Ein Glücksfall

Vor 40 Jahren kaufte Manfred Graf Gestüt Altefeld und etabliert bedeutende Pferdezucht

Manfred Graf hat das Gestüt Waldfried im November 1981 von Gräfin von Spreti übernommen, die das Anwesen in den 1960er-Jahren zuvor umfassend renoviert hatte.
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Manfred Graf hat das Gestüt Waldfried im November 1981 von Gräfin von Spreti übernommen, die das Anwesen in den 1960er-Jahren zuvor umfassend renoviert hatte.

Seit 40 Jahren ist Manfred Graf mit seiner Familie Eigentümer des Gestüts Altefeld. Inzwischen sind die Züchterfamilie und das Gestüt hoch dekoriert.

Der 15. November 1981 war der Tag, der das Leben von Manfred Graf verändern sollte. An jenem Sonntag unterschrieb der damals 29-Jährige einen Notarvertrag, der fortan sein Leben bestimmte.

Die Erfolge

Zahlreiche Pferde wurden beim Zuchtverband für deutsche Pferde (ZfdP) Bundessieger. Europameister Rob Roy, Florencia, Ravenna, Dornröschen oder Vienetto sind klangvolle Namen – auch wenn man nicht im Pferdesport zu Hause ist. Der Verband verlieh Manfred Graf in diesem Jahr die Ehrenurkunde. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung zeichnete das Gestüt für seine Zuchterfolge vor zehn Jahren mit der Ehrenplakette in Gold aus. Dabei waren die Anfänge hart.

Die Anfänge

Als die Familie in Altefeld mit der Pferdezucht begonnen hat, musste sie bei null anfangen. „Alle Pferde waren verkauft, wurden in Köln versteigert“, erzählt der Gestütsbesitzer. Das Gestüt wurde ihm am 1. Dezember 1981 von Gräfin von Spreti, die Anfang 2021 verstorben ist und in Altefeld besser als Alexandra Scherping bekannt war, übergeben. Bis die Zucht Früchte trug, vergingen Jahre. Anfang der 1990er-Jahre stellten sich die ersten Erfolge ein. „In der Pferdezucht muss man in Generationen denken“, sagt Graf. Aufgeben war nie eine Option. In dunklen Momenten erinnerte er sich an seine erste Begegnung mit Altefeld im Jahr 1981 zurück. „Altefeld in der Herbstsonne liegend, das war für mich ein Schlüsselerlebnis.“

Anfang des 20. Jahrhunderts als autarke Anlage geplant

In Anlehnung an das Hauptgestüt Trakehnen entstand durch die preußische Gestütsverwaltung in Altefeld Anfang des 20. Jahrhunderts die Anlage, die noch heute den Ansprüchen genügt.

Gebaut wurde ab 1914, eröffnet 1919, als Baumaterial wurden vorwiegend Bruchsteine aus der unmittelbaren Umgebung verwendet. Die Gestütsanlage war so konzipiert, dass sie sich autark versorgen konnte. Die Stallungen und zugehörigen Wärterhäuschen wurden weiträumig über die Gestütsfläche verteilt.

Zeitgleich entstanden die villenartigen Gebäude der Gutsverwaltung – die Residenz des Gutsverwalters wurde besonders prachtvoll ausgestattet. Das Gasthaus St. Georg (jetzt privat), eine Schule für die Kinder der Gestütsmitarbeiter, eine Gärtnerei, eine Försterei, der Tierarzt, eine Schmiede und eine Schäferei machten unabhängig. Die Stromversorgung sicherte die Wasserkraftanlage der mit einer Turbine ausgestatteten Ölbachmühle. Für die Arbeit auf dem Gestüt wurden Hilfskräfte aus den umliegenden Orten angeworben. ts

Das Gestüt heute

Neben der Pferdezucht baute er die Pensionshaltung aus. Es wurden eigene Hengste gehalten, eine Deckstation aufgebaut. Drei Zuchthengste zog er zusammen mit seiner Frau Doris und den vier Kindern, die mit viel Leidenschaft den Betrieb unterstützen, selbst heran. In der erfolgreichen Entwicklung der Zucht und der Pflege des Stutenstammes stecken vor allem das Herzblut von Doris und Elsa Graf, die sich um das Zuchtmanagement und die Ausbildung der jungen Pferde kümmern. Tochter Elsa wurde beispielsweise 2019 mit der prestigeträchtigen Stenbeck-Medaille ausgezeichnet. Mit dieser Medaille werden ausschließlich Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister geehrt, die ihre Abschlussprüfung mit herausragendem Ergebnis absolviert haben.

Zur Feier des Tages darf auch das Pony in die Empfangshalle: (von links) Manfred, Elsa und Doris Graf.

Familie Graf profitierte von den umfangreichen Sanierungsarbeiten der Vorgängerin, hielt das riesige Anwesen fortan top in Schuss. Zur Pferdezucht wurde die Flächen des Gestüts auch landwirtschaftlich betrieben. Von Anfang an wurden nur „wirtschaftseigene Düngemittel“ eingesetzt. Der Verzicht auf chemische Stoffe soll der Umwelt und besonders den auf Gestüt Altefeld befindlichen Pferden und Rindern zum Vorteil sein. 1999 eine wegweisende Entscheidung: Der Betrieb stellte auf ökologische Landwirtschaft um. Heu und Stroh werden selbst produziert. Zusätzlich wurde eine Herde mit Angus-Rindern angeschafft, um die Rentabilität des landwirtschaftlichen Betriebes zu erhöhen.

Lesen Sie auch: Warum das weltberühmte Dressurpferd Totilas Wurzeln in Altefeld hat.

Das Museum

Im gleichen Jahr richteten die Grafs ein Museum auf dem Gestüt ein. Auf rund 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist eine Dokumentation der Altefelder Gestütshistorie zu sehen. Bilder verschiedener Epochen berühmter Pferdemaler, Skulpturen, Sättel, Zaumzeug sowie die architektonische Gestütsentwicklung zeugen von Kleinoden aus der Geschichte rund um das Pferd.

Die Wertschätzung

Neben den zahlreichen Ehrungen und Erfolgen gibt es auch die persönliche Wertschätzung für die Familie Graf. „Der Erwerb des Gestütes durch Manfred W. Graf stellt einen Glücksfall für die Bewahrung des Kulturgutes Pferd in unserem Land dar“, schrieb Breido Graf zu Rantzau als Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung einst. Graf und seiner Gattin Doris sei es zu verdanken, dass wir uns heute noch an diesem Gestüt erfreuen dürften. (Tobias Stück)

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