektorium des ehemaligen Klosters in Germerode heute.

Dabei wurde die Holzzwischendecke durch eine preußische Kappendecke ersetzt. Außerdem wurde an der Westseite ein großes Tor eingebaut und zusätzliche Backstein- und Holzbauten angefügt. Laut der Chronik wurde 50 Jahre später (1930) die Domäne aufgelöst. Der Raum diente Familien ohne Scheune als Strohlager. Im März 1939 brannte das ehemalige Nonnen-Wohnhaus dann. Durch die „ungeheure Hitzeentwicklung“, wie es heißt, verbogen sich die Außenmauern so stark nach außen, dass die oberen Fenster herunterstürzten.

Lange verfiel das ehemalige Refektorium immer weiter. Die marode Ruine musste schließlich von der Polizei wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Erst ab den 1960er-Jahren wurde schrittweise der gesamte Komplex instand gesetzt. Um das Jahr 1986 sei „die Hauptsache“ abgeschlossen worden. Das Refektorium wurde von 1967 bis 1969 auf Vordermann gebracht. Im Nordteil wurde eine Friedhofskapelle und im Atrium eine Gedächtnisstätte für die Gefallenen beider Weltkriege geschaffen. Die Wiederherstellung des Dachstuhls und des Innenausbaus mit Zwischendecke und Treppe erfolgte Anfang der 1990er-Jahre.

Kirchturmuhr: Sie war eine Spende in Gedenken an einen im Krieg gefallenen Sohn.

Die Uhr am Kirchturm stammt übrigens ursprünglich aus dem Jahr 1934. Sie wurde vom Ehepaar Karl und Mathilde Sippel zur Erinnerung an ihren im Krieg gefallenen Sohn gestiftet. 1984 wurde die Kirchturmuhr modernisiert und „ihre Ziffernblätter erhielten neuen Glanz“, wie es in der Chronik heißt.  mai

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.