Der eine essbar, der andere giftig

Vorsicht vor dem Giftpilz: Saison lockt Sammler in Wälder der Region

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Der eine essbar, der andere giftig: Der Pilzexperte Günther Schier zeigt mit Trüffelhund Scheila an seiner Seite zwei der gängigsten „Zwillings“-Pilze. Rechts hält er einen Grauen Wulstling, der erhitzt essbar ist, links den hochgiftigen Pantherpilz. Aufgrund der Verwechslungsgefahr sollten Laien diese Pilze besser nicht sammeln. 

Werra-Meißner. Die Hochsaison für Pilze ist der Herbst: Obwohl der diesjährige Sommer zu trocken für die meisten Pilze war, sprießen sie pünktlich zum Herbst in den Wäldern.

Der Pilzsachverständige Günther Schier aus Dassel, der an der Volkshochschule in Witzenhausen doziert, führt auf Lehrgängen regelmäßig Gruppen durch die Wälder im Werra-Meißner-Kreis und beobachtet das Pilz-Wachstum.

„Was wir Pilze nennen, sind in Wirklichkeit Fruchtkörper“, erklärt Schier. Der eigentliche Pilz bestehe aus einem unterirdischen Geflecht, das bei ausreichend Bewässerung einen Fruchtkörper bildet. Ein Pilz brauche dabei rund 14 Tage nach einem Regenschauer, um Früchte zu bilden. „Wenn es erst regnet und dann wieder wochenlang trocken bleibt, dann hält das natürlich auch das Pilz-Wachstum auf“, sagt Schier. Feucht-warmes Herbstwetter hingegen seien die idealen Voraussetzungen für alle Pilze.

Doch Vorsicht: Unter der Vielzahl an Pilzsorten befinden sich viele ungenießbare, zum Teil sogar toxische Exemplare. Das Gift der meisten Pilze wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. „Man vergiftet sich mit Pilzen nur, wenn man sie isst“, sagt Schier. Viele Vergiftungssymptome zeigen sich allerdings erst einige Stunden nach dem Verzehr. Je nach Pilzsorte gehören Unwohlsein, Erbrechen, Magenkrämpfen und Organschäden zu den Beschwerden. Tödlich ist der Grüne Knollenblätterpilz, sagt Schier und deutet auf eine Champignon-ähnliche Knolle: „Sein Gift führt zu Leberversagen. Man erbricht sich circa vier bis acht Stunden nach dem Essen des Pilzes. Dann fühlt man sich erst einmal besser, aber das ist trügerisch.“ Die Symptome treten erst derart spät auf, sodass auch das Auspumpen des Magens nicht mehr helfe.

Wichtig sei daher laut dem Sachverständigen eine gute Vorbereitung: Vor allem Laien sollten bei der Pilzsuche stets ein Bestimmungshandbuch dabei haben. Sein Tipp sind Handbücher, die besonders detailliert sind. „Bitte nur einen Ratgeber nehmen, das man auch bewältigen kann. Bücher mit sehr hohen Auflagen bergen die Gefahr, dass dort nur Informationen abgeschrieben, nicht aber aktualisiert wurden“, meint Schier. Es empfehlen sich auch Pilzwanderungen, zum Beispiel durch den Naturpark Meißner, die den Teilnehmern die Pilze näher bringen.

Wer glaubt, einen giftigen Pilz gesammelt oder gegessen zu haben, sollte eine Giftnotrufzentrale wie die Untersuchungs- und Beratungsstelle für Vergiftungen Kassel unter Tel. 05 61/9 18 83 20 oder das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen unter Tel. 05 51/192 40 (Notruf) oder 05 51/38 31 80 (Fachinformation) anrufen.

Wo man wieviele Pilze sammeln darf und wie man sich am besten dafür ausrüsten sollte, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

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