Pflanze mit vielen Vorteilen

Rund um den Meißner reift der Wacholder

Samenzapfen des Gemeinen Wacholders.
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Brauchen drei Jahre um zu reifen: Samenzapfen des Gemeinen Wacholders.

Sie geben Sauerkraut und Wildbraten eine harzig-aromatische Note, helfen bei Verdauungsbeschwerden und bilden die Grundlage für Gin: Die Samenzapfen des Wacholders, der auf kargen Kalkböden rund um den Meißner gedeiht, reifen im Oktober.

„Die Wacholderheiden, die jahrhundertelang typisch für die Region waren, haben sich mit der Wiederaufnahme der Schafbeweidung in den 90er Jahren erneut entwickelt“, berichtet Christian Bringmann vom Geo-Naturpark Frau-Holle-Land. „Um den Wacholder mit seinen spitzen Nadeln machen Schafe nämlich einen Bogen“, erklärt die Dudenröder Schäferin Monika Timmerberg.

Auf den von Schafen freigehaltenen Magerrasenflächen gedeiht Wacholder: Geo-Naturpark-Mitarbeiter Christian Bringmann an den Hie- und Kripplöchern in Frankershausen.

So kann sich die lichthungrige, aber konkurrenzschwache Pflanze, die sonst immer von anderen Büschen verdrängt wird, gut entwickeln. „Alle paar Jahre müssen wir das immergrüne Zypressengewächs zurückschneiden, damit es nicht seinerseits die von den Schafen freigehaltenen Magerrasenflächen zuwächst“, ergänzt Biologe Bringmann. Das tief wurzelnde Nadelgehölz kann bis zu 600 Jahre alt werden.

Nützlich als Gewürz oder Medikament

Die schwarzbraunen, mit einer Wachsschicht bläuchlich bereiften Samenzapfen, die oft – botanisch nicht korrekt – als Beeren bezeichnet werden, benötigen drei Jahre, um heranzureifen. Vögel wie die Wacholderdrossel fressen sie. Der Mensch nutzt die Samenzapfen, die reich an ätherischen Ölen sind, als Gewürz sowie als Medikament.

„Sie lindern Verdauungsbeschwerden und entwässern“, sagt die Witzenhäuser Heilpraktikerin und Agraringenieurin Ines Fehrmann. Äußerlich angewendet hilft die Pflanze bei rheumatischen Beschwerden. „Schwangere und Nierenkranke sollten Wacholder jedoch meiden“, betont die Witzenhäuserin.

Desinfizierender Rauch

Der Rauch von Holz, Nadeln und Beeren hat einen desinfizierenden Effekt. „Früher wurden Kranken- und Sterbezimmer mit Wacholder ausgeräuchert“, führt Fehrmann aus. Durch Räuchern lässt sich aber auch Fleisch haltbar machen. Bekannt ist der Wacholderschinken. „Vielleicht können wir einmal einen Fleischer für die Herstellung eines solchen Regionalprodukts gewinnen“, hofft Naturpark-Mitarbeiter Bringmann.

Frau-Holle-Gin aus Hessisch Lichtenau

Einen Frau-Holle-Gin, allerdings ohne Wacholderbeeren vom Frau-Holle-Berg Meißner, brauen die Hessisch Lichtenauer Hollebrüder: Christian Heller, Björn Künzel und Danny Scherm. „Ich wusste gar nicht, dass auf dem Meißner Wacholder wächst“, bekennt Heller. Er und seine Gin-begeisterten Mitstreiter haben zusammen mit einer Brennerei aus Rostock eine Rezeptur entwickelt, die neben dem Wacholder unter anderem auch Germeröder Mohn sowie Lavendel und Holunder enthält.

Im vergangenen Dezember bot das Trio das Getränk erstmals an. „Drei Wochen später saßen wir auf dem Trocknen“, so Heller. Alle Flaschen waren verkauft. Den Frau-Holle-Gin gibt es überall in den Supermärkten der Region, aber auch an Tankstellen, in Hotels oder bei den Tourist-Infos zu kaufen. (Von Michael Caspar)

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