Nach wie vor ihr Traumberuf

Sie putzt, wo andere starben: Nadine Herrmann-Riesinger reinigt Tatorte

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In Aktion: Tatortreinigerin Nadine Herrmann-Riesinger aus Waldkappel in voller Montur und mit ihrer Ausrüstung.

Klischees, was die vermeintlich geschlechtertypische Berufswahl angeht, sind hartnäckig. Wir zeigen Menschen, die sich davon freimachen, wie Tatortreinigerin Nadine Herrmann-Riesinger.

Wann sie denn endlich mal zusammen mit Bjarne Mädel in der NDR-Serie „Der Tatortreiniger“ zu sehen ist, wird Nadine Herrmann-Riesinger oft gefragt. Denn sie geht dem gleichen, doch eher seltenen Beruf nach wie Mädels bekannte Figur Schotty.

„Ich hätte es gerne gemacht, aber mittlerweile wurde das Comedyformat ja leider eingestellt. Leider, weil ich erstens selbst Fan der Serie bin – ich habe alle Folgen auf DVD –, und zweitens, weil in der Realität nicht alle Tatorte so schön ordentlich sind wie im Fernsehen. Die von Schotty sind ein Traum“, sagt die 47-Jährige.

Wenn Nadine Herrmann-Riesinger zu Einsätzen in ganz Deutschland gerufen wird, sind die Leichen der Opfer nach Gewaltverbrechen zwar auch schon in der Gerichtsmedizin, aber dennoch seien die Wohnungen und Häuser nicht vergleichbar mit denen in der NDR-Serie. „Häufig stinkt es, alles ist unaufgeräumt und Maden und Fliegen sind auch da. Gerade, wenn ein Toter schon längere Zeit unbemerkt am Tatort gelegen hatte“, berichtet Herrmann-Riesinger.

Wenn sie ankommt, empfindet sie trotzdem keinen Ekel. „Für mich ist das einfach Arbeit – so wie für andere, ein Dokument zu bearbeiten. Ich überlege mir, mit welchen Mitteln ich Boden oder Möbel vom Blut reinige und lege los“, sagt die Waldkappelerin.

Doch wie schafft sie das? Die Antwort liegt in der Ausbildung Anfang der 90er-Jahre zur Glas- und Gebäudereinigerin. „Wenn ich Mist verzapft habe, wurde ich zur Strafe in ein Schlachthaus geschickt und musste die Innereien und das Blut der Schweine wegputzen. Das hat mich abgehärtet.“

Natürlich arbeitet Nadine Herrmann-Riesinger nicht ausschließlich an Tatorten von Verbrechen. Sie ist weiterhin parallel auch als Gebäudereinigerin, Schädlingsbekämpferin und Desinfektionsfachkraft tätig – teils über eine europaweit agierende Firma, teils selbstständig.

Nadine Herrmann-Riesinger, Tatortreinigerin

Nach eigener Aussage kann die aus Berlin stammende Mutter eines erwachsenen Sohnes beim Reinigen oder Beraten von Kunden am besten abschalten, es sei nach wie vor ihr Traumberuf. „Es freut mich auch immer, wenn ich Menschen helfen kann – so zum Beispiel kürzlich, als ich die Wohnung eines pflegebedürftigen älteren Mannes aufgeräumt und gereinigt habe“, erklärt Nadine Herrmann-Riesinger.

Was sie stört, sind die niedrigen Löhne in ihrem Gewerbe – und das trotz der immer strengeren Hygieneverordnungen. „In Firmen wird zuerst am Reinigungs- oder Servicepersonal gespart. Das halte ich für den falschen Weg“, appelliert sie. Denn echte Tatortreiniger verdienen nicht so gut wie Schotty.

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