Vor der Wahl

Mammutaufgaben stemmen: Weißenborn steht vor hohen Ausgaben

Auf dem P15 wandern oder auch Waldbaden: Weißenborn hat für Aktivitäten in der Natur viel zu bieten. Auf dem Bild ist Karl-Ulrich Körtel mit der Seniorengruppe Weißenborn beim Waldbaden zu sehen.
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Auf dem P15 wandern oder auch Waldbaden: Weißenborn hat für Aktivitäten in der Natur viel zu bieten. Auf dem Bild ist Karl-Ulrich Körtel mit der Seniorengruppe Weißenborn beim Waldbaden zu sehen.

Vor der Kommunalwahl am 14. März porträtieren wir alle elf Kommunen unseres Verbreitungsgebiets und den Werra-Meißner-Kreis selbst. Heute: die Gemeinde Weißenborn.

Weißenborn - Hessens kleinste eigenständige Gemeinde Weißenborn zeichnet sich durch den starken Zusammenhalt der Bürger aus. Wesentlich trägt wohl auch das Vereinsleben dazu bei, das in den beiden Ortschaften Weißenborn und Rambach nach wie vor blüht und sogar weiter wächst. Alle Generationen bringen sich hier mit ein.

Weißenborn als lebenswerter Ort mitten im Grünen mit Nähe zur Stadt hat zuletzt auch zahlreiche junge Familien angelockt, wie Bürgermeister Thomas Mäurer berichtet. Allein neun junge Familien haben sich innerhalb der vergangenen ein bis zwei Jahre in der Gemeinde wieder oder neu angesiedelt. Das klingt zunächst zwar nicht viel, für eine so kleine Gemeinde sei das aber auffallend gut. „Der Zuzug ist normalerweise nicht so stark“, sagt Mäurer. Bauplätze müssten nun nach und nach neu erschlossen werden, weil die Nachfrage hoch sei.

Hatte der Schutzschirm die Gemeinde vor einigen Jahren noch fest im Griff, wurde Weißenborn im vergangenen Jahr vom Land aus dem Schutzschirm entlassen. Wegen der Coronakrise allerdings stand Weißenborn ohnehin bereits kurz davor, alle Kriterien für eine Entlassung zu erfüllen. Trotzdem müsse weiterhin wirtschaftlich gut gearbeitet werden. Denn auch wenn Weißenborn die kleinste Gemeinde Hessens ist, bleibt sie nicht von großen Aufgaben verschont. In naher Zukunft stehen „Mammutaufgaben“ an, wie Bürgermeister Thomas Mäurer sie bezeichnet.

Zum einen gilt es, in den Brandschutz zu investieren. Die Feuerwehgerätehäuser sind zu klein für die neuen großen und breiten Fahrzeuge. Ein Anbau beziehungsweise eine Erweiterung der bestehenden Halle in Weißenborn ist baulich aber nicht möglich, so Mäurer. Eine neue Halle muss entstehen, in die dann das neue Fahrzeug hineinpasst, das ebenfalls neu angeschafft werden muss. Das alte ist in die Jahre gekommen.

Doch nicht nur der Brandschutz stellt die Gemeinde vor Herausforderungen, sondern auch die Kläranlagen. Beide Kläranlagen in Rambach und in Weißenborn müssen generalüberholt werden. Sie entsprechen nach einer Betriebsprüfung der Unteren Wasserbehörde nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik und sind entsprechend herzurichten. Ein Konzept muss Mäurer bis 31. März den zuständigen Aufsichtsbehörden vorlegen.

Nach aktuellen Kalkulationen belaufen sich die Kosten für Weißenborn inklusive der Ertüchtigung des Regenüberlaufbeckens auf etwa 75 000 Euro, in Rambach wird mit rund 65 000 Euro gerechnet. „Wir prüfen derzeit, ob es entsprechende Fördertöpfe gibt, aus denen man schöpfen könnte“, sagt Mäurer. Ansonsten muss die Gemeinde die gesamten Kosten alleine stemmen. „In Hessen gibt es deutlich strengere gesetzliche Vorgaben, was das Abwasser betrifft, als im nicht einmal 1000 Meter entfernten Nachbarbundesland“, sagt Mäurer. (Jessica Sippel)

Martin Kliebisch

Martin Kliebisch, SPD

Weißenborn und Rambach wollen wir noch liebens- und lebenswerter gestalten, denn wir sind die Alternative zum Stadtleben. Die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben werden wir im Blick behalten, um eigenständig zu bleiben. Die Förderung der Vereine und Freiwilligen Feuerwehr liegt uns am Herzen, insgesamt der Erhalt der örtlichen Infrastruktur, damit wir auch gute Gastgeber für Besucher sind. Besonders Familien sollen unterstützt werden, damit unsere Heimat Zukunft hat zum Beispiel durch Spielplätze, die als Treffpunkte für Familien gestaltet sind.

Andreas Faber

Andreas Faber, CDU

In der letzten Periode haben wir gemeinsam viel geschafft und darauf wollen wir weiter aufbauen. Wir wollen Eigenständigkeit erhalten und gleichzeitig die interkommunale Zusammenarbeit erweitern. Die ländlichen Kommunen sollten ihre Interessen gegenüber Kreis und Land mehr gemeinsam und gebündelt vertreten. Es kommen große und vor allem teure Aufgaben auf uns zu und dabei muss jedes Projekt besonders auf langfristige Nachhaltigkeit überprüft werden, damit am Ende alle jetzigen und kommenden Generationen gut damit leben können.

Reiner Dietrich

Reiner Dietrich, FWG

Die anstehenden großen Pflicht-Investitionen begrenzen anderes erheblich. Vom Gesetzgeber wäre öfters mehr Augenmaß erforderlich. Dringend notwendig ist Kostenbewusstsein für sinnvolle und nachhaltige Investitionen. Wir wollen uns weiterhin für Gemeinde und Menschen einsetzen und unsere gelebte Gemeinschaft unterstützen – wie die neue Begegnungsstätte als DGH-Ersatz. Wichtig ist der FWG Transparenz und der offene Dialog untereinander, um sachlich die besten Entscheidungen mit Rücksicht auf unsere Mitbürger treffen zu können.

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