Pferdesteuer: 200 demonstrieren vor Waldkappeler Bürgerhaus

Waldkappel. Gemeinsam gegen die Pferdesteuer: Unter diesem Motto haben am Freitagabend 200 Menschen vor dem Waldkappeler Bürgerhaus demonstriert. Dazu hatte der Kreisreiterbund Werra-Meißner aufgerufen.

Aktualisiert 12.05 Uhr

"Was man mit Demonstrieren erreichen kann, zeigt ein Blick 25 Jahre zurück", sagte Frank Theune, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbands mit Anspielung auf den Fall der Mauer. Den Tierfreunden stößt besonders sauer auf, dass der Waldkappeler Haushalt auf Kosten einer geringen Zahl von Einwohnern aufgebessert werden soll. Laut Eduard Saakel vom RFV Waldkappel gibt es in der Gemeinde aktuell 85 Pferde, verteilt auf 25 Besitzer.

Die Demonstranten hatten Dutzende Plakate gemalt, auf denen Slogans wie "Pferdesteuer gleich Kindertränen", "Pferdesteuer gleich Hobbytod" und "Ausgeglichener Haushalt auf dem Rücken der Pferde" standen. Ihnen missfällt auch, dass die Steuer für viele ehrenamtliche Helfer in den Reitvereinen demotivierend sei. Zudem gehöre eine Sportart nicht besteuert, sagte Frank Theune. "Wo soll das sonst in Zukunft noch hinführen", fragte er, die Menge applaudierte lautstark. Zwischen Rednerpult und Publikum hatten die Demonstranten einen Weg abgesperrt. Die zur anschließenden Sitzung eintreffenden Stadtverordneten mussten so zwangsläufig den Weg mitten durch die Menge wählen.

Versorgt wurden die Protestler mit Brezeln und Wasser, die Mitglieder des Waldkappeler Reitvereins verteilten. Mehrere Polizeibeamte behielten die Veranstaltung im Innenhof des Bürgerhauses im Blick, mussten wegen der durchweg friedlichen Atmosphäre aber zu keinem Zeitpunkt eingreifen. Der Großteil der Anwesenden nahm im Anschuss als Zuschauer an der Stadtverordnetenversammlung teil.

Demonstration gegen die Pferdesteuer vor dem Waldkappeler Bürgerhaus

Die Abgeordneten trafen am Abend aber noch keine Entscheidung. Sie überwiesen die Diskussion zunächst in den Haupt- und Finanzausschuss. „Dass wir mit der Pferdesteuer nicht auf Gegenliebe stoßen, ist uns bewusst“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Frank. Seine Partei werde aber trotzdem dem Vorschlag aktuell nicht zustimmen, weil man im Kreis nicht als Insel dastehen wolle. Dass die Steuer keine Idee einer einzelnen Kommune ist, unterstrich auch Lothar Hellwig (CDU): „Die Idee wurde uns quasi mit dem Schutzschirm vom Land in die Wiege gelegt.“ GAL-Chef Andreas Heine positionierte sich von Beginn an deutlich. „Man darf sich nicht willkürlich eine kleine Gruppe herausgreifen. Pferdebesitzer sind nicht zwangsläufig reiche Leute“, sagte er und erntete großen Applaus aus dem Publikum, der vom Parlamentsvorsitzenden Frank Fahrenbach mit einer Zurechtweisung jedoch jäh unterbrochen wurde.

Von Lasse Deppe

Rubriklistenbild: © Lasse Deppe

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