Wölfe in Hessen

Wölfe bedrängen Landwirt und umkreisen Schlepper - „Ich war so erschrocken“

Wölfe in Hessen: Landwirt Björn Pöpperl hat die beiden Tiere von seinem Schlepper aus am späten Dienstagabend nahe des Festplatzes in Waldkappel-Kirchhosbach fotografiert.
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Wölfe in Hessen: Landwirt Björn Pöpperl hat die beiden Tiere von seinem Schlepper aus am späten Dienstagabend nahe des Festplatzes in Waldkappel-Kirchhosbach fotografiert.

In Hessen werden immer mehr Wölfe gesichtet. Im Werra-Meißner-Kreis beobachten zwei Tiere einen Landwirt und umkreisen ihn.

Kirchhosbach – Ein Wolfspaar hat am späten Dienstagabend nahe des Festplatzes in Waldkappel-Kirchhosbach einen Landwirt bedrängt, der dort auf dem Feld mit seinem Schlepper gearbeitet hat. Ob es sich um das möglicherweise dritte Wolfspaar in Hessen handeln könnte oder um zwei Jungwölfe, die zusammen jagen, ist bisher unklar.

Der Landwirt Björn Pöpperl war mit seinem Schlepper bei der Bodenbearbeitung auf dem Stoppelfeld am Dorfrand von Kirchhosbach unterwegs, als gegen 22.15 Uhr – es war bereits komplett dunkel – zunächst ein Wolf plötzlich direkt vor seinem Fahrzeug im Scheinwerferlicht steht. Ein zweiter Wolf habe sich etwas weiter entfernt in Sichtrichtung in eine Furche geduckt, „so, als habe er sich noch ein bisschen verstecken wollen“, erzählt Pöpperl.

Wölfe in Hessen: „Haben mich beobachtet“ - Tiere beunruhigen Landwirt

„Ich war so erschrocken, als ich auf einmal die beiden Wölfe um mich herum gesehen habe“, sagt der Landwirt. Dann stoppt er seinen Schlepper und beginnt mit seinem Handy die beiden Tier zu fotografieren, die für die nächsten fünf bis sechs Minuten dicht an seinem Fahrzeug bleiben. Dann, so beschreibt es der Landwirt, kommen die beiden Wölfe wieder zusammen und ziehen langsam zum Wald, in den sie dann zunächst auch abtauchen.

Doch nach 20 Minuten stehen beide Wölfe erneut vor seinem Schlepper. „Die standen ganz nah und haben mich beobachtet“, sagt er. Da sei ungefähr zehn Minuten so gegangen. Pöpperl setzt sich mit seinem Schlepper wieder langsam in Bewegung und das Wolfspaar folgt ihm noch geraume Weile, bis es wieder im Wald abtaucht. Obwohl der Landwirt an seiner Maschine noch hätte zu arbeiten gehabt, wagt er sich nicht, auszusteigen, sondern tritt die Heimfahrt an. Er ist sich relativ sicher, dass es sich bei den beiden Tieren nicht um ausgewachsene, sondern um Jungwölfe gehandelt habe.

Kommt ganz dicht: Einer der Wölfe steht am Dienstag dicht vor dem Schlepper.

Immer mehr Wölfe gesichtet - Amt in Hessen dokumentiert Wolfspaare

Die Fotos des Wolfspaares wurden am Mittwochmorgen an das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), auch zuständig für das Wolfsmanagement und Wolfsmonotoring in Hessen, geschickt. Die Leiterin Susanne Jokisch, die die Fotos der beiden Wölfe gesichtet hat, sagte auf Anfrage, dass zunächst der Standort der Bilder durch das HLNUG verifiziert werden müsse, da immer wieder Videos aus beispielsweise Polen auftauchen, die dann in verschiedenen Regionen Deutschlands verortet würden.

„Aber ich halte in diesem Fall die Angaben für glaubhaft.“ Dennoch werde man standardmäßig so vorgehen. Was die Tiere selbst betrifft, sei es laut Jokisch möglich, dass es sich um Wölfe im zweiten Lebensjahr handelt, die das Elternrudel verlassen haben, um sich ein eigenes Territorium zu suchen. Möglich sei auch, dass es sich bei einem der Tiere um die Stölzinger Wölfin handelt, die seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr gesichtet und nachgewiesen worden ist. Ohne DNA-Proben sei aber die Identität der Tiere nicht festzustellen. In Hessen sind derzeit zwei Wolfspaare nachgewiesen: Ein Paar lebt im Rheingau-Taunus-Kreis, andere Wölfe im Kreis Hersfeld-Rotenburg. (Stefanie Salzmann)

In Niedersachsen bereiten Wölfe den Schäfern große Sorge - sie geben teils ihren Job auf.

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