Anfangs reiner Fußballverein

Rückblick auf 100 Jahre SV Blau-Weiß Frankershausen: Angefangen hat alles mit Fußball

Freundschaftsspiel mit dem Bundesligisten des VfL Bochum: 1000 Zuschauer kamen an diesem Tag zum 60-jährigen Vereinsjubiläum, um das Spiel der Frankershäuser gegen die Profis zu sehen.
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Freundschaftsspiel mit dem Bundesligisten des VfL Bochum: 1000 Zuschauer kamen an diesem Tag zum 60-jährigen Vereinsjubiläum, um das Spiel der Frankershäuser gegen die Profis zu sehen.

Sein 100-jähriges Jubiläum feiert der SV Blau-Weiß Frankershausen in diesem Jahr. Wir blicken auf die Historie des Sportvereins.

Frankershausen – Den Sportverein Blau-Weiß im Berkataler Ortsteil Frankershausen gibt es nun seit einem Jahrhundert. Der Verein zeichnet sich heute insbesondere durch das vielfältige Angebot aus, das für jedes Alter und jeden Geschmack eine Sportart in petto hat: Von Kinderturnen über Zumba und Fit-Dance, Seniorensport, Radsport, Mutter-Kind-Turnen und Volleyball bis hin zum Wandern.

„Wir bieten für fast jeden Geschmack etwas an“, sagt Sabrina Lenz vom sechsköpfigen Vorstandsteam, die die Sparte Kinderturnen koordiniert. Mit ihr an der Spitze stehen Lutz Bergner, Matthias Dix, Ralf Dix, Petra Schill und Frank Wilhelm. Unterstützt wird das Vorstandsteam von den zahlreichen Abteilungsleitern der insgesamt 15 Sparten sowie dem Ältestenrat um Lothar Friederich und Gustav Dreyer. Doch auch wenn der SV Blau-Weißheute eine bunte Bandbreite an unterschiedlichen Sportabteilungen und rund 500 Mitglieder zählt, die Anfänge sahen ganz anders aus.

Kinderturnen früher und heute: Links beim Festumzug in Frankershausen vor 25 Jahren anlässlich des 75-jährigen Jubiläums. Rechts ist die aktuelle Kinderturngruppe mit den Betreuerinnen zu sehen.

Nur den Ball im Blick

„Die ersten 50 Jahre war der SV Blau-Weiß eigentlich ein reiner Fußballverein“, weiß Ottmar Zimmermann, ehemaliger Vorsitzender. Der 67-Jährige ist bereits seit 50 Jahren Mitglied im Verein und hat von 1987 bis 2007 zwei Jahrzehnte Vereinsvorsitz auf dem Buckel.

Ganz am Anfang im Jahr 1920 gab es eigentlich nicht viel, außer dem Wunsch einiger Frankershäuser Jugendlicher, gemeinsam Fußball zu spielen. Gesagt, getan. Der gerade einmal 18 Jahre alte Wilhelm Hollstein übernahm den Vorsitz.

Die Verhältnisse damals waren noch einfach: Fußball gespielt wurde auf schlecht gemähten, holprigen Wiesen, mit einfachen Pfosten ohne Netz als Tor, in einfachen Hemden und in Arbeitsschuhen. Die Auswärtsspiele fanden in den Nachbarorten statt, wo die Spieler häufig zu Fuß hingingen.

1922 zählt der Verein kurz nach der Gründung schon 30 Mitglieder, 1922 erreichten die Fußballer den dritten Platz in der Serie. 1924 errang die Mannschaft die Meisterschaft in der C-Klasse und stieg auf.

Vom Krieg gezeichnet

Der Zweite Weltkrieg brachte den Vereinsbetrieb 1933 größtenteils zum Erliegen, viele Spieler mussten in den Kriegseinsatz, viele wurden verwundet oder getötet. Am Ende untersagte die Diktatur den Vereinsbetrieb vollständig. Diesen Zeiten zum Trotz baute der Verein im Jahr 1939 dann einen eigenen Fußballplatz. Gegen Ende des Krieges im Jahr 1945 galt es, den Verein, der quasi nicht mehr existent war, neu aufzubauen.

Ab 1947 kam der Spielbetrieb Schritt für Schritt wieder in Gang, die erste Mannschaft mischte an der Spitze mit. Es gab wie die B-Klassenmeisterschaft 1964, gegen Gegner wie Melsungen kamen schon mal 700 Zuschauer, vor 1000 Zuschauern gewannen die Fußballer gegen Eschwege 07 den Landrat-Höhne-Pokal. Mit seinen 48 Toren wurde Franz Krippner „Sportler des Jahres 1966“. Die gemischte Jugend gewann 1965 die Kreismeisterschaften.

