1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Erinnerung in die Zukunft tragen: Vortrag zu individuellem Trauern in Eschwege

Erstellt:

Von: Eden Sophie Rimbach

Kommentare

Zur Erinnerung an einen geliebten Menschen, der gern kochte, wurde bei „Vergiss mein Nie“ aus einem Kochlöffel ein Schmuckstück. Katharina Esser aus Köln stellt die Arbeit des Hamburger Vereins vor.
Zur Erinnerung an einen geliebten Menschen, der gern kochte, wurde bei „Vergiss mein Nie“ aus einem Kochlöffel ein Schmuckstück. Katharina Esser aus Köln stellt die Arbeit des Hamburger Vereins vor. © Eden Sophie Rimbach

„Es ist nicht die Zukunft, die wir uns vielleicht vorgestellt haben, aber es ist eine andere Zukunft, die auch gut sein darf“, sagt Katharina Esser über das Umwandeln von Gegenständen, die an einen verstorbenen Menschen erinnern.

Eschwege – Aus Köln war sie für den Vortrag „Trauerbegleitung – Hilfe in schweren Zeiten“ in die Rolf-Hochhuth-Stadtbibliothek in Eschwege gekommen. Im Rahmen der diesjährigen Themenreihe „Am Ende unseres Weges“ berichtete sie am Mittwochabend von der Arbeit des Hamburger Verein „Vergiss Mein Nie“.

Esser ist freie Trauerrednerin und Veränderungscoach. Durch ein persönliches Erlebnis beschäftigt sie sich unter anderem intensiv mit dem Thema Trauer und lässt sich derzeit bei „Vergiss Mein Nie“ als Trauerbegleiterin ausbilden.

Matthias Heintz von der kirchlichen allgemeinen Sozial- und Lebensberatung des Diakonischen Werks Werra-Meißner erklärte, dass die Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen tief und vielschichtig ist, nicht für jeden Menschen gleich aussehe. Diese vielschichtigen Reaktionen bräuchten auch individuelle und vielschichtige Antworten. Beim Blick auf die Website von „Vergiss Mein Nie“ habe er ein Team gesehen, das dem Thema Trauer auf diese Art begegne.

„Es ist ein sehr lebendiger Ort“, beschrieb Esser das Ladengeschäft in Hamburg-Eimsbüttel, das mittlerweile zum 2013 gegründeten Verein gehört. Deutschlandweit agiere dieser, im Geschäft gebe es Produkte für Trauernde. Diese sind laut Esser lebendig und bunt gestaltet. Oft fehle es Trauernden an Worten, um über ihre Gefühle zu sprechen. Esser findet: „Dann hilft Kreativität.“

Sie erzählte, wie aus dem Pullover einer Verstorbenen, der der Tochter nicht passte, ein Schal zur Erinnerung wurde. Oft gebe es den Wunsch, ein Erinnerungsstück mit in die Zukunft zu nehmen, anstatt keinen richtigen Platz dafür zu haben. Während manche Stücke von den Trauernden vor Ort gefertigt würden, wurde beispielsweise das Umwandeln eines Kochlöffels in ein Schmuckstück an professionelle Anbieter gegeben. Auch Erinnerungsgläser werden beispielsweise mit den Trauernden gestaltet.

Preislich könne man sich die Trauerbegleitung des Vereins wie das Bezahlen nach Seminaren vorstellen, bestätigte sie auf eine Frage. Die Begleiter verstünden sich als eine Art Leitplanke auf dem steinigen Weg der Trauer.

„Was ist Trauer?“, fragte Esser die Zuhörer, deren Antworten von Liebe bis hin zu Einsamkeit reichten. Diese Vielfalt sei ein Grund dafür, dass es bei Trauer kein Patentrezept gebe. Der Verein arbeite unter anderem mit einer Trauerlandkarte, auf der Trauernde ihren Weg beschreiben, die Symbole dort selbst deuten und auch von Umwegen berichten könnten.

Esser betonte, dass man bei Trauer keine Zeitangaben machen könne, was auf Zustimmung stieß. Im Gespräch ging sie auf das passend zum Verstorbenen und den Trauernden umgestaltete Rituale ein, was laut Michael Nowotny vom Caritasverband Werra-Meißner an den Vortrag zu Bestattungsformen aus der vergangenen Woche anknüpfte.

Den Abschluss macht die musikalische Lesung satirischer Geschichten „Der Tod, das muss ein Kasseler sein“. Sie beginnt am Mittwoch, 26. Oktober, um 19 Uhr in den Räumen des Jungen Theaters.

Auch interessant

Kommentare