Katastrophe am 31. März 1945

Vor 70 Jahren explodierte in Waldkappel ein Munitionszug

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Vor dem Angriff: Das letzte bekannte Foto des unbeschädigten Bahnhofs entstand 1940. Fünf Jahre später wurde das Gebäude bei einem Luftangriff komplett zerstört.

Fliegeralarm war im Frühjahr 1945 in Waldkappel alltäglich. Wegen der nahen Munitionsfabrik Hirschhagen war der Bahnhof besonders gefährdet. Am 31. März kam es zur Katastrophe.

Es muss ein ohrenbetäubender Knall gewesen sein, der die Bewohner Waldkappels am Nachmittag des 31. März 1945 aufschrecken ließ. Dabei waren sie den Kriegslärm in diesen Tagen traurigerweise fast wieder gewohnt. In der Woche vor Ostern beschossen alliierte Flieger täglich den Bahnhof und abgestellte Züge. Sie waren die Vorboten der von Westen her anrückenden US-Panzereinheiten. Trotz dieses andauernden Beschusses fiel den Angriffen bis zum Ostersamstag nur ein Mensch zum Opfer. Die Katastrophe vom Ostersamstag ahnte jedoch keiner der Bewohner voraus.

Nicht mehr als ein paar Mauern: Die Überreste des Lokschuppens am Bahnhof in Waldkappel um 1954. Das Foto stellt uns das Heimatmuseum Waldkappel zur Verfügung.

Vorbote dessen, was geschehen würde, war ein am späten Vorabend im Bahnhof einrollender Zug mit der Unheil verkündenen Aufschrift „Dynamit AG, vorm. Alfred Nobel, Hessisch Lichtenau“. Dieser bestand aus 35 Güterwagen und war mehr als 400 Meter lang. Die Ladung: Kisten vollgepackt mit hochexplosivem Sprengstoff. Dass der Zug auch am Nachmittag des Ostersamstags noch im Wadkappeler Bahnhof stand, war Ergebnis einer Verkettung unglücklicher Umstände. Eine vom benachbarten Bahnhof Niederhone angeforderte Lok sollte den Zug nach Eschwege bringen. Diese blieb bei der Anfahrt jedoch wegen eines Defekts liegen. Die gegen halb fünf eintreffende Warnung vor Tieffliegern kam zu spät.

Um 16.55 Uhr trafen Geschosse den Munitionszug, der mit einem weit hörbaren Explosionsschlag detonierte. Die Druckwelle riss Erdmassen und Trümmer hoch in die Luft. Eine Feuer- und Rauchsäule stand binnen Sekunden über dem Gelände. Augenzeugen berichteten von einem Moment der Stille, in dem das Entsetzen über die Katastrophe nicht greifbar gewesen sei. Das mehrgeschossige Empfangsgebäude mit Wartesälen und Wohnungen, zwei Güterschuppen, Drehscheibe und anliegende Wirtschaftsgebäude waren von einem Moment zum nächsten nicht mehr existent. 25.000 Kubikmeter Erdmasse waren fortgerissen, ebenso knapp vier Kilometer Gleise und vierzehn Weichen. Erst in der vergangenen Woche, 70 Jahre nach dem Angriff, fand der Waldkappeler Forstarbeiter Andreas Struthmann Bombensplitter - knapp anderthalb Kilometer von der Explosionsstelle entfernt.

Nicht ganz so massiv, aber immer noch tragisch waren die Verwüstungen im Ortskern. Die Erschütterung hatte zusammen mit der Druckwelle die Dächer vieler Häuser ganz oder teilweise abgedeckt. Fenster und Türen waren eingedrückt. Wohnhäuser mussten geräumt werden, die Kirche war nicht mehr zu benutzen. Hätte der Bahnhof nicht etwa 400 Meter außerhalb der Stadt und auf einer kleinen Anhöhe gelegen, wäre der Schaden weitaus höher ausgefallen. Die abgedeckten Dächer der Häuser begünstigten zwei Tage später die sich ausbreitenden Brände, als Folge des Panzer- und Fliegerbeschusses bei der endgültigen Einnahme Waldkappel durch US-Truppen am Ostermontag.

Von Lasse Deppe

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