Zeit des Umschwungs

Gegen Ende der 1960er-Jahre ebbte der sportliche Erfolg nach und nach ab, viele Spieler beendeten ihre Fußballkarriere. Es folgte der Abstieg aus der Bezirksliga in die A-Klasse. 1972 wurde neben dem Fußball erstmals eine weitere Sparte gegründet: Dr. Harald Mildner, damals Arzt in Frankershausen, etablierte die Leichtathletik- und Gymnastikabteilung. Dazu kam wenig später die Abteilung Damengymnastik von Ursula Schmid und Elfi Gerlach.

Bald wurde auch Volleyball mit ins Programm genommen. „Das war eigentlich erst ein Pausenfüller“, erzählt Ottmar Zimmermann. „Daraus hat sich eine richtig gute Mannschaft entwickelt, die große Erfolge nach Frankershausen holte.“

In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Abteilungen hinzu. Zum 60. Vereinsbestehen konnte der Sportverein die Spieler des VfL Bochum in Frankershausen zum Freundschaftsspiel zu buchen. Bei über 1000 Zuschauern schlugen sich die Frankershäuser mit einem 3:9 gegen den Bundesligisten wacker.

Gemeinsame Aktionen

Bald zählte der SV Blau-Weiß viele Sparten. „Wir wollten aber nicht nur der Träger verschiedener Abteilungen sein, sondern eine Sportgemeinschaft“, betont Vorstandssprecher Dr. Lutz Bergner heute.

Bei einer geselligen Runde kamen Bergner, Holger Franke und Rolf Sennhenn im Jahr 2009 auf eine Idee, die mittlerweile Tradition in Berkatal hat: Der sogenannte Frankershäuser Vierkampf war geboren. Das  abteilungsübergreifende Sportfest in Zusammenarbeit mit dem Schützenverein Edelweiß ist eine Mischung aus Biathlon und Triathlon, wobei die Teilnehmenden laufen, schwimmen, Rad fahren und auf eine Biathlonanlage schießen müssen. „Beim ersten Mal waren wir alle noch aufgeregt, ob das alles so klappt“, sagt Bergner.

Seitdem fand der Vierkampf siebenmal statt. Und: Daraus ist auch der Kindertriathlon entstanden, der erstmals 2012 stattfand. Beim Kinderturnen zählte man damals gut 40 Kinder. Hinzu kam auch das Mutter-Kind-Turnen.

Festveranstaltung

Wie die meisten Vereine hat die Coronapandemie auch den SV Blau-Weiß getroffen, das Vereinsleben pausierte. Der Vorstand ist sich aber einig: „Wir sind glimpflich davongekommen und wollen jetzt positiv nach vorne schauen“, sagt Niklas Schindewolf, Leiter der Fußballabteilung, die heute eine Spielgemeinschaft mit der TSG Kammerbach und dem SV Eintracht Hitzerode pflegt. Als nach den Lockdowns die ersten Trainings wieder anstanden, nahmen so viele teil wie noch nie, erzählt er. So war es auch bei den anderen Sparten. „Abteilungsübergreifend waren alle froh, dass wir uns wieder treffen konnten. Der Sportverein nimmt für das Leben in unserem Ort einen wichtigen Stellenwert ein.“

Nach der Coronabremse wollen alle Abteilungen dem Verein wieder leben einhauchen. Den Anfang machen nun mehrere Festveranstaltungen zum Jubiläum.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums SV Blau-Weiss 1921 finden folgende Veranstaltungen statt:

Festakt am Samstag, 11. September: Alle Berkataler, SV-Mitglieder, Freunde und Gönner sind am Samstag zum Festakt eingeladen. Beginn ist um 17 Uhr auf dem Sportgelände in Berkatal-Frankershausen , Am Sportplatz 1. Auf dem Programm steht ein Rückblick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Vereins. Es gibt sportliche Darbietungen aus dem Vereinsleben und viele Möglichkeiten zum gemeinsamen Austausch. Auch zahlreiche Ehrengäste werden begrüßt, unter anderem Peter Beuth Minister für Inneres und Sport des Landes Hessen.

Wanderung am Sonntag, 12. September: Am Tag nach dem Festakt findet in Frankershausen Jubiläumswanderungen statt. Eine kurze geführte Wanderroute ist sechs Kilometer lang und führt durch das Naturschutzgebiet der Hie- und Kripplöcher. Es gibt mehrere Startzeiten, halbstündig zwischen 9.15 und 10.45 Uhr.

Die lange Wanderrunde führt durch das malerische Höllental mit einigen Zwischenstopps, etwa an der Ruine Bilstein. Ziel beider Wanderungen ist am Ende wieder die Mehrzweckhalle Frankershausen, wo Essen und Getränke auf die Wanderer warte, ebenso wie ein Kinderprogramm für die Jüngsten. Dort klingt der Tag gemütlich aus.

Von Jessica Sippel

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