Hilfe für Flutopfer

Hilfe nach der Flutkatastrophe: Datteröder Stefan Meister ist seit Wochen in Ahrweiler

Unglaubliche Zerstörung: Die Helfer vor Ort könnten noch mehr Unterstützung gebrauchen.
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Unglaubliche Zerstörung: Die Helfer vor Ort könnten noch mehr Unterstützung gebrauchen.

Der aus Datterode stammende Medizinstudent Stefan Meister nutzt die Semesterferien, um den Flutopfern von Ahrweiler zu helfen.

Datterode – Das Ausmaß der Katastrophe sei eigentlich nicht in Worte zu fassen. Das sagt der aus Datterode stammende Stefan Meister, der in Göttingen Medizin studiert und im Verlauf seiner Semesterferien nun schon seit drei Wochen in der Grafschaft Ringen im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz die Ärmel hochkrempelt und von morgens bis abends unter Dauerbelastung steht.

Es fehle an allem, auch der Fachkräftemangel reihe sich da nahtlos ein.

Spontane Hilfe

Die bewegenden Bilder der Hochwassertragödie haben Stefan Meister beeindruckt. „Ich habe nach meiner letzten Klausur spontan entschieden, meine Sachen zu packen, um zu einem kleinen Glied in der Helferkette zu werden“, sagt der 36-jährige Datteröder. Er hat seinen Caddy mit Lebensmitteln, einer Schlafmatratze, viel Werkzeug sowie den von seinem Vater gespendeten Bohrhammer eingeladen und folgte dem Ruf der Jungs vom sogenannten Ahrweiler Helfer-Shuttle.

Stefan Meister mit seinem Bohrhammer.

Ahrweiler Helfer-Shuttle

Die beiden Freunde Thomas und Marc (Nachnamen sind der Redaktion bekannt) haben privat eine Infrastruktur entwickelt, um die Hilfsmaßnahmen und die Fahrten zu den angestrebten Örtlichkeiten für die ehrenamtlichen Einsatzgruppen, die aus ganz Deutschland kommen, zu koordinieren. Das Duo bringt täglich bis zu 5000 Helfer in die betroffenen Gebiete via Shuttle. Stefan Meister bescheinigt ihnen Perfektion, „obwohl sich die staatliche Hilfe bislang in Grenzen hält.“

Ganz anders die Jungs vom Helfer-Shuttle. „Wir waren mit drei Leuten an einem Brennpunkt und sind nicht vorangekommen. Aber eine kurze Nachricht an die Organisatoren Thomas und Marc reichte, in Windeseile stellten sie einen zehnköpfigen Hilfstross zusammen.“

Hoher Einsatz, viel Dank

Gleich nach seiner Ankunft wurde Stefan Meister mit Essen versorgt und über den Ablauf des Tages informiert, der immer morgens um 8.30 Uhr nach einem starken Kaffee beginnt, ehe die Fahrt an den vorher selektierten Einsatzort führt. Ausgerüstet mit Werkzeug und Gummistiefeln geht es ins Krisengebiet, wo Stefan Meister zunächst reichlich Schlamm von den Straßen schippte. Zahlreiche Schürfwunden an seinen Händen zeugen davon. „Von allen Seiten durften wir uns über nette und dankbare Worte von den Einheimischen freuen.“ Die Menschen seien zu bedauern. „Einerseits haben sie alles verloren, andererseits sind es gesundheitliche Probleme, darunter Magen-Darm-Grippe oder Blutvergiftungen, mit denen sie kämpfen müssen“, berichtet der künftige Arzt. Jedes Haus weise sein eigenes Schicksal vor. Viele Geschäftsleute wüssten nicht, ob sie überhaupt ihre Ladentüren je wieder öffnen werden.

Mehr Hilfe nötig

Viele Häuser seien in einem fürchterlichen Zustand, verlangen Stemmarbeiten an den verschimmelten Wänden, um die Erneuerungen möglich zu machen: Allein 62 Brücken in dem Krisengebiet wurden in Mitleidenschaft gezogen. „Und die vielen Toten sorgen nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei den Helfern für Schockstarre. Er richtet seine Bitte um Hilfe, egal ob finanziell oder materiell, auch an die Einwohner im Werra-Meißner-Kreis.

Die Entscheidung, ob Stefan Meister noch eine vierte Woche hilft, hat er noch nicht getroffen, aber der Hintergrund, dass Jahre vergehen werden, ehe in den beiden Bundesländer wieder Normalität herrscht, könnte ihn da beeinflussen.

Von Harald Triller

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