Wähler wollen entscheiden

Besondere Themen beeinflussen Wahlbeteiligung im Werra-Meißner-Kreis

Keine generelle Wahlmüdigkeit: Bei der Kommunalwahl machten mehr Wahlberechtigte ihre Kreuzchen, wenn etwas Konkretes zu entscheiden war.
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Keine generelle Wahlmüdigkeit: Bei der Kommunalwahl machten mehr Wahlberechtigte ihre Kreuzchen, wenn etwas Konkretes zu entscheiden war.

Geht es um besondere Themen, dann zieht es mehr Wähler an die Urnen. Eine Analyse zur Wahlbeteiligung im werra-Meißner-Kreis.

Werra-Meißner – Immer häufiger ist von Politikverdrossenheit die Rede, die von den Politikern noch befördert würde? Ist das auch bei den Wahlen, bei denen es um das direkte Umfeld geht, also um Dorf, Gemeinde, Stadt und Kreis, wofür sich vielleicht sogar der Nachbar engagiert? Die Entwicklung der Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen am Sonntag könnte eine Antwort geben:

An der Wahl zum Werra-Meißner-Kreistag beteiligten sich 56,1 Prozent der Wahlberechtigten, das sind 2,6 Prozentpunkte mehr als 2016. Fünf Jahre davor lag die Beteiligung bei 54,3 Prozent. Also hat sich der Trend offensichtlich umgekehrt, auch wenn die Veränderungen nicht sehr stark sind.

Das war bei den Wahlen zu den Stadt- und Gemeindeparlamenten jetzt anders – allerdings nicht in allen Kommunen. Wo eine wirkliche Entscheidung von den Bürgern getroffen werden kann, da gingen sie auch vermehrt ins Wahllokal beziehungsweise forderten ihre Briefwahlunterlagen an. Das war zunächst einmal bei den Bürgermeister-Direktwahlen in Bad Sooden-Allendorf und Eschwege der Fall: In der Badestadt gab es drei Kandidaten für den Rathaus-Chefsessel, über die parallel zur Kommunalwahl abgestimmt wurde. Da stieg die Wahlbeteiligung von 50,0 Prozent um mehr als ein Viertel auf 64,8 Prozent. In der Kreisstadt gab es einen Zweikampf um den Posten des Rathaus-Chefs, sodass die Wahlbeteiligung mit 50,9 Prozent um 6,2 Punkte höher lag als bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren – ohne Bürgermeister-Entscheid.

In den beiden Gemeinden, in denen am vergangenen Sonntag der Amtsinhaber konkurrenzlos zur Wiederwahl stand, war dagegen nur ein leichter Anstieg bei der Wahlbeteiligung zu verzeichnen: 3,6 Prozent plus in Berkatal und 1,0 Punkte mehr in Meißner – aber immerhin auf dem Niveau von 68,1 beziehungsweise 68,0 Prozent.

Deutlich mehr Bürger als 2016 machten ansonsten noch in den Gemeinden Neu-Eichenberg (8,5 Prozent mehr), Ringgau (5,5), Wehretal (3,9) und Weißenborn (2,2) sowie in der Stadt Witzenhausen (4,7) ihre Kreuze.

In Neu-Eichenberg stand ganz klar die Zukunft des geplanten Logistikgebiets im Mittelpunkt der Entscheidung, im Ringgau ging es um eine Art Neuanfang nach jahrelang verschleiertem Defizit der gemeindlichen Haushalte. Und in Witzenhausen motivierten offenbar die ökologisch und alternativ orientierten Parteien und Wählergruppen ihre Klientel zum Gang an die Wahlurne.

Dagegen setzte sich in den Städten Hessisch Lichtenau und Sontra die Wählermüdigkeit fort und nicht einmal mehr machte jeder zweite Wahlberechtigte von seinem Wahlrecht Gebrauch: minus 6,5 auf 48,4 Prozent in Hessisch Lichtenau und minus 4,2 auf 49,2 Prozent in Sontra. In diesen Städten gab es keine „spannenden“ Themen, die den Wahlkampf beherrschten. (Stefan Forbert)

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